Nachrichten 26.10.2021

Nationale Herz-Kreislauf-Strategie für bessere Patientenversorgung gefordert

Der Bund fördere Forschung und Innovation auf dem Gebiet der Herz-Kreislauf-Erkrankungen nur in unzureichendem Maß, konstatieren mehrere herzmedizinische Fachgesellschaften. Gemeinsam mit der Deutschen Herzstiftung schlagen sie einen nationalen Aktionsplan vor.

40 Prozent aller Todesfälle in Deutschland sind Folge von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Allein im Jahr 2019 mussten knapp 2 Millionen Menschen in Deutschland wegen kardialer Erkrankungen stationär behandelt werden.

In einem gewissen Missverhältnis zur gesellschaftlichen Tragweite von Herz-Kreislauf-Erkrankungen als zumeist chronische und mit erheblichen körperlichen und psychischen Belastungen oder gar Pflegebedürftigkeit einhergehende Volkskrankheiten stehe allerdings das eher geringe öffentliche und politische Interesse an diesen Erkrankungen, so die von mehreren deutschen herzmedizinischen Fachgesellschaften geteilte Einschätzung.

Weil Herz-Kreislauf-Erkrankungen trotz großer gesellschaftlicher Bedeutung nach ihrer Meinung „nur am Rande des öffentlichen und politischen Interesses stehen“, haben die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK), die Deutsche Gesellschaft für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie (DGTHG) und die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie (DGPK) zusammen mit der Deutschen Herzstiftung als Patientenvertretung nun ein gemeinsames Positionspapier erarbeitet. Darin fordern sie von der Bundespolitik dringend eine nationale Herz-Kreislauf-Strategie mit dem Ziel, Versorgung von Patienten und Patientinnen sowie innovative Forschung in Deutschland zu verbessern

„In Anbetracht der unverändert hohen Erkrankungshäufigkeit und Sterblichkeit von Herz-Kreislauf-Erkrankungen müssen für unsere Patient*innen vergleichbar große Anstrengungen unternommen werden wie beispielsweise im Bereich der Krebsforschung und -behandlung“, erklärt Prof. Dr. Stephan Baldus, Präsident der DGK, in einer aktuellen Pressemitteilung seiner Fachgesellschaft. „Die Bundesregierung unterstützt das Deutsche Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung gerade einmal mit 13 Prozent des Betrages, der dem Deutschen Krebsforschungszentrum zur Verfügung steht.“

Die beteiligten Gesellschaften beschreiben in ihrem nicht zuletzt an die Bundespolitik mit dringender Bitte um Unterstützung gerichteten Papier Ansätze für eine Verbesserung von Forschung und Versorgung.

Stärkung von Forschung und Interdisziplinären Versorgungsnetzwerken

„Ein ganz wesentliches Instrument zur Verbesserung der Patientenversorgung“ seien die Stärkung der Grundlagenforschung und die Förderung von Projekten, die dazu führen, dass Forschungsergebnisse im klinischen Alltag umgesetzt werden. Es sei klargeworden, dass allgemeine Therapieempfehlungen um individuelle, auf das Krankheitsprofil der einzelnen Person abgestimmte Behandlungen erweitert werden müssten, um bestmöglich helfen zu können. Besonders software- und KI-basierte Forschungsstrategien müssten durch die Politik unterstützt.

Als weiterer Ansatz wird die interdisziplinäre und intersektorale Patientenbetreuung durch den Aufbau von Versorgungsnetzwerken genannt. Dazu Baldus: „Es muss nicht nur die ambulante Versorgung gestärkt werden, die viele Krankenhauseinweisungen durch frühzeitiges Eingreifen verhindern kann, sondern auch die in unserem Gesundheitssystem vorgegebenen starren Strukturen aufgebrochen werden, die im Moment die notwendige Zusammenarbeit unterschiedlicher medizinischer Fachgebiete erschweren“.

„Die Politik muss jetzt handeln!"

Wichtige Voraussetzung für effektive Versorgungsnetzwerke sei eine Initiative zur Digitalisierung der medizinischen Versorgung in Deutschland. Obwohl überzeugende wissenschaftliche Evidenz für den Erfolg der Telemedizin vorliegt, werde dieses Instrument bisher nur begrenzt eingesetzt.

Schließlich wird in dem Positionspapier auch die Bedeutung von Programmen zur Früherkennung von Risikopatienten und -patientinnen betont, wie es sie etwa schon bei der Brust- und Darmkrebsvorsorge gebe.

„Die Politik muss jetzt handeln“, betont DGK-Präsident Baldus. „In den kommenden 10 Jahren wird die Zahl der Herz-Kreislauf-Erkrankten voraussichtlich um 25 Prozent steigen. Die Zeit für die Umsetzung der von uns genannten Maßnahmen drängt!“

Literatur

Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) vom 25. Oktober 2021: Nationale Herz-Kreislauf-Strategie gefordert: Zeit für eine bessere Patientenversorgung drängt.

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