Onlineartikel 13.04.2015

Katheterablation: Heiß oder kalt macht (fast) keinen Unterschied

Bei Vorhofflimmern ist eine Katheterablation mithilfe der Kryoballon-Technik klinisch ebenso erfolgreich wie die technisch anspruchsvollere Ablation mittels Radiofrequenzstrom. Dafür sprechen beim DGK-Kongress vorgestellte Ergebnisse der deutschen Vergleichsstudie FreezeAF.

Die Entdeckung, dass fokale elektrische Depolarisationen innerhalb der Pulmonalvenen als Trigger von (paroxysmalem) Vorhofflimmern wirksam sind, war der Ausgangspunkt für die Entwicklung eines neuen interventionellen Therapieansatzes. Dabei wird versucht, durch gezielte Verödung von Gewebe mittels Kathetertechnik und bestimmter Energieformen (Radiofrequenzstrom, Kälte, Laser) die Trigger elektrisch vollständig vom Vorhofmyokard zu isolieren (Pulmonalvenenisolation).

Bei der Radiofrequenz-Ablation geschieht dies durch Schaffung längerer linearer zirkumferenzieller Läsionen, die in „Punkt-für-Punkt“-Technik angelegt werden. Das ist zeitaufwändig und erfordert viel Erfahrung.

Angesichts der Komplexität dieser Ablationstechnik ist nach alternativen Verfahren gesucht worden, die bei möglichst einmaliger Energieapplikation („single shot“) eine einfachere, schnellere und sicherere Behandlung ermöglichen. Die meisten Erfahrungen liegen dabei derzeit für die kälteinduzierte Ablation mittels Kryoballon vor. Sie ist inzwischen ebenfalls ein Standardverfahren zur Pulmonalvenenisolation bei Vorhofflimmern.

Erstmals Vergleich in einer randomisierten Studie

Einen direkten Vergleich beider Ablationsverfahren in einer prospektiven randomisierten Studie gab es bislang nicht. Diese Lücke wollten Kardiologen am Städtischen Klinikum Karlsruhe mit der von ihnen initiierten Studie FreezeAF schließen. Die Ergebnisse hat Dr. Armin Luik in einer „Late-breaking Trials“-Sitzung bei der DGK-Jahrestagung 2015 in Mannheim vorgestellt.

Im Verlauf der Studie sind insgesamt 315 Patienten mit dokumentiertem paroxysmalem Vorhofflimmern randomisiert einer der Ablationsbehandlung mittels Radiofrequenz- oder Kryoballon-Technik zugeteilt worden. Bei allen Patienten hatte sich zuvor mindestens ein medikamentöser Therapieversuch mit Antiarrhythmika als erfolglos erwiesen.

Wiederholte Ablationsprozeduren durften frühestens nach sechs Monaten in Angriff genommen werden. Zur Detektion möglicher Vorhofflimmern-Rezidive wurde nach sechs und zwölf Monaten jeweils ein Holter-EKG-Monitoring über sieben bis 14 Tage vorgenommen.

Gleiche Erfolgsquoten

Primäres Kriterium für den Behandlungserfolg war die Freiheit von atrialen Herzrhythmusstörungen ohne fortdauernde Komplikationen nach sechs und zwölf Monaten. Wie Luik berichtete, lagen die entsprechenden Erfolgsquoten bei 64 Prozent (Radiofrequenz) und 63 Prozent (Kryoballon) nach sechs Monaten und 65 Prozent respektive 68 Prozent nach zwölf Monaten (Intention-to-Treat-Analyse).

Die Prozedurdauer war in der Gruppe mit Kryoballo-Ablation signifikant um durchschnittlich 22 Minuten kürzer als in der Gruppe mit Radiofrequenz-Ablation (167 versus 189 Minuten). Bei gleicher Durchleuchtungsdauer war in der Kryoablations-Gruppe im Schnitt eine höhere Strahlendosis benötigt worden.

Mehr Komplikationen bei Kryoballon-Ablation

Unter dem Strich war die Rate an Komplikationen in der Kryoballon-Gruppe signifikant höher als in der Kontrollgruppe (12,2 versus 5,0 Prozent). Den Ausschlag gaben dabei zumeist asymptomatische Nervus-Phrenicus-Paresen, die nach Kryoballon-Ablation bei 5,8 Prozent aller Patienten, nach Radiofrequenz-Ablation hingegen bei keinem Patienten beobachtet wurden. Spätestens nach einem Jahr waren alle Paresen jedoch wieder verschwunden, betonte Luik.

Nach seiner Einschätzung zeigen die Ergebnisse der Studie, dass die Pulmonalvenenisolation mittels Kryoballon-Technik bei paroxysmalem Vorhofflimmern ebenso wirksam ist wie die Katheterablation mittels Radiofrequenzstrom.

Eine Limitierung der Studie: Rund 85 Prozent aller Patienten mit kälteinduzierter Ablation sind noch mit einem Kryoballon der ersten Generation behandelt worden, der in der Praxis inzwischen von einem technisch verbesserten Kälteballon der zweiten Generation verdrängt wurde. 

Literatur

81. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie vom 8.–11. April 2015 in Mannheim.

Sitzung: Late Breaking Clinical Trials: Luik A. Cryo-Ballon Ablation versus Open-irrigated RF Ablation bei Patienten mit paroxsysmalem Vorhofflimmern – Ergebnisse der prospectiven, randomisierten FreezeAF Studie.