Nachrichten 01.12.2022

Statine: Automatisierte Erinnerungen können Verschreibungsrate erhöhen

Damit bei keinem Hausarzttermin mehr vergessen wird, geeigneten Patienten und Patientinnen Statine zu verschreiben, haben US-amerikanische Forschende ein System getestet, dass mithilfe von elektronischen Patientenakten und SMS alle Beteiligten daran erinnert.

Weniger als die Hälfte der US-amerikanischen Personen, die von einer Statintherapie profitieren könnten, bekommen diese auch verordnet. Möglicherweise können Erinnerungsnachrichten an Hausärzte, -ärztinnen und Behandelte dazu beitragen, die Verschreibungsrate zu steigern.

In die randomisierte Studie wurden 158 Ärzte und Ärztinnen aus 28 allgemeinmedizinischen Praxen und 4.131 Patientinnen und Patienten einbezogen. Sie wurden in vier Gruppen geteilt: eine ohne Interventionen, eine mit Erinnerungen für das medizinische Personal, eine mit Nachrichten an die Patienten und Patientinnen sowie eine Gruppe, in der beide Beteiligten kontaktiert wurden.

Elektronische Patientenakte hakt nach

Bei der ärztlichen Intervention mussten die Mediziner und Medizinerinnen in der elektronischen Patientenakte aktiv beantworten, ob die Behandelten Statine erhalten sollen oder nicht, zudem bekamen sie Feedback zu ihren Verschreibungsmustern im Vergleich zu Kollegen und Kolleginnen. Bei der Patientenintervention wurden diese vier Tage vor ihrem Arzttermin darüber informiert, dass sie den Leitlinien zufolge Statine zur Prävention von Herzinfarkten einnehmen sollten. Zeigten sich die Kontaktierten interessiert, wurden sie darauf hingewiesen, dies beim Termin anzusprechen.

Dr. Srinath Adusumalli von der Universität Pennsylvania und sein Team untersuchten, wie oft den Teilnehmenden Statine verschrieben wurden. In der einjährigen Präinterventionsphase war das bei 5,6% der Kontrollgruppe, bei 4,8% der Patienteninterventionsgruppe, bei 6,0% der ärztlichen Interventionsgruppe und bei 4,7% der Doppelinterventionsgruppe der Fall. In den sechs Monaten nach Start der Interventionen wurden dagegen 7,3% der Kontrollgruppe, 8,5% der Patienteninterventionsgruppe, 13,0% der ärztlichen Interventionsgruppe und 15,5% der kombinierten Interventionsgruppe Statine verschrieben.

Erinnerungen für Ärzte und Ärztinnen effektiver

Adjustierte Analysen ergaben, dass die Erinnerungen für Ärzte und Ärztinnen die Verschreibungsrate signifikant um 5,5% erhöhen konnte, kombiniert mit Patientenerinnerungen sogar signifikant um 7,2%. Die Nachrichten an die Patienten und Patientinnen allein schienen jedoch keinen signifikanten Effekt zu haben.

Auf elektronischen Patientenakten basierende automatisierte Erinnerungen können ein effektiver und skalierbarer Ansatz sein, um das Verschreibungsverhalten zu verändern“, fassen die Forschenden um Adusumalli die Ergebnisse zusammen.

„Wir loben die Autoren für diese rigorose, pragmatische Studie“, so Dr. Faraz Ahmad von der Northwestern University Feinberg School of Medicine in Chicago et al. in einem begleitenden Kommentar. Auch wenn die Unterschiede im kombinierten Arm und in der ärztlichen Interventionsgruppe gering gewesen seien, müsse dies im Kontext der Population interpretiert werden. Die Ausgangsrate der Statinverschreibungen sei mit ca. 70% bereits hoch gewesen. Zudem seien die meisten unbehandelten Erkrankten Kandidaten für primäre statt sekundäre Prävention gewesen, was es schwierig mache, große Effektstärken durch Interventionen zu sehen.

Literatur

Adusumalli S et al. Effect of Nudges to Clinicians, Patients, or Both to Increase Statin Prescribing. A Cluster Randomized Clinical Trial. JAMA Cardiology 2022. https://doi.org/10.1001/jamacardio.2022.4373

Ahmad F et al. Nudging to Improve Cardiovascular Care — Clinicians, Patients, or Both. JAMA Cardiology 2022. https://doi.org/10.1001/jamacardio.2022.4382

Highlights

Myokarditis – eine tödliche Gefahr

In der vierten Ausgabe mit Prof. Andreas Zeiher geht es um die Myokarditis. Der Kardiologe spricht über Zusammenhänge mit SARS-CoV-2-Infektionen und COVID-19-Impfungen und darüber, welche Faktoren über die Prognose entscheiden.

Podcast: Plötzlicher Herztod im Sport

In der dritten Ausgabe mit Prof. Martin Halle geht es um den Plötzlichen Herztod im Sport. Warum trifft es ausgerechnet Leistungssportler, warum überwiegend Männer? Und gibt es einen Zusammenhang mit SARS-CoV-2-Infektionen?

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

BNK und BVMed: Telemonitoring bei Herzinsuffizienz läuft immer noch ins Leere

Wer bezahlt den Transmitter, der für ein Telemonitoring bei Herzinsuffizienz erforderlich ist? Bisher weigern sich Krankenkassen häufig, die Kosten zu übernehmen, wodurch eine seit einigen Jahren eingeführte Leistung im EBM teilweise ins Leere läuft. Nun werden der BNK und der BVMed aktiv.

Herzschrittmacher: Höhere Grundfrequenz könnte in gewissen Fällen vorteilhaft sein

Standardmäßig wird in der Schrittmachertherapie eine Grundfrequenz von 60 Schlägen/Minute eingestellt. In einer randomisierten Studie hat sich nun eine individuell zugeschnittene, höhere Grundfrequenz bei ausgewählten Patienten vorteilhaft ausgewirkt. Vorsicht ist trotzdem angebracht.

Familiäre Hypercholesterinämie: Guter Lebensstil kann „schlechte“ Gene kompensieren

Auch für Menschen mit einer familiären Hypercholesterinämie lohnen sich Lebensstilmaßnahmen, bekräftigt eine aktuelle Analyse. Denn das erhöhte Herzrisiko durch „schlechte Gene“ kann offenbar durch einen guten Lebensstil abgeschwächt werden.

Aus der Kardiothek

Hätten Sie es erkannt?

Optical Coherence Tomography (OCT), zirkuläre Strukturen im Koronarlumen.
Um was handelt es sich?

Therapie der akuten Herzinsuffizienz – Wann und womit starten

Nach Dekaden des Stillstandes wurden in der letzten Zeit einige Fortschritte in der Therapie der Herzinsuffizienz gemacht. Welche das sind, und wie diese in der Praxis umgesetzt werden sollten, erläutert Prof. Christine Angermann in diesem Video.

Hypertonie und Dyslipidämie - einfach gemeinsam behandeln

Hypertonie und Hypercholesterinämie treten oft gemeinsam auf. Prof. Ralf Dechend stellt in diesem Video neue Strategien zum Umfang mit diesen kardiovaskulären Risikofaktoren vor.

Podcast-Logo/© Springer Medizin Verlag GmbH (M)
Podcast-Logo
Kardio-Quiz Januar 2023/© Stephan Achenbach, Medizinische Klinik 2, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
kardiologie @ home/© BNK | Kardiologie.org