Nachrichten 21.02.2022

Erfolg mit neuem Wirkstoff bei Lp(a)-Hyperlipoproteinämie

Ein neuartiger Wirkstoff hat in einer kleinen Phase-I-Studie bewiesen, dass sich damit erhöhte Lipoprotein(a)-Plasmaspiegel deutlich reduzieren lassen.

Die Möglichkeiten, bei primär genetisch bedingten Erhöhungen der Serumkonzentration für Lipoprotein(a) [Lp(a)] therapeutisch intervenieren zu können, waren bislang sehr begrenzt. Ähnlich wie erhöhte LDL-Cholesterinspiegel ist auch die Lp(a)-Hyperlipoproteinämie mit einem erhöhten Risiko für atherosklerotische Gefäßerkrankungen assoziiert.

SLN360 ist ein Wirkstoff, der derzeit speziell zur Reduktion erhöhter Lp(a)-Konzentrationen im Blut klinisch entwickelt wird. SLN360 zählt zur neuartigen Wirkstoffklasse der sogenannten small interfering RNA (siRNA). Seine Wirkung zielt darauf, durch Hemmung von messenger RNA (mRNA) die Translation von bestimmten Lp(a)-Partikeln und damit deren vermutete pathogenetische Wirkung zu unterbinden.

Kürzlich informierte der Hersteller, das Unternehmen Silence Therapeutics, die Öffentlichkeit über positive „Topline“-Daten einer APOLLO genannten Phase-I-Studie mit SLN360. Die detaillierten Ergebnisse sollen Anfang April 2022 von APOLLO-Studienleiter Prof. Steven E. Nissen von der Cleveland Clinic beim Kongress des American College of Cardiology (ACC) vorgestellt werden.

LP(a)-Senkungen um bis zu 98%

Der aktuellen „Topline“-Meldung zufolge konnten die bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Studie bestehenden erhöhten Lp(a)-Serumkonzentrationen durch SLN360 dosisabhängig um 46% bis 98% in Relation zum Ausgangswert gesenkt werden. Auch nach 150 Tagen war demnach noch eine anhaltende Lp(a)-Reduktion um bis zu 81% beobachtet worden. Die Follow-up-Dauer sei inzwischen auf 365 Tage verlängert worden, um weitere Informationen zur Wirkdauer zu erhalten, teilt der Hersteller mit. Die bisherigen Ergebnisse bieten im Übrigen keine Anhaltspunkte für mögliche Probleme in puncto therapeutische Sicherheit.

An der APOLLO-Studie sind 32 Probanden mit erhöhten Lp(a)-Serumkonzentrationen (150 nmol/l oder höher) und ohne kardiovaskuläre Erkrankungen beteiligt. Sie hatten entweder SLN360 in Form einer subkutan applizierten Einzeldosis (30 mg, 100 mg, ≤300 mg oder ≤600 mg) oder Placebo erhalten und waren über einen Zeitraum von 150 Tagen nachbeobachtet worden.

Literatur

Pressemitteilung des Unternehmens Silence Therapeutics vom 9. Februar 2022: Silence Therapeutics Announces Positive Topline Data in SLN360 Phase 1 Single-Ascending Dose Study in Healthy Adults with High Lipoprotein(a).

Highlights

Kardiothek

Alle Videos der Kongressberichte, Interviews und Expertenvorträge zu kardiologischen Themen. 

Corona, COVID-19 & Co.

Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit COVID-19 finden Sie in diesem Dossier.

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

Schlaganfall: Spezielle Strategie verbessert neurologische Prognose

Das Prinzip der „ischämischen Fernkonditionierung“ kommt ursprünglich aus der Herzmedizin, und hat hier in den letzten Jahren eher enttäuscht. Nun liefert eine randomisierte Studie Hinweise, dass das Konzept bei Schlaganfallpatienten funktionieren könnte.

Ticagrelor plus ASS: Mehr offene Venengrafts nach Bypass-OP

Eine duale Plättchenhemmung mit Ticagrelor plus ASS beugt Venengraftverschlüssen nach aortokoronarer Bypass-Operation besser vor als ASS allein, ergab jetzt eine Metaanalyse. Die höhere Effektivität hat aber ihren Preis.

Wie gefährlich ist (Wettkampf-)Sport bei Long-QT?

Menschen mit einem Long-QT-Syndrom wird von intensiverem Sport üblicherweise abgeraten. Eine französische Kohortenstudie deutet nun an, dass ein solch restriktiver Umfang nicht unbedingt vonnöten ist – doch die Sicherheit scheint an bestimmte Voraussetzungen geknüpft zu sein.

Aus der Kardiothek

Herzinsuffizienz: Optimal-Medikamentöse-Therapie (OMT), und ... was noch?

Medikamente sind die Eckpfeiler einer adäquaten Herzinsuffizienztherapie. Darüber hinaus gibt es zusätzliche Optionen, die für manche Patienten eine Lösung darstellen können. Anhand von Fallbeispielen erläutert Dr. med. Andreas Rieth welche das sind.

Digitale Kardiologie anno 2022 – von Zukunftsvisionen bis sinnvollem Einsatz im Alltag

Die digitale Kardiologie ist nicht nur ein Trend, sie eröffnet eine realistische Chance, die Versorgung von Patientinnen und Patienten zu verbessern. Dr. med. Philipp Breitbart gibt Tipps für den Einsatz solcher Devices im Alltag.

Muss eine moderne Herzinsuffizienztherapie geschlechtsspezifisch sein?

Medikamente wirken bei Frauen oft anders als bei Männern. Dr. med. Jana Boer erläutert, wie sich diese Unterschiede auf die pharmakologische Herzinsuffizienztherapie auswirken, und was Sie dabei beachten sollten.

Kardiothek/© kardiologie.org
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
kardiologie @ home/© BNK | Kardiologie.org