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27.01.2016 | Nachrichten | Onlineartikel

Nicht ohne Folgen

Komplikationen bei PCI korrelieren mit schlechterem Outcome

Autor:
Philipp Grätzel

Nicht ganz überraschend, aber in dieser Detailliertheit bisher noch nicht beschrieben: Patienten mit thrombotischen Ereignissen während einer perkutanen Koronarintervention haben nach dem Eingriff ein höhers Sterberisiko.

Kardiologen um Dr. Jeffrey Wessler von der Columbia University Medical School haben sich die Datensätze der beiden Bivalirudin-Studien HORIZONS-AMI und ACUITY vorgenommen und in einer gepoolten Analyse die Häufigkeit kardiovaskulären Ereignisse mit intraprozeduralen thrombotischen Komplikationen in Beziehung gesetzt.

In Summe trat bei 7,7 Prozent der Patienten, die sich wegen eines akuten Koronarsyndroms einer perkutanen Intervention (PCI) unterziehen mussten, ein solches intraprozedurales thrombotisches Ereignis (IPTE) auf. Mit 12,2% war das Risiko war bei Patienten mit ST-Hebungsinfarkt deutlich höher als bei Patienten mit Nicht-ST-Hebungsinfarkt (3,5%).

Am häufigsten war dabei eine Flussverlangsamung bzw. ein No-Reflow-Phänomen bei 58 Prozent der PCI-Patienten mit IPTE. Ein neuer Thrombus wurde bei jedem dritten dieser Patienten beschrieben, eine distale Koronarembolie ebenso. Bei jedem fünften kam es zu einem akuten Gefäßverschluss, und bei knapp jedem zehnten war das IPTE eine intraprozedurale Stentthrombose.

Hauptergebnis der in „JACC Cardiovascular Interventions“ publizierten Analyse ist, dass jedes einzelne der genannten IPTE statistisch signifikant mit einer höheren Mortalität nach 30 Tagen korreliert. Selbst wenn es sich „nur“ um eine distale Embolie handelte, war die Sterblichkeit um den Faktor 2,59 erhöht (95%-KI 1,28–5,23). Bei Flussverlangsamung/No-Reflow betrug der Faktor 3,87 (95%-KI 1,68–5,62).

Stärkste Korrelation mit Stentthrombosen

Ähnlich stark stieg die 30-Tage-Sterblichkeit bei einem neuen Thrombus oder einem plötzlichen Gefäßverschluss. Mit Abstand am stärksten war die Korrelation aber bei der intraprozeduralen Stentthrombose. Kam es zu einem solchen Ereignis, dann war die Sterblichkeit nach 30 Tagen um mehr als den Faktor sieben erhöht (HR 7,47; 95%-KI 3,21–17,39).

In einem begleitenden Editorial diskutiert Dr. Neil Kleiman vom Houston Heart and Vascular Center die Implikationen dieser Daten. Es liege nahe zu vermuten, dass ein besseres Management thrombotischer Komplikationen während der PCI das Risiko schwerer kardiovaskulärer Ereignisse auch nach der eigentlichen Intervention positiv beeinflussen könne, so der Kardiologe.

Individualisiertes Risikomanagement

Kleiman nennt unter anderem einen selektiven Einsatz zusätzlicher antithrombotischer Medikamente als mögliche Strategie für ein individualisiertes Risikomanagement. Für interessant hält er auch neue, allerdings schwierig umzusetzende PCI-Konzepte, bei denen nach der PTCA einige Stunden oder sogar Tage gewartet wird, bevor der Stent eingesetzt wird, mit dem Ziel, die Thrombuslast zu senken.

Ein statistisches Problem der Auswertung ist, dass sich die Gruppen mit und ohne IPTE hinsichtlich relevanter Risikofaktoren unterschieden. Allerdings war die Rate intraprozeduraler thrombotischer Komplikationen bei den Patienten mit weniger Risikofaktoren höher, und nicht umgekehrt. Möglicherweise lag das an Unterschieden bei der medikamentösen antithrombotischen Therapie.

Literatur

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