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01.04.2016 | Nachrichten | Onlineartikel

Mitralklappenerkrankungen

Katheterverfahren auf dem Weg nach vorn

Autor:
Philipp Grätzel

Gute Langzeitdaten zum Clipping der Mitralklappe bei Mitralinsuffizienz etablieren das Verfahren zunehmend als weiteren Standard neben der Mitralklappenchirurgie. Neue Verfahren wie Annuloplastie und katheterbasierter Mitralklappenersatz müssen sich noch positionieren.

Mit der Veröffentlichung der 5-Jahres-Daten der EVEREST-II-Studie im vergangenen Jahr habe die Mitraclip-Therapie bei Patienten mit Mitralinsuffizienz endgültig Einzug in die klinische Routine gehalten, sagte Prof. Dr. Malte Kelm vom Universitätsklinikum Düsseldorf. In dieser Studie unterschied sich die 5-Jahres-Sterblichkeit bei Behandlung mit Mitraclip nicht von der bei chirurgischer Reparatur der Mitralklappe.

Beim kombinierten Endpunkt aus Tod, Reoperationen und Rezidiven war das Katheterverfahren zwar unterlegen. „Das lag aber vor allem daran, dass in den ersten sechs Monaten mehr Reoperationen nötig waren, und das betraf mehrheitlich Patienten, die früh in die Studie eingeschlossen wurden“, so Kelm. Wurden nur die Ereignisse jenseits des sechsten Monats analysiert, verliefen die Kurven praktisch deckungsgleich. Und da es mittlerweile sehr viel mehr Erfahrung mit dem Verfahren gibt, sind frühe Reoperationen heute längst nicht mehr so häufig wie zu Beginn der EVEREST-II-Studie. „In unserem klinischen Alltag liegen die Erfolgsraten mit dem Clip bei 90 bis 95 Prozent“, so Kelm.

Trotzdem seien weitere Daten nötig, um das Mitraclip-Verfahren noch besser zu untermauern, betonte Kelm. Er verwies insbesondere auf das europäische ACCESS-EU-Register und auf die deutsche MATTERHORN-Studie, in der in Analogie zur EVEREST-II-Studie Operation und Clip direkt verglichen werden, und zwar bei Patienten mit einer sekundären Mitralinsuffizienz auf dem Boden einer ischämischen, dilatativen Kardiomyopathie. Diese Patientengruppe, die in Deutschland die Mehrheit der Mitraclip-Patienten ausmacht, war in der EVEREST-II-Studie nämlich unterrepräsentiert. Hier wurden zu einem erheblichen Anteil Patienten mit primärer Mitralinsuffizienz behandelt.

Weitere katheterbasierte Verfahren

Neben dem Mitraclip stehen die Mitralklappen-Annuloplastie und der Transkatheter-Mitralklappenersatz (TVMI) als weitere katheterbasierte Verfahren in den Startlöchern, um sich als Alternativen zur offenen Chirurgie zu etablieren. Insbesondere die direkte Annuloplastie mit dem Cardioband sei ein sehr vielversprechender Ansatz, so Kelm. In einer vor drei Wochen publizierten Machbarkeitsstudie konnte bei über 90 % der Patienten eine minimale oder maximal milde Regurgitation erreicht werden. Das muss sich jetzt in weiteren Studien bestätigen.

Der Transkatheter-Mitralklappenersatz ist dagegen weiterhin als experimentell anzusehen. „Dieses Verfahren ist schwierig, weil der Klappenring nicht kreisförmig ist und weil sich die Struktur der Mitralklappe in der Füllungsphase ändert“, so Kelm. Auch die Verankerung sei komplizierter, weil in der Regel kein stützender Kalk existiert. „Es gibt eine Reihe von Unternehmen, die sich in diesem Bereich engagieren. Viele Projekte sind aber noch präklinisch, und einige wurden auch wieder gestoppt“, so Kelm. 

Literatur

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