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09.03.2016 | Nachrichten | Onlineartikel

Attacke der Drug-eluting Stents

KHK: Unbeschichtete Stents verlieren ihre letzte Bastion

Autor:
Peter Overbeck

Moderne Drug-eluting Stents (DES) sind älteren unbeschichteten Stents (Bare Metal Stents, BMS) klinisch überlegen. Eine gewisse Bedeutung wird den BMS noch bei Patienten mit hohem Blutungsrisiko beigemessen. Doch auch diese letzte Bastion scheint nun von DES der neueren Generation erobert worden zu sein.

Medizinisch betrachtet gibt es kaum noch Gründe, einen unbeschichteten Metallstent den modernen Koronarstents aus der DES-Generation vorzuziehen. Eine Ausnahme: Bei KHK-Patienten mit hohem Blutungsrisiko wurde bislang angenommen, dass ein BMS wegen der auf nur einen Monat verkürzten dualen Antiplättchen-Therapie (DAPT) von Vorteil sein könnte.

Diese Annahme muss wohl korrigiert werden. Denn eine neue Subanalyse von Daten der ZEUS-Studie bescheinigt einem DES – es handelt sich um einen Zotarolimus-freisetzenden Stent (ZES, Endeavor-Stent, Medtronic), kombiniert mit einer ebenfalls auf 30 Tage verkürzten DAPT – auch bei dieser selektierten Risikogruppe deutliche Vorteile gegenüber einem BMS. Diese Subgruppe umfasst 828 Teilnehmer der ZEUS-Studie, bei denen aufgrund von Faktoren wie hohes Alter oder Einnahme oraler Antikoagulanzien ein erhöhtes Blutungsrisiko konstatiert worden war.

Zotarolimus-Stent überlegen

Der Vergleich beider Stents in dieser Risikogruppe ergab, dass die Rate kardiovaskulärer Ereignisse (Tod, Myokardinfarkt, erneute Revaskularisation des Zielgefäßes) nach einem Jahr bei den Patienten mit Zotarolimus-Stent signifikant niedriger war als in der BMS-Gruppe (22,6 vs. 29,0%, p=0,033). Ausschlaggebend dafür war eine signifikant niedrigere Inzidenz von Myokardinfarkten (3,5 vs. 10,4%), p < 0,005) und von revaskularisierenden Re-Interventionen (5,9 vs. 11,4%, p=0,005).

Auch die Inzidenz von gesicherten oder wahrscheinlichen Stent-Thrombosen war in der ZES-Gruppe niedriger als in der BMS-Gruppe (2,6 vs. 6,2%, p=0,016). Dagegen unterschieden sich die Raten für Blutungskomplikationen nicht signifikant.

An der ZEUS-Studie waren insgesamt 1608 klinisch stabile wie auch instabile KHK-Patienten beteiligt, die wegen erhöhtem Blutungsrisiko oder niedrigem Restenose-Risiko als „unsichere Kandidaten“ für eine DES-Implantation eingestuft worden waren. Auch im Gesamtkollektiv der Studie erwies sich der Zotarolimus-Stent als die klar bessere Alternative.

Auch LEADER FREE ein Totengräber

Außer ZEUS dürfte auch die Studie LEADER FREE dazu beitragen, dass BMS in absehbarer Zeit auch noch aus ihren letzten Nischen im Praxisalltag vertrieben werden. Mit positiven Ergebnissen dieser Studie empfiehlt sich auch der polymerfreie, mit dem Wirkstoff Biolimus beschichtete BioFreedom-Stent speziell für die Behandlung von KHK-Patienten mit erhöhtem Blutungsrisiko.

Bei ebenfalls auf nur vier Wochen verkürzter DAPT waren auch in dieser Studie, an der 2.466 Patienten mit als hoch eingeschätztem Blutungsrisiko beteiligt waren, die klinischen Ergebnisse im Vergleich zu einem unbeschichteten Metallstent deutlich besser.

Nach einem Jahr lagen die Raten für den primären Sicherheitsendpunkt (kardialer Tod, Herzinfarkt und Stentthrombose) bei 9,4% (Biolimus-Stent) und 12,9% (BMS). Das entspricht einer signifikanten relativen Risikoreduktion um 29%. Primärer Wirksamkeitsendpunkt waren Zielgefäß-Revaskularisationen, deren Rate 5,1 Prozent (Biolimus-Stent) und 9,8 Prozent (BMS) betrug (Risikoreduktion: 50%).

Literatur

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