Nachrichten 02.01.2020

Chilipfeffer im Essen: Ist scharfes Würzen von kardioprotektiver Wirkung?

Wer seine Mahlzeiten regelmäßig mit Chilipfeffer würzt, verringert so möglicherweise sein Risiko, an kardio- oder zerebrovaskulären Erkrankungen zu sterben, legen Ergebnisse einer Studie aus Italien nahe.

Die aktuelle Studie lässt unter anderem durch das Ausmaß des gefundenen Assoziation des scharfen Würzens mit einer kardiovaskulären Risikoreduktion aufhorchen. Bisherige Studien aus China oder aus den USA hatten eine um 14% bzw. 13% geringere Gesamtsterblichkeit berichtet, wenn Personen ihr Essen scharf zu würzen pflegten.

Assoziation mit einer um 23% niedrigerer Gesamtsterblichkeit

Die italienische Autorengruppe berichtet nun über eine um 23% geringere Gesamtsterblichkeit. Die kardiovaskuläre und die zerebrovaskuläre Sterblichkeit lagen sogar um 34% bzw. 61% niedriger, das Risiko einer ischämischen Herzerkrankung sank um 44% - jeweils im Vergleich zu Personen, die niemals oder selten Chilipfeffer verwendeten.

Die Autoren hatten für ihre Studie 22 811 erwachsenen Bewohner der süditalienischen Region Molise nach den Essensgewohnheiten befragt und anschließend 8,2 Jahre nachverfolgt. Verglichen wurde das Schicksal von 23,4% der Patienten aus der Studienpopulation, die ihr Essen regelmäßig mit Chilipfeffer würzten, im Vergleich zu 33,7%, die nie oder nur selten Schärfe in ihre Mahlzeiten brachten. Auf die Krebssterblichkeit hatten die Chilischoten keinen Einfluss.

Bei der Auswertung korrigierten die Studienautoren für viele andere Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht, kardiovaskuläre Risikofaktoren oder Adhärenz zu einer mediterranen Ernährungsweise. Keiner dieser Faktoren schien einen Einfluss auf die protektiven Wirkungen des Chilipfeffers zu haben.

Vorsicht mit retrospektiven Analysen

Die Frage ist nun, ob man tatsächlich mit so einer simplen Maßnahme wie dem scharfen Würzen das kardiovaskuläre Risiko in einem solch relevanten Ausmaß reduzieren kann? Die wesentliche Kritik an dieser sowie an älteren Studien zu dem Thema besteht darin, dass es sich um retrospektive Assoziationsstudien handelt. Zur definitiven Klärung der Frage werden wir auf prospektive Interventionsstudien warten müssen, schreibt Dr. David Spence vom Stroke Prevention and Atherosklerosis Research Center in London, Ontario/Kanada, in einem begleitenden Editorial.

Biologisch plausibler Effekt

Biologisch scheint der protektive Effekt scharfer Gewürze aber zumindest teilweise plausibel, weil für den wesentlichen Wirkstoff der Chilischote Capsaicin in experimentellen wie klinischen Studien günstige Effekte auf Funktionen des Herzkreislaufsystems und auf metabolische Vorgänge sowie antientzündliche Wirkungen nachgewiesen wurden.

Entscheidend scheint aber das komplette Ernährungsmuster und weniger eine einzelne Nahrungskomponente zu sein, schreibt Spence. Besonders günstig sei eine mediterrane Kost, reich an Früchten, Obst, Fisch und Vollkorn. Mit einer Prise Tabasco wird man aus dem amerikanischen Fastfood kein gesundes Essen zaubern können.

Literatur

Bonaccio M, et al.; Chili Pepper Consumption and Mortality in Italian Adults. JAMA 2019, Vol 74, 3139-49; Spence JD; Chili Pepper Consumtion and Mortality, Editorial Comment. JAMA 2019, Vol 74, 3150-52

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Bildnachweise
eHealth in der Kardiologie/© ra2 studio / stock.adobe.com
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Webinar Dyslipidämien mit Prof. Ulrich Laufs/© Kardiologie.org | Prof. Laufs [M]
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CT-Befund (mit Kontrastmittelgabe)/© S. Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (2)
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Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018/© DGK 2018