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17.07.2017 | Kreislauferkrankungen | Nachrichten

Neue Metaanalyse

Schlafapnoe: CPAP-Beatmung ohne Effekt auf Herzinfarkt und Mortalität

Autor:
Peter Overbeck

Die CPAP-Beatmung („continuous positive airway pressure") ist als symptomatische Therapie bei Schlafapnoe anerkannt. Als Option zur Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse oder gar der Mortalität kann diese Behandlung nach derzeitiger Studienlage aber nicht empfohlen werden.

Schlafapnoe geht mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen und einem erhöhten Sterberisiko einher. Die kurzen Atemstillstände und die dadurch bewirkte Hypoxie erhöhen über eine Aktivierung des sympathischen Nervensystems Blutdruck und Herzfrequenz und führen zu Vasokonstriktion und Endotheldysfunktion. Studien haben gezeigt, dass CPAP-Beatmung bei Patienten mit nächtlichen schlafbezogenen Atemstörungen die Herzfunktion verbessern, sympathische Nervenaktivität und Blutdruck verringern und die Lebensqualität erhöhen kann.

Daten von 7266 Patienten analysiert

Ungeachtet dieser Effekte  scheint die CPAP-Therapie aber das Risiko für kardiovaskuläre Ereignissen und Tod nicht substanziell zu beeinflussen. Dafür sprechen Ergebnisse einer neuen Metaanalyse, für die Forscher um Dr. Bruce Neal aus Sydney Daten aus zehn randomisierten kontrollierten Studien herangezogen haben.

Von den daran insgesamt beteiligten 7266 Patienten litten 5683 unter obstruktiver Schlafapnoe (OSA) und 1583 unter zentraler Schlafapnoe. Es ist die nicht erste Metaanalyse dieser Art, aber die erste, die auch SAVE als bislang größte Studie zum prognostischen Nutzen der CPAP-Therapie einschließt. Die SAVE-Studie, an der 2717 Patienten mit OSA beteiligt waren, wurde Mitte 2016 beim europäischen Kardiologenkongress in Rom vorgestellt.

Keine Abnahme von kardiovaskulären Ereignissen

Im Beobachtungszeitraum der zehn für die Metaanalyse berücksichtigten Studien wurden insgesamt 356 schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkt und Schlaganfall sowie  613 Todesfälle registriert. Allerdings war die CPAP-Therapie weder mit einer signifikanten Reduktion von  kardiovaskulären Ereignissen (Relatives Risiko: 0,77, p = 0,19) noch mit einer signifikanten Abnahme der  kardiovaskulären Mortalität (RR: 1,15, p = 0,87) oder der Gesamtmortalität (RR: 1,13, p = 0,51) assoziiert.

Der symptomatische Nutzen der CPAP-Therapie ist von diesen Ergebnissen natürlich nicht tangiert: Dass sich damit Schnarchen, Tagesschläfrigkeit, subjektive Stimmungslage und Lebensqualität verbessern lassen, steht außer Frage.

Kommentator: Noch keine definitiven Ergebnisse

Ist die CPAP-Therapie aber nun definitiv  als wirkungslos bezüglich der Prävention kardiovaskulärer Ereignisse überführt? Nach Ansicht von Dr. Daniel Gottlieb aus Boston, der die Ergebnisse der Metaanalyse in einem Begleitkommentar kritisch unter die Lupe nimmt, wäre eine solche Schlussfolgerung voreilig.

Für Gottlieb besteht das „vielleicht wichtigste Ergebnis“ der Metaanalyse darin, dass sie einen „Mangel an aussagefähigen („informative“) klinischen Studiendaten“ offenbart. Die dafür berücksichtigten Studien weisen nach seine Einschätzungen diverse Limitierungen auf. Die Bedeutung von SAVE als größter Studie werde etwa durch die begrenzte Therapieadhärenz eingeschränkt: Mit eine mittleren Dauer von nur 3,3 Stunden  pro Nacht war die Expositionszeit der CPAP-Beatmung relativ kurz.

Die aktuelle Metaanalyse sollte nicht zur Entmutigung in der klinischen Forschung führen. Gottlieb möchte ihre Ergebnisse als „Impetus“ für weitere Studien verstanden wissen, die die Frage nach dem präventiven Nutzen der CPAP-Therapie in Zukunft zuverlässig beantworten können.

Literatur

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