Onlineartikel 05.01.2016

Mehr Kalk, mehr Vorhofflimmern

Dass es eine Beziehung zwischen Koronarkalk und Vorhofflimmern gibt, ist ein alter Hut. Neue Daten aus der MESA-Studie zeigen jetzt, dass der Zusammenhang dosisabhängig ist.

Die Multi-Ethnic Study of Atherosclerosis (MESA) hat Anfang der 2000er Jahre an sechs Zentren in den USA Probanden zwischen 45 und 84 Jahren ohne kardiovaskuläre Erkrankung rekrutiert. Für die aktuelle Analyse wurden 5612 Teilnehmer ausgewertet, für die ein per kardialer Computertomographie (CCT) gemessener koronarer Calcium-Score (CAC), gemessen als adjustierter Agatston-Score, zur Verfügung stand. Der durchschnittliche Follow-up-Zeitraum betrug 5,6 Jahre. In diesem Zeitraum entwickelten 3,6% der Studienteilnehmer Vorhofflimmern.

Schon in einer früheren MESA-Analyse war gezeigt worden, dass es bei erhöhtem CAC eine größere Wahrscheinlichkeit gab, dass der Betreffende an Vorhofflimmern litt. Damals handelte es sich allerdings um eine Punktmessung, während sich die Wissenschaftler diesmal den CAC im Verlauf angesehen haben. Hierbei zeigte sich, dass es einen klaren Zusammenhang gab zwischen dem Ausmaß der Verschlechterung des CAC und des Risikos, Vorhofflimmern zu entwickeln.

Patienten, bei denen sich der CAC im Jahresverlauf verschlechterte, hatten ein um mehr als die Hälfte höheres Flimmerrisiko als Patienten mit konstantem CAC. Mehr noch: Bei leichtem Anstieg des CAC um bis zu 100 Einheiten pro Jahr war das Risiko um 47% erhöht. Bei einem Anstieg um 101 bis 300 Einheiten pro Jahr waren es schon 92%. Und bei mehr als 300 Einheiten pro Jahr war ein neu entdecktes Vorhofflimmern um 320% wahrscheinlicher als bei konstantem CAC. Der statistische Zusammenhang war dabei besonders ausgeprägt, wenn die Betroffenen jünger waren als 61 Jahre. Eine CAC-Progression in dieser Altersklasse ging unabhängig von ihrem Ausmaß mit einer über 300% erhöhten Rate an Vorhofflimmerdiagnosen einher.

Auf Basis dieser Daten sei anzunehmen, dass eine präventive Verringerung der Atheroskleroselast nicht nur das koronare Risiko senken, sondern auch auf die Inzidenz von Vorhofflimmern einen günstigen Einfluss haben könnte, schreiben die Autoren um Dr. Wesley T. O’Neal von der Wake Forest School of Medicine in North Carolina. In einem begleitenden Editorial betonen Dr. Sean Pokorney und Dr. Jonathan Piccini von der Duke University, North Carolina, dass die Mechanismen, über die Koronarkalk zu einem erhöhten rhythmologischen Risiko beitrage, unklar seien. Auch präventive Maßnahmen seien derzeit noch Spekulation. Selbst wenn die Prädiktion des Vorhofflimmerns verbessert werden könne, gebe es aktuell keinen therapeutischen Ansatzpunkt.

Literatur

O’Neal WT. Coronary Artery Calcium Progression and Atrial Fibrillation. Circulation Cardiovascular Imaging 2015; 8:e003786
Pokorney SD, Piccine JP. Calcified Pipes: You Better Call the Electrician Too. Circulation Cardiovascular Imaging 2015; 8:e004202