Onlineartikel 08.04.2014

Koronarer Kalziumscore: Kardiales Langzeitrisiko früh erkennen

Neue Langzeitstudien aus den USA zeigen, dass ein erhöhter koronarer Kalziumscore ein wichtiger Faktor für die Abschätzung des kardiovaskuläre Langzeitrisiko ist.

Die Messung der Menge und Verteilung von Kalziumablagerungen in den Koronararterien ist eine spezifische und sensitive Methode für die Diagnose oder den Ausschluss koronarer Stenosen und damit ein Indikator für das langfristige KHK-Risiko von Patienten.

Mehrere im Rahmen des ACC-Kongresses vorgestellte Studien mit Beobachtungszeiten von zum Teil über zehn Jahren bestätigen nun, dass mit dieser womöglich unterschätzten Methode besser als mit anderen Tests schon sehr früh ein Langzeitrisiko für Herzerkrankungen erkannt werden kann - insbesondere bei der Beurteilung von Patienten mit einem nach klinischen Kriterien niedrigen Risiko für Herzprobleme.

Frühere Risikoerkennung bei symptomfreien Patienten

Eine Studie unter der Leitung von Dr. Su Ming Chang aus Houston, Texas, mit fast 1000 symptomfreien Patienten, die über sieben Jahre beobachtet wurden, ergab die Überlegenheit der Kalziumscore-Messung hinsichtlich der Vorhersage kardialer Ereignisse zum Framingham-Risikoscore sowie zum Belastungs-EKG. So ließen sich mit dieser Methode Risikopatienten schon früh identifizieren.

Auch eine Studie, die über 20 Jahre mit fast 5600 Teilnehmern und einer durchschnittlichen Nachbeobachtungszeit von zehn Jahren lief, brachte neue Erkenntnisse: Hier konnte man das Mortalitätsrisikos mithilfe des Kalziumscores bei Probanden mit einem niedrigem Risiko für Herzerkrankungen beurteilen.

Auch bei niedrigem Score schon erhöhtes Risiko

Dr. Rine Naganishi und Dr. Matthew Budoff et al., Torrance, Kalifornien, stellten fest, dass sogar bei einem niedrigen Kalziumscore von 1 bis 99 die Erkrankungswahrscheinlichkeit um 50 Prozent höher ist als bei einem Score von 0. Entsprechend stieg das Risiko weiter an, wenn mittlere oder gar hohe Scores über 400 vorlagen, nämlich auf das bis zu Dreifache.

Bei 620 Risikopatienten, die aufgrund von Brustschmerzen ein CT erhielten, aber keine Vordiagnose für KHK hatten, zeigte Ronen Rubinshtein, Haifa, Israel, in einer Studie mit 8-jähriger Nachbeobachtungszeit, dass in der CT-Messung die Beurteilung koronarer Kalziumscores im Vergleich zur Bewertung von Atheromen  oder luminalen Stenosen  hinsichtlich der Voraussagekraft für Herzinfarkte überlegen war.

Die MESA-Studie (Muliti-Ethnic Study of Atherosclerosis) mit 1850 Patienten, die Dr. Seamus Whelton, Baltimore, Maryland leitete, beurteilte die Prognose Gesunder: Alle Teilnehmer starteten mit einem Kalziumscore von 0.

Nach zehn Jahren hatten die jüngere Menschen ohne multiple kardiovaskuläre Risikofaktoren auch die größte Chance, den Nullscore beizubehalten. Die Schlussfolgerung des Studienleiters lautete: Ein langfristig gesunder Lebensstil hat eine höhere Aussagekraft als einzelne Risikofaktoren, wenn es um das gesunde Altern der Koronargefäße geht.

Nach diesen Ergebnissen könnten die Koronarkalkmessung dabei helfen, diejenigen Patienten, die von einer frühen präventiven Behandlung profitieren, rechtzeitig zu identifizieren.

 

Literatur

Jahrestagung des American College of Cardiology (ACC) vom 29.-31. März 2014 in Washington DC Pressekonferenz „CAC - Coronary Artery Calcium“, am 30. März 2014