Nachrichten 12.02.2019

Trimetazidin bei nicht-obstruktiver hypertropher Kardiomypathie ohne Nutzen

Die Belastungsfähigkeit von Patienten, die an einer nicht-obstruktiven Form der hypertrophen Kardiomyopathie (HCM)  leiden, lässt sich durch eine Behandlung mit dem Wirkstoff Trimetazidin wohl nicht verbessern, legen Ergebnisse einer neuen Studie nahe.

Trimetazidin ist ein antiischämischer Wirkstoff, der primär bei stabiler Angina pectoris als Second-Line-Option therapeutisch genutzt wird. Trimetazidin hemmt die β-Oxidation von Fettsäuren, wodurch die Glukoseoxidation verstärkt wird. Bei der Energiegewinnung durch Glukoseoxidation wird in Zellen weniger Sauerstoff verbraucht und so der intrazelluläre Energiestoffwechsel während einer Ischämie optimiert und aufrechterhalten.

Eine Gruppe britischer Forscher um Dr. Perry M. Elliott vom University College London hatte die Hoffnung, durch eine potenziell günstige Einflussnahme auf die myokardiale Energiegewinnung mit Trimetazidin die Symptomatik von Patienten mit nicht-obstruktiver HCM (linksventrikulärer Ausflusstrakt-Gradient <50 mmHg) verbessern zu können. Der Nachweis in einer dafür initiierten randomisierten Studie schlug jedoch fehl.

In diese Studie waren 49 Patienten symptomatische Erwachsene mit nicht-obstruktiver HCM  aufgenommen worden, von denen 26 eine Therapie mit Trimetazidin und 23 eine Placebo-Behandlung additiv zu einer stabilen medikamentösen Basistherapie erhielten.

Beim Gehtest schlechter abgeschnitten

Günstige Auswirkungen auf die Belastungskapazität hatte Trimetazidin allerdings nicht: Nach drei Monaten war die maximale Sauerstoffaufnahme (VO2) während des Ergometertests in der damit behandelten Gruppe im Schnitt um 1,35 ml/kg pro Minute niedriger als in der Placebo-Gruppe. Der Unterschied wird von den Studienautoren als geringfügig und klinisch nicht relevant bewertet. Beim 6-Minuten-Gehtest legten die mit Trimetazidin behandelten Patienten im Vergleich zur Placebogruppe eine im Schnitt um 38,4 m geringere Gehstrecke zurück. Im Hinblick auf Symptome, echokardiografische Parameter der systolischen und diastolischen Funktion sowie kardiale Biomarker gab es keine nennenswerten Unterschiede.

Eine wesentliche Limitierung der Studie resultiert aus der Tatsache, dass man trotz verlängerter Rekrutierungsphase deutlich unter der ursprünglich vorgesehenen Teilnehmerzahl blieb. Damit ist die  Studie aus statistischer Sicht als „unterpowert“ anzusehen. Zuverlässige Schlussfolgerungen bezüglich des Stellenwerts von Trimetazidin können somit aus dieser Studie nicht gezogen werden.

Literatur

Coats C.J. et al.: Effect of Trimetazidine Dihydrochloride Therapy on Exercise Capacity in Patients With Nonobstructive Hypertrophic Cardiomyopathy: A Randomized Clinical Trial. JAMA 2019; doi:10.1001/jamacardio.2018.4847.

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Bildnachweise
eHealth in der Kardiologie/© ra2 studio / stock.adobe.com
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