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23.11.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

CT-Angiographie meets Google Glass

Mit virtueller Realität gegen den Koronarverschluss

Autor:
Philipp Grätzel

Polnische Kardiologen haben mit Hilfe der Virtual-Reality-Brille Google Glass bei einem 49jährigen Patienten eine verschlossene rechte Herzkranzarterie eröffnet und mit zwei Stents versehen. Vorteil ist, dass der Arzt nicht nur die Durchleuchtung sieht, sondern eine 3D-Rekonstruktion direkt im Blickfeld hat.

Google Glass ist ein Minicomputer, den sich der Anwender wie eine Brille auf die Nase setzt. Die Brillengläser fungieren dabei wie eine Art Bildschirm: Es wird möglich, Informationen direkt ins Blickfeld bzw. in die Peripherie des Blickfelds einzublenden. Im Consumer-Markt wird Google Glass derzeit nicht angeboten. Es gibt aber einige Berufsgruppen, die die Technologie weiter evaluieren, darunter Chirurgen, Endoskopiker und auch Kardiologen.

Über einen „First-in-Man“-Einsatz von Google Glass im Rahmen der Eröffnung einer okkludierten Herzkranzarterie berichten jetzt polnische Kardiologen um Dr. Maksymilian P. Opolski vom Institut für Kardiologie in Warschau im Canadian Journal of Cardiology. Grund für den Einsatz der Virtual Reality-Brille in der speziellen Indikation des Koronarverschlusses sei gewesen, dass die Erfolgsraten bei dieser Intervention extrem unvorhersehbar seien, sodass ein gewisser Bedarf an Verbesserungen bestehe, so die Autoren.

3D-Rekonstruktion im direkten Blickfeld

Was die polnischen Kardiologen letztlich machen ist, dass sie eine auf CT-Angiographie (CTA) basierende 3D-Rekonstruktion der Koronararterie nicht auf einem separaten Monitor darstellen, sondern sie im oberen rechten Blickfeld direkt einblenden. Der Kardiologe blickt also, wie gehabt, auf die Durchleuchtung, sieht aber gleichzeitig zu jedem Zeitpunkt die 3D-Rekonstruktion, die wie bei anderen CTA-gestützten Eingriffen mit den Live-Katheterbildern überlagert wird. Auch eine Interaktion ist möglich: Per Sprachsteuerung kann das 3D-Modell rotiert werden, und eine Zoom-Funktion steht zur Verfügung.

Die Vorteile dieser Vorgehensweise sehen die Kardiologen unter anderem darin, dass sie ergonomischer sei und dazu beitragen könne, CTA-Rekanalisationen der Koronargefäße effizienter zu machen. Teurer werde das Katheterlabor dadurch nicht, da auf einen separaten Monitor zur Darstellung der CTA verzichtet werden könne. Die Autoren wiesen auch darauf hin, dass nichts dagegen spreche, die Brille mit Strahlenschutzfiltern auszustatten. Der behandelte Patient hat das Krankenhaus mit erfolgreich rekanalisiertem Gefäß und zwei neuen Stents verlassen.

Literatur