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09.03.2016 | Nachrichten | Onlineartikel

Risikofaktoren

KHK-Sterblichkeit sinkt: Drei Hauptakteure tragen dazu bei

Autor:
Veronika Schlimpert

Die in den letzten Jahrzehnten sinkende KHK-Mortalität lässt sich wohl hauptsächlich auf die abnehmende Prävalenz dreier Risikofaktoren zurückführen – Rauchen, Cholesterin und Bluthochdruck.

In Sachen Prävention und Risikomanagement der koronaren Herzkrankheit hat sich in den letzten Jahrzehnten einiges getan. Bemerkbar machen sich diese Bemühungen u. a. an der sinkenden Sterblichkeit. Welchen Anteil dazu die drei Hauptrisikofaktoren der KHK – Rauchen, hohes Cholesterin und Bluthochdruck – beigetragen haben, haben Wissenschaftler aus Finnland nun für einen Zeitraum von 40 Jahren untersucht. 

Dafür machten sie sich die Daten von 34.525 Männern und Frauen der FINRISK-Studie zunutze, in der neun unabhängige bevölkerungsbasierte Untersuchungen aus North Karelia und Kuopia im Osten Finnlands eingingen. Die KHK-Mortalität wurde basierend auf einem 15-jährigen Follow-up von 14.536 Männern und 15.278 Frauen, die zwischen 1972 und 1997 an der Studie teilgenommen hatten, geschätzt und darüber hinaus aus dem finnischen Mortalitätsregister entnommen.

Für jeden der drei Risikofaktoren berechneten die Studienautoren um Pekka Jousilahti vom National Institute of Health in Helsinki dessen relativen Einfluss auf das jährliche KHK-Mortalitätsrisiko. 

Zu zwei Dritteln der Sterblichkeitsreduktion beigetragen 

Zwischen 1972 und 2012 zeigte sich ein deutlicher Umschwung bzgl. der drei kardiovaskulären Hauptrisikofaktoren. So sank die Raucherprävalenz von 53% auf 23%, wobei bei den Frauen seit den 70iger Jahren zunächst ein Anstieg von 11% auf 22% im Jahr 2002 zu verzeichnen war; danach ging die Prävalenz auf 19% im Jahr 2012 zurück. 

Der Cholesterinspiegel sank bei beiden Geschlechtern innerhalb der ersten 35 Jahre erheblich, in den letzten fünf Jahren stieg er jedoch wieder leicht an (1972: 6,8 und 6,7 mmol/l bei Männern und Frauen; 2012: 5,4 / 5,3 mmol/l). Der mittlere systolische Blutdruck sank bei den Männern von 147,1 auf 135,9 mmHg und bei den Frauen von 149,2 auf 129,1 mmHg. 

Gleichzeitig sank die Mortalität zwischen 1969–1972 bis 2012 bei den Männern um 82% und bei den Frauen um 84%. In den ersten zehn Jahren trugen das veränderte Rauchverhalten sowie niedrigere Cholesterin- und systolische Blutdruckwerte nahezu zu der gesamten Sterblichkeitsreduktion bei, die in diesem Zeitraum beobachtet worden war. In den letzten zehn Jahren steuerten diese drei Hauptrisikofaktoren zu circa zwei Drittel des Rückganges bei; in den 90igern noch zu etwa drei Vierteln. 

Primärprävention wirkt 

Nach Ansicht der Studienautoren zeigen diese Ergebnisse, dass die nationalen Kampagnen zur Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen offenbar gewirkt haben. Das erste umfassende Tabakgesetz sei in Finnland 1976 eingeführt worden, führen sie aus, mittlerweile sei die Raucherprävalenz in Finnland eine der niedrigsten weltweit. 

Über 80% der Reduktion in den Cholesterinwerten ließe sich ernährungswissenschaftlichen Daten zufolge auf ein verändertes Ernährungsverhalten zurückführen und weniger als 20% auf Medikamente wie Statine. Die sinkenden Blutdruckwerte seien vor allem durch die Kombination aus verändertem Lebensstil (u.a. geringerer Salzkonsum) und Pharmakotherapie zu erklären, schreiben Jousilahti und Kollegen. 

Zusätzlicher Nutzen durch verbesserte Sekundärprävention und Behandlung 

Das verbleibende ein Drittel des Mortalitätsrückganges in den letzten zehn Jahren könnte durch andere Risikofaktoren wie Ernährung, körperliche Aktivität ebenso wie auf eine verbesserte Sekundärprävention und Behandlung akuter kardialer Ereignisse zurückzuführen sein. So sind in den 80iger Jahren neue Leitlinien zur Sekundärprävention einschließlich der Empfehlung zur Therapie mit Aspirin, Betablockern, ACE-Hemmern und Statinen eingeführt worden und die invasive Kardiologie hat sich u. a. mit der PCI zunehmend ausgeweitet. 

Trotz dieser Verbesserungen in der Sekundärprävention würde diese Studie verdeutlichen, dass die Primärprävention mit Fokus auf die wesentlichen Risikofaktoren der KHK noch immer als Hauptstrategie zur Senkung der Krankheitslast und Mortalität angesehen werden sollte, schlussfolgern die Studienautoren. 

Literatur

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