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04.04.2016 | Nachrichten | Onlineartikel

Risikofaktor-Screening

Mammografie deckt erhöhtes kardiovaskuläres Risiko auf

Autor:
Philipp Grätzel

Kalk-Score-Screening einmal anders: Verkalkungen der Brustarterien, die in Screening-Mammografien auffallen, korrelieren mit dem koronaren Kalk-Score und sagen das kardiovaskuläre Risiko besser voraus als andere Risikofaktoren.

Kalkablagerungen in Brustarterien sind ein häufiger Nebenbefund bei Screening-Mammografien, der bisher in der Regel ignoriert wird. In einer jetzt bei der ACC Jahrestagung in Chicago vorgestellten, monozentrischen Studie von Experten der Icahn School of Medicine, Washington, wurde untersucht, ob die Verkalkungen der Brustarterie mit dem koronaren Kalk-Score korrelieren und sich demnach möglicherweise für die kardiovaskuläre Risikoabschätzung nutzen lassen.

Insgesamt 292 Frauen erhielten sowohl eine digitale Mammografie als auch eine Computertomografie des Herzens. Kalkablagerungen in den Brustarterien (BAC) wurden anhand der Mammografie mit einem Score von 0 bis 12 quantifiziert. Für die auf Basis der CT ermittelte Verkalkung der Koronararterien (CAC) wurde ebenfalls ein Score von 0 bis 12 genutzt.

Positiver prädiktiver Wert von 70%

Die Wissenschaftler haben unterschiedliche BAC-Grade mit der CAC in Beziehung gesetzt und ermittelt, wie prädiktiv eine Verkalkung der Brustarterien für eine Verkalkung der Herzkranzgefäße ist. In Summe hatten 70% der Frauen, die eine BAC aufwiesen, auch eine CAC (positiv prädiktiver Wert). Dieser Wert war besser bei jüngeren Frauen, wo die Rate falsch positiver Befunde nur 17% betrug.

Die Sensitivität der BAC-Messung für das Vorliegen einer CAC gemessen am Goldstandard CT betrug 63%. Bei unter 60jährigen Frauen waren es immer noch rund 50%, sodass im Umkehrschluss etwa die Hälfte der Frauen mit einer Koronarverkalkung im jüngeren Alter über die Mammografie „herausgefischt“ werden könnte.

Zuverlässiger als andere Prädiktoren

Die Wissenschaftler haben auch berechnet, wie prädiktiv die BAC-Messung im Vergleich zu traditionellen kardiovaskulären Risikofaktoren ist. Demnach sagt ein BAC-Score ab 4 eine Koronarverkalkung zuverlässiger voraus als das Vorliegen einer arteriellen Hypertonie und auch zuverlässiger als das Alter. Im Vergleich mit dem Framingham Risk Score sei ein positiver BAC-Nachweis in etwa ähnlich potent bei der Identifizierung von Frauen mit hohem kardiovaskulärem Risiko, und die Hinzunahme des BAC zum Framingham-Score könne die Identifizierung von Risikopatientinnen signifikant verbessern, so die Autoren.

Unmittelbare Konsequenzen lassen sich aus dieser Untersuchung noch nicht ziehen, dafür ist sie zu klein. Denkbar wäre, den BAC-Nachweis gerade bei jüngeren Frauen als „Trigger“ für eine umfangreichere Risikofaktoranalyse zu nehmen, um jene Frauen zu identifizieren, die beispielsweise von einer Statintherapie profitieren könnten. Grundsätzlich könnten natürlich auch aus der BAC-Messung direkt präventivmedizinische Konsequenzen abgeleitet werden, was dann aber durch große, prospektive Studien untermauert werden müsste. 

Literatur

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