Nachrichten 21.09.2021

Kardio-Implantate in der MRT-Röhre: Auch ohne Label kein Problem?

Bedingt sichere Defibrillatoren und Schrittmacher ermöglichen MRT-Untersuchungen trotz Kardio-Implantat. Eine große Studie spricht jetzt (erneut) dafür, dass auch „normale“ Implantate keine absolute Kontraindikation für die MRT sein müssen.

Für die Studie wurden MRT-Untersuchungen mit 1,5-Tesla-Geräten bei Patientinnen und Patienten mit Schrittmachern oder Defibrillatoren an drei Zentren in den USA und Großbritannien über einen Zeitraum von fünf Jahren ausgewertet. Verglichen wurden dabei Patienten, die sogenannte „bedingt MRT-sichere“ Implantate nutzten, im Englischen „MRI conditional“, mit Patienten, die mit konventionellen, nicht eigens MRT-gesicherten Implantaten ausgestattet worden waren.

Dislozierte und epikardiale Sonden mit berücksichtigt

Insgesamt flossen 1.148 MRT-Untersuchungen bei 970 Patienten mit 2.268 Sonden in die Analyse ein. 54% der Patienten hatten „bedingt MRT-sichere“ Implantate und Sonden, zu mehr als zwei Dritteln handelte es sich dabei um Defibrillatoren. Anders als in früheren Studien wurden Patienten mit dislozierten Sonden und permanenten epikardialen Sonden nicht ausgeschlossen, genauso wenig Patienten mit Implantaten, die vor 2001 eingebaut worden waren. Die MRT-Protokolle waren in beiden Gruppen gleich, sie wurden nicht angepasst je nachdem, ob es sich um „bedingt sichere“ Systeme handelte oder nicht.

Unerwünschte Ereignisse nicht häufiger 

Das Ergebnis lässt sich knapp zusammenfassen: Es gab weder in der einen noch in der anderen Gruppe irgendwelche sondenbezogenen, unerwünschten klinischen Ereignisse. Im Vergleich der Device-Abfragen vor und nach dem Scan gab es außerdem weder in der einen noch in der anderen Gruppe klinisch signifikante Veränderungen von Funktionsparametern, und zwar weder unmittelbar nach dem Scan noch bei späteren Follow-up-Abfragen. Verringerungen der atrialen und rechtsventrikulären Amplituden und Impedanzen gab es bei beiden Gerätetypen. Bei den konventionellen, nicht „bedingt MRT-sicheren“ Implantaten war das nicht stärker ausgeprägt als bei den als „bedingt sicher“ gelabelten Geräten. Ausreißer über die vorab spezifizierten Grenzen hinaus waren in beiden Gruppen gleich häufig bzw. selten.

Empfehlung: Keine absolute Kontraindikation mehr

Insgesamt sprächen die Ergebnisse dafür, dass auch Patienten mit nicht „bedingt MRT-sicheren“ Implantaten und Defibrillatoren bzw. entsprechenden Sonden bei Einhaltung von Standard-MRT-Protokollen sicher untersucht werden könnten, so die Autoren in der Diskussion ihrer Ergebnisse. Auch wenn In-vitro-Daten zeigten, dass es um Sonden herum zu Hitzeschäden kommen könnte, scheine dies in vivo keine klinisch relevante Rolle zu spielen. Die Ergebnisse sind auch deswegen wichtig, weil Patienten mit älteren Implantaten nicht einfach auf neue, bedingt MRT-sichere Geräte umgerüstet werden können. Denn die Sonden bleiben typischerweise liegen, sind also auch dann nicht „bedingt MRT-sicher“, wenn das Implantat selbst dieses Label besitzt.

Ganz neu sind Entwarnungen in Sachen MRT bei Trägern kardialer Implantate nicht. So haben die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie und die Deutsche Röntgengesellschaft schon 2017 ein entsprechendes Konsensuspapier vorgelegt. Es wurde von der DGK im Jahr 2019 im Hinblick auf den Spezialfall Kardio-MRT aktualisiert und konkretisiert. In diesen Empfehlungen heißt es unter anderem, dass konventionelle Kardio-Implantate für Kardio-MRT-Untersuchungen nicht als absolute, sondern nur noch als relative Kontraindikation anzusehen seien.

Literatur

Bhuva AH et al. Evidence to support magnetic resonance conditional labelling of all pacemaker and defibrillator leads in patients with cardiac implantable electronic devices; Eur Heart J 2021; ehab350

von Knobelsdorff-Brenkenhoff F et al. Empfehlungen zu kardialen MRT-Untersuchungen bei Patienten mit Herzschrittmachern und implantierbaren Kardioverter-Defibrillatoren; Kardiologie 2019; 13:75

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