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17.11.2014 | Nachrichten | Onlineartikel

FACTOR-64-Studie

KHK-Screening mit CT-Angiografie bei Diabetikern ohne Nutzen

Autor:
Dr. Dirk Einecke

Bei asymptomatischen Diabetikern mit hohem kardialem Risiko kann ein KHK-Screening mit CT-Angiografie nicht empfohlen werden, da eventuelle therapeutische Konsequenzen keinen Einfluss auf die Prognose haben.

Diabetes ist der größte KHK-Risikofaktor. Bei Diabetikern entwickelt sich die KHK aufgrund der diabetischen Neuropathie häufig ohne Symptome. Für viele Diabetiker ist deshalb der Herzinfarkt die erste KHK-Krankheitsmanifestation. Aufgrund dieses Zusammenhanges wird seit einiger Zeit empfohlen, bei allen Diabetikern eine KHK-Diagnostik durchzuführen, was in der Regel nichtinvasiv erfolgt.

Mit Hilfe moderner CT-Angiografie-Geräte können Koronarstenosen heute zuverlässig identifiziert werden. Ob dieses Verfahren für ein generelles KHK-Screening bei Diabetikern mit kardialen Risikofaktoren geeignet ist, um KHK-kranke Diabetiker frühzeitig zu identifizieren, zu behandeln und damit ihre Prognose zu verbessern, wurde in der sogenannten FACTOR-64-Studie untersucht.

Langjährige Diabetiker mit kardiovaskulären Risikofaktoren

Die randomisierte Studie wurde mit 900 asymptomatischen Diabetikern (überwiegend Typ 2) im US-Bundesstaat Utah durchgeführt. Die Patienten litten im Schnitt seit über zwölf Jahren an Diabetes und wiesen zusätzlich eine Reihe weiterer kardiovaskulärer Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Dyslipidämie, Schilddrüsenfunktionsstörungen, Depression, Schlafapnoe oder Nierenerkrankungen auf. Manifeste kardiovaskuläre Erkrankungen waren ein Ausschlusskriterium.

Aggressives Management bei Koronarstenosen

Die Hälfte der Patienten wurde einem CT-Angiografie-Screening unterzogen. Bei negativem CT-Befund wurden die Patienten wie jene in der Kontrollgruppe einem leitlinienbasierten Diabetesmanagement unterzogen (HbA1c <7%; LDL <100 mg/dl, systolischer RR <130 mmHg). Bei positivem CT-Befund erhielten die Diabetiker entweder ein aggressives medikamentöses Management (HbA1c <6%, LDL <70 mg/dl, HDL >50 mg/dl, systolischer RR <120 mmHg) oder es wurde bei gegebener Indikation eine Koronarintervention durchgeführt. Die Patienten wurden im Schnitt vier Jahre lang nachverfolgt. Primärer Endpunkt war die Kombination aus Gesamtsterblichkeit, Herzinfarkt oder instabiler Angina pectoris mit Hospitalisation.

Kein Einfluss auf die Prognose

Wie Studienautor Dr. Joseph B. Muhlestein vom Intermountain Medical Center Heart Institute in Murray/Utah beim Jahreskongress der American Heart Association 2014 in Chicago berichtete, hat sich das CT-Screening der Patienten nicht ausgezahlt. Der primäre Endpunkt wurde bei 6,2% der gescreenten Patienten sowie bei 7,6% der Kontrollpatienten registriert – statistisch kein Unterschied. Auch der wesentliche sekundäre Endpunkt (schwere ischämische Koronarereignisse) trat mit 4,4 vs. 3,8% in beiden Gruppen selten und ohne Unterschied auf.

Negative Nutzen-Risiko-Bilanz

Das Koronar-CT ist andererseits teuer und setzt den Patienten einer erheblichen Strahlenbelastung aus. Angesichts der Studienergebnisse in der untersuchten Hochrisikopopulation kann es zum KHK-Screening bei Diabetes nicht empfohlen werden.

Literatur

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