Online-Artikel 08.02.2016

Mit SMS-Nachrichten die Adhärenz verbessern?

Vielen Hypertonikern fällt es schwer, sich an die Vorgaben für Medikamenteneinnahme oder Lebensstiländerungen zu halten. Eine Idee ist deshalb, die Adhärenz mithilfe des Verschickens automatisierter Textnachrichten zu unterstützen.

Die Therapietreue von Hypertonikern lässt sich womöglich mithilfe regelmäßiger automatisierter SMS-Nachrichten unterstützen, das legen Ergebnisse einer randomisierten, einfach verblindeten Studie (StAR) an 1.372 Bluthochdruckpatienten aus einer Klinik in Cape Town, Südafrika, nahe.
Britische Wissenschaftler verglichen hierbei drei Versorgungsstrategien. Eine Gruppe aus 457 Patienten bekam ein Jahr lang jede Woche automatisierte SMS-Nachrichten auf ihr Handy verschickt (z. B.: „Wenn Sie Ihre Medikamente immer zur selben Zeit einnehmen, können Sie sich besser an die Einnahme erinnern“). Dieselben vorher festgelegten Nachrichten erhielten auch 458 Teilnehmer der Interaktions-Gruppe; ihnen war es aber möglich, auf diese SMS zu antworten, sodass sie etwa einen Arzttermin verschieben oder absagen konnten. Die restlichen Teilnehmer erhielten eine herkömmliche Betreuung durch Pflegepersonal und Ärzte.

Etwas bessere Blutdruckkontrolle

Nach einem Jahr ließ sich bei allen Hypertonikern eine Blutdrucksenkung beobachten. Der Blutdruck der Teilnehmer, die SMS-Nachrichten mit bzw. ohne Interaktion erhielten, sank aber um durchschnittlich –2,2 bzw. – 1,6 mmHg stärker als der bei Probanden mit herkömmlicher Betreuung (p=0,046 bzw. 0,16). Auch die Wahrscheinlichkeit, den Zielblutdruck von unter 140/90 mmHg zu erreichen, war für Teilnehmer beider Programme tendenziell höher, jedoch nicht signifikant (adjustierte Odds Ratio: 1,4; p=0,04). Die Medikamenteneinnahme fiel in beiden Interventionsgruppen signifikant besser aus: 62,8 bzw. 59,7% der Teilnehmer nahmen an mehr als 80% aller Tage ihre Blutdrucksenker ein (PDC, proportion of days covered), bei Patienten mit normaler Betreuung war das bei 49,4% der Fall (p<0,001 bzw. p=0,002). 

Kostengünstiger als Face-to-Face-Interventionen

Die Studie würde somit Hinweise liefern, dass eine regelmäßige Intervention via SMS-Textnachrichten die Adhärenz unterstützen und auch einen geringfügig positiven Einfluss auf die Blutdruckkontrolle habe könne, schlussfolgern die Studienautoren um Kirsten Bobrow von der Universität Oxford. Die Option einer Interaktion konnte die Wirksamkeit des Programmes nicht weiter steigern. Der Effekt auf den systolischen Blutdruck sei zwar geringer ausgefallen als erwartet, schreiben Bobrow und Kollegen. Doch es ist bekannt, dass bereits eine geringfügige Blutdrucksenkung mit einem geringeren Risiko für vorzeitigen Tod assoziiert ist. Zudem sei das Verschicken automatisierter Textnachrichten vermutlich kostengünstiger zu realisieren als eine Face-to-Face-Intervention oder Schulungsprogramme für Ärzte, mit denen sich Studien zufolge vergleichbare Effekte erzielen lassen. 

Breite Implementierung fraglich

Einschränkend ist zu erwähnen, dass in dieser Studie der Blutdruck lediglich beim Klinikbesuch, also nicht anhand ambulanter Blutdrucklangzeitmessungen erfasst, und die Adhärenz allein auf Basis von Verordnungsdaten der Klinik bestimmt wurde. Somit sind weitere Studien erforderlich, auch um die optimale Frequenz an SMS-Nachrichten, die zusätzlichen Kosten, wenn Nachrichten angepassten werden müssen, sowie das Potenzial einer breiten Implementierung dieser Programme unter verschiedensten Bedingungen evaluieren zu können.  

Literatur

Bobrow K, Farmer AJ, Springer D et al. Mobile Phone Text Messages to Support Treatment Adherence in Adults With High Blood Pressure (StAR): A Single-Blind, Randomized Trial 2016 CIRCULATIONAHA. Published online before print January 14, 2016, doi: 10.1161/CIRCULATIONAHA.115.017530