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18.11.2014 | Nachrichten | Onlineartikel

Herzstillstand

Kein Überlebensvorteil durch mechanische Reanimationshilfe

Autor:
Dr. Dirk Einecke

Mit mechanischen Reanimationshilfen wie dem Lucas-2-Gerät lässt sich die Prognose von Patienten mit Herzstillstand nicht verbessern – so das Ergebnis der beim Jahreskongress der American Heart Association 2014 vorgestellten PARAMEDIC-Studie.

Die Qualität der kardiopulmonalen Reanimation ist nicht immer optimal. Häufig gelingt es nicht, kontinuierlich eine effektive Thoraxmassage mit ausreichender Frequenz und optimaler Kompressionstiefe durchzuführen.

Viele Vorteile der mechanischen Herzdruckmassage

Abhilfe könnten hier mechanische Herzdruck-Massagegeräte schaffen: Sie ermüden nicht, sie pumpen kontinuierlich und gleichmäßig, auch während des Transportes oder der Umlagerung des Patienten. Das Rettungspersonal hat entsprechend zwei Hände mehr frei für andere Maßnahmen.

Register- und Real-Life-Studien haben günstige Ergebnisse der gerätegestützten Reanimation angedeutet, doch drei randomisierte Studien konnten bisher keinen prognostischen Vorteil für diese Devices beweisen.

Kontrollierte Studie mit 4400 Patienten

Vor diesem Hintergrund wurde die pragmatische PARAMEDIC (Prehospital Randomized Assessment of a Mechanical Compression Device in Cardiac Arrest)-Studie durchgeführt. In mehreren Provinzen des Vereinigten Königreiches schlossen sich 91 Rettungsstationen zusammen und rekrutierten zwischen 2010 und 2013 insgesamt 4471 Patienten, die außerhalb des Krankenhauses einen Herzstillstand erlitten hatten. 1652 Patienten wurden einer Reanimation durch das Lucas-2-Herzdruckmassage-Gerät der Firma Physio Control zugelost, 2819 Patienten wurden konventionell von Hand reanimiert.

Bei Lucas-2 handelt es sich um ein batteriebetriebenes Gerät, welches den Thorax mit einer Frequenz von 100 pro Minute 4–5 cm tief komprimiert und dabei alle 30 Kompressionen eine Pause macht, in der der Patient beatmet werden kann.

Niedrige Überlebensraten ohne Unterschiede zwischen den Behandlungsgruppen

Die Studie konnte allen theoretischen Vorteilen zum Trotz keinen prognostischen Vorteil der mechanischen Thoraxkompression feststellen: In der Interventionsgruppe überlebten 6% der Patienten die ersten 30 Tage, in der Kontrollgruppe 7% – kein Unterschied. Nach Reanimation durch Lucas-2 wiesen sogar noch weniger Patienten (3,9%) ein günstiges neurologisches Ergebnis auf als nach konventioneller Herzdruckmassage (5,9%). Bei anderen Endpunkten waren die Ergebnisse identisch.

Die Ergebnisse sind nach dem „intention-to-treat“-Prinzip ausgewertet worden. Tatsächlich wurden nur 60% der Interventionsgruppe und 0,4% der Patienten der Kontrollgruppe mit dem Lucas-2-Gerät reanimiert. Dies mag das Ergebnis beeinflusst haben. Schwierigkeiten beim Benutzen des Gerätes sowie Non-Compliance der Ersthelfer waren die häufigsten Gründe.

Die Ausstattung einer Rettungsstation mit mechanischen Reanimationshilfen erfordert erhebliche Investitionen bei der Anschaffung der Geräte sowie in die Ausbildung des Personals. Die PARAMEDIC-Studie liefert keine Argumente, diese zu tätigen.

Literatur

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