Nachrichten 18.07.2019

Zusammenhang zwischen Broken-Heart-Syndrom und Krebs entdeckt

Forscher konnten in einer internationalen Studie zeigen, dass jeder sechste Teilnehmer mit Broken-Heart-Syndrom auch Krebs hatte. Das Screening solcher Patienten auf Krebs und umgekehrt könnte ihre Betreuung verbessern und ihr Sterberisiko senken.

Das Broken-Heart-Syndrom, auch Takotsubo-Syndrom oder Stress-Kardiomyopathie genannt, ist ein herzinfarktähnliches Krankheitsbild mit Brustschmerz und Atemnot, jedoch ohne Beteiligung der Koronarien. Es führt zu einer plötzlich einsetzenden linksventrikulären Dysfunktion und kann durch emotionalen oder physischen Stress ausgelöst werden.

Eine Studie mit Patienten aus 26 Zentren lieferte die bisher stärkste Assoziation zwischen dem Broken-Heart-Syndrom und Krebs. Einer von sechs Studienteilnehmern mit Stress-Kardiomyopathie hatte auch Krebs und innerhalb von fünf Jahren nach Beginn des Syndroms ein erhöhtes Sterberisiko.

Von 1.604 Patienten mit Broken-Heart-Syndrom hatten 267 Krebs. Das Durchschnittsalter lag bei 69,5 Jahren, 87,6% waren weiblich. Am häufigsten war Brustkrebs, gefolgt von Tumoren im Magen-Darm-Trakt, den Atemwegen, den inneren Geschlechtsorganen, der Haut und weiteren Bereichen.

Emotionaler Auslöser für Broken-Heart-Syndrom bei Krebspatienten seltener

Bei den Patienten mit Krebs war es weniger wahrscheinlich, dass es einen emotionalen Auslöser für das Syndrom gab im Vergleich zu denen ohne Krebs (18,0% gegenüber 30,3%). Bei Ersteren war aber ein physischer Auslöser häufiger, etwa ein medizinischer Eingriff oder ein physisches Trauma (47,9% gegenüber 34,2%). In den ersten 30 Tagen nach Beginn des Broken-Heart-Syndroms war das Sterberisiko in beiden Gruppen ähnlich hoch, obwohl die Patienten mit Krebs ein höheres Risiko hatten, im Krankenhaus zu sterben oder intensive Unterstützung der Herz- und Lungenfunktion zu benötigen.

Die Studie war jedoch zu klein, um zu analysieren, ob die schlechtere Prognose von Patienten mit Broken-Heart-Syndrom und Krebs mit einer bestimmten Art, mit dem Stadium der Krebserkrankung oder mit der Krebstherapie zusammenhängen könnte.

Hat Chemotherapie eine kardiotoxische Wirkung?

"Patienten mit Broken-Heart-Syndrom könnten davon profitieren, wenn sie auf Krebs untersucht werden, eine frühere Diagnose könnte ihre Überlebensrate verbessern“, sagte Dr. Christian Templin, leitender Autor der Studie und Kardiologe am Herzzentrum der Universität Zürich in einer Pressemeldung der American Heart Association (AHA).

"Unsere Studie sollte auch Onkologen und Hämatologen darauf aufmerksam machen, dass sie das Broken-Heart-Syndrom bei Patienten mit Krebsdiagnose in Betracht ziehen sollten, wenn Brustschmerzen, Atemnot oder Auffälligkeiten im Elektrokardiogramm auftreten", so Templin.

Die Studienautoren plädieren dafür, dass der Mechanismus, durch den eine Krebserkrankung oder -behandlung die Entwicklung eines Broken-Heart-Syndroms fördern könnten, genauer analysiert wird. Ihre Ergebnisse seien ein weiterer Grund, die mögliche kardiotoxische Wirkung der Chemotherapie zu untersuchen.

Literatur

Templin C et al. Clinical Features and Outcomes of Patients With Malignancy and Takotsubo Syndrome: Observations From the International Takotsubo Registry. Journal of the American Heart Association 2019. https://doi.org/10.1161/JAHA.118.010881

AHA-Pressemitteilung: Broken heart syndrome linked with cancer. 17.07.2019.

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