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10.10.2017 | Kreislauferkrankungen | Nachrichten

NAVIGATE-ESUS-Studie enttäuscht

Sekundärprävention nach Schlaganfällen unbekannter Ursache: Rivaroxaban-Studie gestoppt

Autor:
Peter Overbeck

Würde der Gerinnungshemmer Rivaroxaban in der Sekundärprävention bei Patienten mit Schlaganfällen unbekannter Ursache Rezidivereignissen besser vorbeugen als der Plättchenhemmer ASS?  Eine große randomisierte Vergleichsstudie, die diese Frage klären sollte, ist jetzt mangels Aussicht auf Erfolg vorzeitig gestoppt worden.

Bei fast jedem vierten ischämischen Schlaganfall bleibt die Ursache trotz intensiver diagnostischer Abklärung im Dunkeln. Für diese hierzulande bislang als „kryptogen“ klassifizierten Hirninsulte  ist inzwischen international der Terminus  ESUS als Abkürzung von „Embolic Stroke of Undetermined Source“ etabliert worden. Die Diagnose ESUS setzt voraus, dass kardiale Embolien etwa im Kontext von Vorhofflimmern  sowie relevante atherosklerotische Veränderungen der kleinen oder großen hirnversorgenden Gefäße (Mikro- und Makroangiopathie) als Schlaganfallursache ausgeschlossen wurden.

Hoffnungsträger Antikoagulation

Experten halten die meisten Schlaganfälle dieses Typs für embolisch bedingt. Aufgrund der erzielten Erfolge in der Prävention embolischer Schlaganfälle bei Patienten mit Vorhofflimmern besteht deshalb die Erwartung, dass Antikoagulanzien auch bei Patienten mit ESUS präventiv wirksamer sein könnten als der in diesen Fällen bislang häufig  eingesetzte Plättchenhemmer Acetylsalicylsäure (ASS). Große  Hoffnung wurde  dabei vor allem in die Sekundärprävention mit neuen bzw. direkten oralen Antikoagulanzien (NOAK/DOAK) gesetzt.

Diese Hoffnung hat nun mit dem vorzeitigen Stopp der großen NAVIGATE-ESUS-Studie einen Dämpfer erhalten. In dieser Studie sollte geklärt werden, ob eine Behandlung mit dem Faktor-Xa-Hemmer Rivaroxaban bei Patienten mit ESUS Rezidivereignissen besser vorbeugt als eine ASS-Behandlung in niedriger Dosierung.

Rivaroxaban nicht besser als ASS

Wie die Bayer AG und ihr Partner Janssen Research & Development aktuell informieren, ist die NAVIGATE-ESUS-Studie nun nach einer Zwischenanalyse ihrer bisherigen Ergebnisse schon vor dem geplanten Ende gestoppt worden. Der Grund für diese von den Sponsoren gemeinsam mit der akademischen Studienleitung getroffene Entscheidung:  Für Rivaroxaban hatte sich bisher nur eine äquivalente Wirksamkeit im Vergleich zu ASS nachweisen lassen. Die Aussicht, dass sich an diesem Ergebnis  im weiteren Studienverlauf etwas zugunsten eines Vorteils von Rivaroxaban ändern würde, wurde als äußerst minimal eingeschätzt. Zudem war  – bei einer insgesamt relativ niedrigen Inzidenz von Blutungen – das Blutungsrisiko im Rivaroxaban-Arm höher als im ASS-Arm. Die vollständigen Ergebnisse sollen 2018 bei einem Kongress vorgestellt werden.

In die Phase-III-Studie NAVIGATE-ESUS sind an 459 Zentren in 31 Ländern insgesamt 7.214 Patienten aufgenommen worden. Sie sind per Randomiserung einer Behandlung mit Rivaroxaban (15 mg einmal täglich) oder mit ASS in niedriger Dosierung (100 mg einmal täglich) zugeteilt worden. Der primäre Wirksamkeitsendpunkt setzte sich aus den Ereignissen Schlaganfall (ischämisch, hämorrhagisch oder undefiniert), TIA mit positivem Bildgebungsbefund sowie systemischen Embolien zusammen.

Literatur