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11.05.2018 | Kreislauferkrankungen | Nachrichten

Mobile Gesundheitsdienste

Medikations-App bei Hypertonie: Adhärenz wird (vielleicht) besser, Blutdruckkontrolle nicht

Autor:
Philipp Grätzel

Eine App für das Medikationsmanagement scheint bei Hypertonie-Patienten dazu zu führen, dass Tabletten konsequenter eingenommen werden. Die randomisierte Studie konnte aber keinen Effekt auf den Blutdruck nachweisen.

Mangelnde Einnahmetreue gilt als wichtiger Grund dafür, dass bei der medikamentösen Versorgung chronisch kranker Menschen oft keine optimalen Ergebnisse erreicht werden. Gerade bei der arteriellen Hypertonie ist das ein wichtiges Thema, denn die Patienten spüren in der Regel keinen unmittelbaren Effekt der Tabletteneinnahme. Internisten vom Brigham and Women’s Hospital und der Harvard Medical School in Boston haben jetzt in einer randomisierten Studie mit 411 Hypertoniepatienten untersucht, ob eine Medikations-App Therapietreue und Blutdruckeinstellung verbessern kann.

App-Nutzung in Eigenregie

An Apps, die die Medikationseinnahme bei chronisch kranken Patienten unterstützen, herrscht im App Store kein Mangel. Für die aktuelle US-Studie kam die auch in deutschen App-Stores zu findende App MediSafe zum Einsatz. Diese App wurde im Interventionsarm der Studie als so genannte Stand-alone-App genutzt: Die Patienten luden sie sich herunter und arbeiteten mit ihr in Eigenregie, ohne dass die App zum Beispiel zur Kommunikation mit dem behandelnden Arzt genutzt wurde oder telemedizinischen Kontakt zu Ärzten vermittelte.

Die App generierte vielmehr Erinnerungen gemäß dem individuellen Medikationsplan, fasste die Therapietreue in Adhärenz-Berichten zusammen und bot optional die Möglichkeit, mit anderen Patienten oder Angehörigen in Kontakt zu treten. Das hatte nur teilweise Erfolg.

Einer der beiden primären Endpunkte war die mittels Morisky-Skala abgeschätzte Adhärenz. Die Morisky-Skala ist eine indirekte Adhärenz-Messung. Sie besteht aus acht Fragen, die die Patienten selbst beantworten und deren Summen-Score mit der objektiv ermittelten – also gemessenen – Therapietreue korreliert.

Nur Teilerfolg

Zwölf Wochen nach Studienbeginn hatte sich der Morisky-Score – eine Skala von null bis acht – in der Interventionsgruppe um im Mittel 0,4 Punkte verbessert. Das war signifikant mehr als in der Kontrollgruppe, wo sich praktisch nichts tat. Allerdings gibt es dabei natürlich einen gewissen Bias. Denn die Patienten wissen ja, in welcher Gruppe sie sich befinden, und sie wissen durch die Art der Fragen, was von ihnen „erwartet“ wird.

Die Autoren der US-Studie betrachten deswegen den zweiten primären Endpunkt als relevanter, nämlich die Veränderung beim systolischen Blutdruck. Hier gab es erwartungsgemäß eine Verbesserung, allerdings unterschied sich das nicht zwischen den Gruppen. Der Blutdruck fiel von 151,4 auf 140,8 mmHg in der Interventionsgruppe und von 151,3 auf 141,2 mmHg in der Kontrollgruppe.

Als Argumentationsgrundlage, um Hypertoniepatienten auf breiter Front den Download von Medikations-Apps zu empfehlen, taugt diese Studie demnach nicht. Adhärenz-Experten dürften sich tendenziell bestätigt sehen, vertreten sie doch seit Langem die Auffassung, dass sich Adhärenz nicht durch technische Einzelmaßnahmen, sondern nur durch ein umfassendes Krankheitsmanagement verbessern lässt, das einen intensiven Arzt-Patienten-Kontakt einschließt.

Literatur

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