Skip to main content
main-content

26.01.2018 | Kreislauferkrankungen | Nachrichten

Schwedische Langzeit-Studie

Die „protektive“ Seite des Diabetes: Geringeres Risiko für Aortenaneurysmen

Autor:
Peter Overbeck

Menschen mit Diabetes mellitus haben ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen. Doch so paradox es klingen mag: Zumindest in einer Hinsicht scheint eine Diabetes-Erkrankung „protektiv“ zu sein: Das damit einhergehende Risiko für Aortenaneurysmen und –dissektionen ist offenbar geringer als das von Menschen ohne Diabetes.

Was sich zuvor schon in einigen Studien abgezeichnet hat, wird nun durch eine umfangreiche Langzeit-Studie schwedischer Untersucher bestätigt: Patienten mit Typ-2-Diabetes haben im Vergleich zu Menschen ohne diese metabolische Erkrankung ein deutlich niedrigeres Risiko, in ihrem Leben ein Aortenaneurysma oder eine Aortendissektion zu entwickeln. Kommt es bei Menschen mit Diabetes dennoch zur Entwicklung entsprechender Aortenveränderungen, scheint zudem die Mortalität niedriger zu sein als bei Nicht-Diabetikern mit Aortenaneurysma.

Eine Gruppe schwedischer Forscher um Dr. Tarik Avdic aus Göteborg hat für ihre Studie insgesamt 448.319 an Diabetes erkrankte Patienten ausfindig gemacht, die zwischen 1998 und 2012 im landesweiten Diabetes-Register Schwedens (Swedish National Diabetes Registry) erstmals registriert worden waren. Als Kontrollgruppe dienten insgesamt 2.251.015 Personen ohne Diabetes aus der Allgemeinbevölkerung, wobei jedem Patienten mit Diabetes jeweils fünf weitgehend merkmalsgleiche („gematchte“) Kontrollpersonen gegenübergestellt wurden.

Aneurysma-Risiko signifikant um 28% niedriger

Auf Basis von Daten aus diversen nationalen Datenbanken und Registern wurde anhand von dort erfassten Krankenhauseinweisungen und Todesfällen die gesundheitliche Entwicklung in beiden Populationen nachverfolgt. Die Follow-up-Dauer betrug im Mittel 7,0 bzw. 7,2 Jahre (bis Mai 2015). In dieser Zeit waren in der Gruppe mit Diabetes 2878 und in der Kontrollgruppe 16.740  Aortenaneurysma-Fälle zu verzeichnen. Die entsprechenden Zahlen für die Aortendissektion betrugen 200 respektive 2010.

Der Vergleich ergab, dass die Patienten mit Diabetes ein signifikant um 28% niedrigeres relatives Risiko für eine Klinikaufnahme wegen Aortenaneurysmen (ICD-9-Klassifikation) hatten als Kontrollpersonen (Hazard Ratio 0,72; 95% Konfidenzintervall 0,68–0,76; p<0.0001). In Hinblick auf die Entwicklung einer Aortendissektion ergab die Analyse eine signifikante relative Risikoreduktion um 47% im Vergleich zur Kontrollgruppe (HR 0.53; 95% Konfidenzintervall 0,42–065; p<0.0001).

Vorteil auch beim Sterberisiko

Im Fall einer Hospitalisation wegen Aortenaneurysmen war das relative Sterberisiko in den folgenden zwei Jahren in der Gruppe der an Diabetes erkrankten Personen signifikant um 12% niedriger als in der Gruppe der Kontrollpersonen (HR 0,88; 95% Konfidenzintervall 0,82–0,94; P<0.0001). Nach wegen Aortendissektionen veranlassten Klinikeinweisungen bestand diesbezüglich kein signifikanter Unterschied (HR 1,07; 95% Konfidenzintervall 0.85–1.34; p=0.5859).

Welche „protektiven“ Mechanismen der beobachteten Assoziation mit einem niedrigeren Risiko für Aortenaneurymen bei Diabetes zugrunde liegen, bleibt noch zu klären. Eine These lautet, dass eine Glykämie über biologische Veränderungen der extrazellulären Matrix die Aortenwand widerstandsfähiger machen und besser gegen Erweiterungen und Rupturen schützen könnte. 

Literatur

Das könnte Sie auch interessieren

Zurzeit meistgelesene Artikel

Highlights

23.01.2019 | DGK Herztage 2018 | Highlights | Video

Non-Compaction-Kardiomyopathie oder nicht? Knifflige Fälle aus dem klinischen Alltag

Non-Compaction-Kardiomyopathien sind nicht immer eindeutig von anderen Formen abzugrenzen. In seinem Vortrag geht Prof. Dr. Benjamin Meder, Heidelberg, auf die unterschiedliche Ätiologie und Diagnostik ein und stellt verschiedene schwierige Fälle vor. 

23.01.2019 | DGK Herztage 2018 | Highlights | Video

Das Wichtigste in Kürze zur hypertrophischen Kardiomyopathie

2014 wurde erstmals eine ESC-Leitlinie zur hypertrophischen Kardiomyopathie (HCM) publiziert. Prof. Dr. Nobert Frey, Kiel, fasst das Wichtigste zu Differentialdiagnose und Therapie der HCM zusammen, erläutert die Kriterien für den Einsatz eines ICD-Systems und gibt Tipps für den ärztlichen Alltag. 

Aus der Kardiothek

23.01.2019 | DGK Herztage 2018 | Highlights | Video

Non-Compaction-Kardiomyopathie oder nicht? Knifflige Fälle aus dem klinischen Alltag

Non-Compaction-Kardiomyopathien sind nicht immer eindeutig von anderen Formen abzugrenzen. In seinem Vortrag geht Prof. Dr. Benjamin Meder, Heidelberg, auf die unterschiedliche Ätiologie und Diagnostik ein und stellt verschiedene schwierige Fälle vor. 

23.01.2019 | DGK Herztage 2018 | Highlights | Video

Das Wichtigste in Kürze zur hypertrophischen Kardiomyopathie

2014 wurde erstmals eine ESC-Leitlinie zur hypertrophischen Kardiomyopathie (HCM) publiziert. Prof. Dr. Nobert Frey, Kiel, fasst das Wichtigste zu Differentialdiagnose und Therapie der HCM zusammen, erläutert die Kriterien für den Einsatz eines ICD-Systems und gibt Tipps für den ärztlichen Alltag. 

21.01.2019 | DGK Herztage 2018 | Expertenvorträge | Video

Subkutane ICD als Alternative zur Schock-Box?

Bei der klassischen ICD-Therapie treten immer wieder Probleme auf. Alternativ stehen subkutan implantierbare ICD-Systeme zur Verfügung. Worin die Vorteile liegen und für welche Patienten sich die Systeme eignen, erläutert Dr. Martin Arnold, Erlangen, in seinem Vortrag. 

Kontroverser Fall: So kann man wiederkehrendes Vorhofflimmern auch behandeln

DGK Herztage 2018 - Interview Prof. Dr. Boris Schmidt

Ein Patient leidet an wiederkehrendem Vorhofflimmern. Das Team um Prof. Boris Schmidt entscheidet sich für eine ungewöhnliche Strategie: die Implantation eines endokardialen Watchmann-Okkluders, um den linken Vorhof zu isolieren. Das genaue Prozedere sehen Sie hier. 

Spezielle Katheterablations-Strategie bei ausgeprägtem Narbengewebe

Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018

Die ventrikuläre Tachykardie eines 54-jährigen Patienten mit zurückliegendem Hinterwandinfarkt soll mit einer Katheterablation beseitigt werden. Prof. Thomas Deneke entscheidet sich für eine unkonventionelle Strategie und erläutert wie das CT  in solchen Fällen helfen kann. 

Komplizierte Mehrgefäß-KHK bei einem jungen Patienten

Vortrag Priv.-Doz. Dr. Hans-Jörg Hippe Jahrestagung DGK 2018

Mehrere komplexe Stenosen bei einem 46-jährigen Patienten erfordern ein strategisch sinnvolles Vorgehen. Wofür sich das Team um PD Dr. Hans-Jörg Hippe vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Klinik entschieden hat, erfahren Sie in diesem Livecase. 

Bildnachweise