Nachrichten 21.08.2015

Knöchel-Arm-Index nach Belastung bringt Zusatzinformation

Wer den Knöchel-Arm-Index nicht nur in Ruhe, sondern auch nach Belastung bestimmt, kann daraus prognostische und auch klinische Zusatzinformationen ableiten. Darauf deuten Daten der Cleveland Clinic hin.

In einer retrospektiven Single-Center-Studie wurde dort bei 2.791 konsekutiven Patienten einer gefäßmedizinischen Ambulanz der Knöchel-Arm-Index (ABI) gemessen, und zwar jeweils vor einer Ergometrie und danach. Auf Basis dieser Ergebnisse wurden vier Patientengruppen mit normalem bzw. pathologischem ABI vor und nach Belastung gebildet.

Als pathologisch galt ein ABI nach Belastung, wenn er um mehr als ein Fünftel unter den Ruhe-ABI abfiel. Primärer Endpunkt der Studie war die Häufigkeit von Revaskularisationen der betroffenen unteren Extremität. Sekundär wurden außerdem schwere kardiovaskuläre Ereignisse (MACE) sowie die Gesamtmortalität untersucht.

Es zeigte sich, dass bei normalem ABI in Ruhe jene Patienten, die nach Belastung einen pathologischen ABI aufwiesen, in einer Propensity-Score-gematchten Analyse ein sechsfach höheres Risiko hatten, später eine Revaskularisation zu benötigen als jene, bei denen auch der ABI nach Belastung normal war (HR 6,63; 95%-CI 3,13–14,04; p<0,001). Auch bei pathologischem ABI in Ruhe hatten jene Patienten mit zusätzlich pathologischem ABI nach Belastung ein mehr als doppelt so hohes Risiko für eine spätere Revaskularisation als jene, bei denen der ABI nach Belastung (in Relation zum Ausgangs-ABI) normal war (HR 2,32; 95%-CI 1,52–3,54; p<0,001).

Bis zu einem gewissen Grad waren die ABI-Messungen nach Belastung auch prädiktiv für Unterschiede in der kardiovaskulären Gesamtprognose. Patienten mit normalem ABI vor und nach Belastung hatten eine signifikant niedrigere MACE-Rate und eine im Trend niedrigere Mortalität als Patienten, bei denen beide Messungen pathologisch waren.

War nur die Ruhemessung, nicht aber die Messung nach Belastung pathologisch, fand sich in der Propensity-Score-gematchten Analyse kein solcher Zusammenhang. Die Daten deuten somit darauf hin, dass bei pathologischem Ruhe-ABI vor allem jene Patienten gefährdet sind, bei denen die Durchblutung nach Belastung sich weiter verschlechtert, weniger dagegen jene, bei denen zwar der Ruhe-ABI eingeschränkt, die Belastungsreaktion aber noch intakt ist.

Insgesamt liefere der ABI nach Belastung somit sowohl klinische als auch prognostische Zusatzinformationen, betonen die Experten. In einem begleitenden Editorial schließen sich Dr. Douglas Drachman und Dr. Joshua Beckmann von der Harvard Medical School dieser Einschätzung an, weisen allerdings auf die Limitationen einer retrospektiven Single-Center-Studie hin. 

Literatur

Hammad T et al. The Effect of Post-Exercise Ankle-Brachial Index on Lower Extremity Revascularization. J Am Coll Cardiol Intv. 2015;8(9):1238-44

Drachman DE, Beckman JA. The Exercise Ankle-Brachial Index – A Leap Forward in Noninvasive Diagnosis and Prognosis. J Am Coll Cardiol Intv. 2015;8(9):1245-7