Online-Artikel 01.12.2014

Körperliche Bewegung als Mutmacher?

Hoffnungslosigkeit verschlechtert bei KHK-Patienten Morbidität und Lebenserwartung. Regelmäßige Bewegung zu Hause hilft diesen Menschen, mit mehr Hoffnung in die Zukunft zu blicken.

Die Daten einer kleinen amerikanischen Studie zeigen, dass sich hoffnungslos fühlende KHK-Patienten von mindestens dreimal wöchentlicher Bewegung wie Radfahren oder „Walken“ profitieren. Vorangegangene Studien hatten den Zusammenhang zwischen Hoffnungslosigkeit und der Verschlechterung von Mortalität und Morbidität bei KHK-Patienten belegt. Wenn sich die Patienten wieder besser fühlen, sind sie auch eher willens und in der Lage, zukunftsorientiert zu denken und Veränderungen für eine gesündere Lebensweise umzusetzen, so die Hypothese der Autoren.
Bei 324 durchschnittlich 66-jährigen Patienten mit koronarer Herzerkrankung wurde in der aktuellen Untersuchung mittels der „State-Trait-Hoplessness-Scale“ der gefühlte Zustand erfasst. Dabei bezog sich das Stadium der Hoffnungslosigkeit auf die Charakterisierung des Hoffnungslosigkeitsgefühls der Patienten im Augenblick (state) und über einen längeren Zeitraum (trait).
Zu Beginn der Untersuchung, noch im Krankenhaus, war der Anteil mittlerer bis starker Hoffnungslosigkeit bei 24% ein akutes Gefühl, bei 28% ein schon länger empfundener Zustand. Bei 33% traf beides zu.
Nach einem Jahr war bei denjenigen, die nach Ihrer Entlassung mindestens dreimal wöchentlich radfuhren oder spazieren gingen, der Wert auf der „State-Hoplessness-Scale“ um statistisch signifikante 12 Prozent niedriger, nachdem relevante Faktoren wie Alter, Teilnahme an Klinikprogrammen und Depressionen adjustiert worden waren. Überraschend war im Gegensatz dazu, dass die Bewegung der Patienten im Rahmen klinischer Rehabilitationsangebote keinen Einfluss auf den Grad der empfundenen Hoffnungslosigkeit hatte. Möglicherweise ist die erforderliche Initiative für Aktivitäten zu Hause auch der Grund für ein verbessertes Gesundheitsbewusstsein.
Limitiert wird die Aussagekraft der Analyse durch den vorzeitigen Abbruch einiger Teilnehmer, die besonders schlechte „chronische“ Hoffnungslosigkeitswerte (trait) hatten.
Die Autoren schlagen vor, künftig bei KHK-Patienten vor Krankenhausentlassung Bestehen und Ausmaß ihrer Hoffnungslosigkeit zu erfassen. Besonders diejenigen mit einer mittleren bis starken Ausprägung des Zustandes sollten motiviert werden, regelmäßig an Bewegungsprogrammen teilzunehmen, weil sie am meisten davon profitieren können.

Literatur

Jahrestagung der American Heart Association (AHA) vom 15.-19.11.2014 in Chicago. Dr. Susan L. Dunn et al. Posterpräsentation zu Abstract 11032