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16.04.2018 | Kreislauferkrankungen | Nachrichten

Forschungsförderung

Mehr Mittel für die Herz-Kreislauf-Forschung?

Autor:
Philipp Grätzel

Für Herz-Kreislauf-Erkrankungen stehen in Deutschland deutlich weniger staatliche Fördermittel zur Verfügung als für Krebserkrankungen. Gemessen an der Krankheitslast ist die Finanzierung nur etwa halb so gut.

Krankheiten sollten nicht gegeneinander ausgespielt werden. Aber es kann trotzdem interessant sein, inwieweit sich die Finanzierungsbereitschaft bei unterschiedlichen medizinischen Indikationsgebieten unterscheidet. Mit Blick auf die Forschungsförderung haben das jetzt Epidemiologen und Internisten der Universität Würzburg bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebserkrankungen gemacht.

Die Wissenschaftler haben sich auf die Jahre 2010 bis 2012 konzentriert und insgesamt 3.728 Forschungsprojekte in ihre Analyse einbezogen, die zu etwa 90 Prozent vom Bundesforschungsministerium und zu etwa 10 Prozent von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wurden. Projekte der Grundlagenforschung und Projekte zu anderen Indikationsgebieten wurden aussortiert, sodass am Ende 549 Förderprojekte übrigblieben, von denen 374 Krebserkrankungen und 173 kardiovaskuläre Erkrankungen betrafen. Zwei Projekte wurden beiden Indikationsgebieten gemeinsam zugeordnet.

Es gab also insgesamt rund doppelt so viele krebsbezogene Förderprojekte wie Projekte mit Herz-Kreislauf-Bezug. Auf Euro-Ebene war der Unterschied ähnlich: 246,8 Millionen Euro oder 11,8% der Gesamtetats von BMBF und DFG gingen in die (klinische und translationale) Krebsforschung, 118,4 Millionen oder 5,7% in die (klinische und translationale) Herz-Kreislauf-Forschung.

50% mehr Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Um diese nackten Zahlen ein wenig mit der Versorgungsrealität in Bezug zu setzen, haben die Würzburger die Kosten pro Todesfall und die Kosten pro durch Behinderung beeinträchtigtes Lebensjahr (DALY) beziehungsweise die Kosten pro verlorenem Lebensjahr (YLL) berechnet. Pro Todesfall durch Krebserkrankung gibt die staatliche deutsche Forschungsförderungslandschaft demnach 362 Euro aus, pro Todesfall durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind es 113 Euro. Pro DALY werden bei Krebserkrankungen 16 Euro ausgegeben, bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen rund 7 Euro.

Die Autoren um Prof. Dr. Peter Heuschmann betonen, dass die Unterschiede umso bemerkenswerter seien, als Herz-Kreislauf-Erkrankungen derzeit für rund 50 Prozent mehr Todesfälle verantwortlich seien als Krebserkrankungen. Bei den DALY und auch bei den YLL schneiden die beiden Indikationsgruppen sehr ähnlich ab.

Deutschlandspezifisch sind diese Daten nicht. Untersuchungen mit ähnlichen Ergebnissen lägen unter anderem für Australien, Kanada, China, mehrere europäische Länder und die USA vor, so die Wissenschaftler. Innerhalb des Spektrums der Herz-Kreislauf-Erkrankungen wird die ischämische Herzerkrankung besonders knapp mit Fördermitteln bedacht. In zerebrovaskuläre Erkrankungen und in die Herzinsuffizienz geht deutlich mehr Geld, wobei das mit großen Förderprogrammen wie dem IFB Herzinsuffizienz in Würzburg und dem Centrum für Schlaganfallforschung Berlin zusammenhängen könnte.

Was die Gründe für die Unterschiede angeht, können die Autoren nur spekulieren. Möglicherweise sei die Bereitschaft, Fördergelder auszugeben bei Erkrankungen, die (auch) jüngere Menschen betreffen, höher. Intensiveres Lobbying durch Interessenvertreter und Industrie könnte demnach ebenfalls eine Rolle spielen. Für eine nur scheinbar faire Allokation von Forschungsgelder rein auf Basis der Krankheitslast sprechen sich die Wissenschaftler explizit nicht aus. Sie plädieren aber dafür, dass die Krankheitslast zusammen mit anderen Faktoren bei der Förderpolitik mehr berücksichtigt werden sollte.

Literatur

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