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17.03.2017 | Kardiomyopathie | Nachrichten

ACC 2017: Ist „Sofa auf Rezept“ bald out?

Sport bei hypertropher Kardiomyopathie? Erste randomisierte Studie liefert Daten

Autor:
Philipp Grätzel

Patienten mit hypertropher Kardiomyopathie profitieren von moderatem körperlichem Training und scheinen zumindest auf kurze Sicht kein erhöhtes kardiales Risiko zu haben. Darauf deutet die RESET-HCM-Studie, die jetzt beim ACC-Kongress in Washington vorgestellt wurde.

Bei Patienten mit hypertropher Kardiomyopathie (HCM) raten US-amerikanische und auch europäische Leitlinien derzeit zur Vorsicht was körperliche Aktivität angeht. Diese Empfehlung basiert wesentlich auf der Erkenntnis, dass Hochleistungssportler mit HCM und insbesondere mit hypertropher obstruktiver Kardiomyopathie (HOCM) ein hohes Risiko für anhaltende ventrikuläre Tachykardien und plötzlichen Herztod haben.

Ob auch weniger intensives Training gefährlich sein kann, ist bisher kaum untersucht. Was es gibt, sind Untersuchungen, die darauf hindeuten, dass die Mehrheit der Patienten mit HCM nach der Diagnose ihre körperliche Aktivität deutlich einschränkt. Muss das wirklich sein? Profitieren HCM-Patienten wirklich davon, wenn sie mit dem Ziel der Senkung des rhythmologischen Risikos ein inaktivitätsbedingt höheres Risiko für atherosklerotische Erkrankungen in Kauf nehmen?

Studie bei 136 HCM-Patienten

Kardiologen der Universität Michigan haben sich diesen Fragen jetzt in der RESET-HCM-Studie genähert, einer randomisierten Studie mit 136 HCM-Patienten, die entweder vier Monate lang ein moderates körperliches Aktivitätsprogramm absolvierten oder ihren bisherigen Lebensstil beibehielten. Über die Ergebnisse berichtete Studienleiter Dr. Sara Saberi beim ACC-Kongress in Washington DC, zeitgleich wurden die Resultate in der Zeitschrift JAMA publiziert.

Moderate körperliche Aktivität war definierte als straffe, mindestens halbstündige Märsche an mindestens vier Tagen pro Woche, alternativ andere moderate sportliche Betätigungen, die nicht an die Leistungsgrenze gehen.

Trainingszustand verbessert

Die Kernbotschaft lautet, dass auch HCM-Patienten auf diese Art der Belastung (erwartungsgemäß) mit einer im Vergleich zur Kontrollgruppe stärkeren Zunahme der maximalen Sauerstoffkapazität, dem primären Endpunkt, reagierten. Mit anderen Worten: Der Trainingszustand der HCM-Patienten verbesserte sich. Der Unterschied zwischen den Gruppen war nicht so ausgeprägt wie in der Hypothese postuliert, aber er war statistisch signifikant.

Keine Zunahme von Arrhythmien

Sekundär wurde natürlich all das untersucht, was man so befürchtet, wenn HCM-Patienten Sport machen. Da fand sich allerdings nicht viel. Anhaltende ventrikuläre Arrhythmien waren nicht häufiger. Auch bei plötzliche Herzstillständen und Defibrillatorschocks gab es keine Unterschiede. Todesfälle traten auch nicht auf. Die Lebensqualität unterschied sich zwischen den Gruppen allerdings auch nicht.

Die Wissenschaftler betonten in Washington, dass diese Studie kein Freibrief für die Verordnung von Sporttherapien an HCM-Patienten sein könne, und in einem die JAMA-Publikation begleitenden Editorial schließen sich Dr. Anjali Owens und Dr. Thomas Cappola, HCM-Experten von der Universität Pennsylvania, dieser Auffassung an. Sie interpretieren die RESET-HCM-Studie aber schon als einen Startpunkt und einen Aufruf, sich um dieses Thema etwas intensiver zu kümmern mit dem Ziel, von den derzeitigen restriktiven Empfehlungen ein Stück weit wegzukommen.

Weitere Studien gefordert

Die RESET-HCM-Studie alleine reicht dazu unter anderem deswegen nicht aus, weil sie zu klein ist und nur ein kurzes Follow-up hatte. Auch hat nur etwa jeder sechste gescreente Patient am Ende an der Studie teilgenommen, was zu einem Gutteil daran lag, dass die Patienten eine Teilnahme ablehnten, möglicherweise aus Angst. Immerhin: Es gab unter den Studienteilnehmern einen gewissen Anteil an Patienten mit erhöhtem Risiko: 30 Prozent waren Defibrillator-Träger, und bei einigen wenigen lag eine obstruktive HCM vor bzw. waren anamnestisch Episoden von anhaltenden ventrikulären Tachykardien bekannt.

Literatur