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23.09.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

Kalzifizierte Mitralklappen

Kommt die Transkatheter-Herzklappe auch bei Mitralstenose?

Autor:
Philipp Grätzel

Sind schwerkranke Patienten mit einer Mitralstenose die nächsten Kandidaten für Transkatheter-Herzklappen? Bei einer Konferenz von Herzklappen-Spezialisten in Berlin wurde über erste Erfahrungen diskutiert.

In der Late Breaking-Trial-Session des in diesem Jahr in Berlin stattfindenden Meetings „PCR London Valves“ berichtete Prof. Mayra Guerrero von der NorthShore University in Chicago von insgesamt 64 Patienten, die an 32 Zentren in 11 Ländern wegen einer Mitralstenose auf dem Boden einer ringförmigen Mitralklappenverkalkung (MAC) einen Mitralklappenersatz per Katheter erhalten haben. „Bei MAC-Patienten mit Mitralstenose liegt die chirurgische Mortalität über 20 Prozent. Sie bleiben deswegen oft unbehandelt“, betonte Frau Guerrero.

Die 64 Patienten sind Teil des internationalen „TMVR in MAC“-Registers, an dem von deutscher Seite das Herzzentrum Leipzig und die Universitätsklinik Bonn beteiligt sind. Das mittlere Alter betrug 73 Jahre. Die Patienten waren zu über 90% schwer herzinsuffizient (NYHA III/IV) und hatten zahlreiche Komorbiditäten sowie zur Hälfte bereits einen Aortenklappenersatz hinter sich.

Mortalität bei knapp 30 Prozent

Die meisten Mitralklappen wurden über transapikale und transseptale Zugangswege eingesetzt. Das Outcome sei für diese Art Eingriff akzeptabel gewesen, betonte Guerrero. Die technische Erfolgsrate betrug 73,4%. Bei jedem sechsten Patienten war die Implantation einer zweiten Klappe erforderlich. Bei einem von zwölf kam es zur Obstruktion des linksventrikulären Ausflusstrakts.

Die Mortalität nach 30 Tagen betrug 29,7%. Knapp die Hälfte der Todesfälle ging auf kardiovaskuläre Ereignisse zurück. Bei der anderen Hälfte handelte es sich um nicht kardiale, aber mit dem Eingriff in zeitlichem Zusammenhang stehende Komplikationen wie Multiorganversagen und Infektionen.

Steile Lernkurve

Guerrero betonte, dass es eine steile Lernkurve gegeben habe. Im Vergleich mit den ersten 32 Patienten schnitten die zweiten 32 Patienten besser ab. Die Mortalität betrug hier ein Fünftel, und die technische Erfolgsrate 84%.

Bei den Patienten, bei denen der Eingriff Erfolg hatte, kam es zu einer dramatischen Verbesserung der NYHA-Klassen. Waren vor dem Eingriff über 90% der anfangs 64 Patienten in den NYHA-Klassen III und IV, so hatten 30 Tage nach dem Eingriff über 80% von 23 ausgewerteten Patienten eine NYHA-Klasse I oder II. Und ausnahmslos alle bisher 8 Patienten, für die ein 1-Jahres-Follow-up vorliegt, sind in den NYHA-Klassen I und II.

FDA-Zustimmung zur MITRAL-Studie

Nicht zuletzt diese klinischen Daten hätten die FDA davon überzeugt, im Rahmen einer Investigational Device Exemption (IDE) der (von den beteiligten Einrichtungen finanzierten) MITRAL-Studie die Zustimmung zu geben, betonte Guerrero. Im Rahmen dieser Studie werden jetzt 30 Patienten mit schwerer, kalzifizierter Mitralstenose an sechs Zentren in den USA kontrolliert mit Transkatheter-Mitralklappen behandelt, sofern das Herz-Team keine Möglichkeit einer offenen Operation sieht. Zum Einsatz kommt die SAPIEN XT-Klappe. 

Literatur

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