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17.04.2018 | Kreislauferkrankungen | Nachrichten

Erhöhtes Herzinfarkt-Risiko

Waldbrände gefährden wohl auch das Herz

Autor:
Veronika Schlimpert

Während der schweren Waldbrände in Kalifornien im Jahr 2015 erlitten die Anwohner deutlich mehr Herzinfarkte und Schlaganfälle als sonst, besonders gefährdet waren ältere Menschen. Gibt es einen Zusammenhang?

Die schweren kalifornischen Waldbrände im Jahr 2015 forderten mehrere Todesopfer, tausende Häuser wurden zerstört. Neben diesen direkten Schäden haben die Brände wohl auch weniger offensichtliche Spuren im Organismus hinterlassen, und zwar nicht nur in der Lunge, sondern wohl auch im Herz-Kreislauf-System, wie sich in einer aktuellen Studie gezeigt hat. 

Denn in den Tagen, an den die Feuer wüteten, erlitten die Anwohner deutlich häufiger einen Herzinfarkt oder Schlaganfall als an rauchfreien Tagen; das Risiko stieg bis zu 42% an.

Risiko stieg bis zu 42% an

Die Studienautoren um Dr. Zachary Wettstein vermuten deshalb, dass die während eines Waldbrandes freigesetzten Luftschadstoffe nicht nur der Lunge, sondern auch dem Herzen schaden könnten. Es gebe immer mehr Hinweise, dass Feinstaub (PM 2,5) das autonome Nervensystem stimuliere und dadurch systemische Entzündungsprozesse, oxidativen Stress und  Gerinnungsprozesse fördere.

Dies würde erklären, warum es während der Brände vermehrt zu ischämischen Ereignissen, Herzrhythmusstörungen, Dekompensationen einer bestehenden Herzinsuffizienz und pulmonalen Embolien gekommen sei.

Gefährdet waren vor allem ältere Menschen

Besonders gefährdet waren ältere Menschen in einem Alter über 65 Jahren. Einen Tag, nachdem die stärkste Rauchdichte gemessen wurde, hatten sie das höchste Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden (relatives Risiko, RR: 1,42). Klinikeinweisungen wegen Herzinsuffizienz kamen 3 Tage später am häufigsten vor (RR: 1,22).

Als Kontrolle werteten die Wissenschaftler die Rate an Klinikeinweisungen wegen akuten Blinddarmentzündungen aus. Diese war während der Brände nicht erhöht, wobei die Konfidenzintervalle sehr weit ausgefallen seien, geben sie einschränkend zu. 

Schutzmaßnahmen etablieren

Deutschland ist von solchen Riesenbränden bisher verschont geblieben. Trotzdem zeigt die Analyse einmal mehr, wie sich Umweltbelastungen auf die Gesundheit auswirken können, besonders dann, wenn schon eine Gefährdung besteht. 

Um Risikopersonen zu schützen, könnte nach Ansicht der US-amerikanischen Wissenschaftler die Etablierung spezieller Maßnahmen sinnvoll sein, wie die Evakuierung aus dem betroffenen Gebiet oder der Transport in Luftschutzräume. Risikopatienten sollten in dieser Zeit Outdoor-Aktivitäten meiden, empfehlen sie. Derzeit untersucht werde der Nutzen spezieller Luftreiniger. Von Vorteil könnte es auch sein, dass auf Herzerkrankungen spezialisierte Krankenhäuser sich in den betroffenen Tagen auf einen vermehrten Betrieb einstellen und entsprechende personelle und materielle Ressourcen freimachen. 

Für ihre Analyse haben die Wissenschaftler die während der Waldbrände dokumentierten kardio- und zerebrovaskulär bedingten Notfallaufnahmen mit der jeweils an diesen Tagen gemessenen Rauchdichte (niedrig, mittel, dicht) in Zusammenhang gestellt; mehr als 370.000 kardio- oder zerebrovaskulär bedingte Ereignisse wurden in diesen Tagen registriert.

Auch Knochenbrüche waren häufiger

Natürlich sind bei solchen Assoziationsstudien diverse Limitationen zu beachten. Beispielsweise könnte es sein, dass mehr Menschen aufgrund akuter gesundheitlicher Probleme, die der Rauchbelastung anzulasten sind wie einer Atemnot, in die Klinik kommen und  dort bisher unbekannte Erkrankungen diagnostiziert werden. Im Übrigen kam es während der Brände überraschenderweise auch vermehrt zu Knochenbrüchen. Vielleicht seien die Menschen bei den Evakuierungsmaßnahmen öfter gestürzt, erklären sich die Wissenschaftler diese Beobachtung.

Literatur

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