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11.11.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

Raucherentwöhnung

Nach akutem Koronarsyndrom: Vareniclin unterstützt Nikotinverzicht

Autor:
Dr. Ulrike Fortmüller

Die EVITA-Studie zeigt, dass bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom eine schon vor der Krankenhausentlassung initiierte Raucherentwöhnung mit Vareniclin Erfolg haben kann.

Patienten mit akutem Koronarsyndrom (ACS), die Raucher sind, haben ein erhöhtes Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko. Dennoch schaffen es weniger als ein Drittel von Ihnen nach der Krankenhausentlassung die Zigaretten aufzugeben.

Zwar wird den Patienten in manchen Kliniken eine Nikotinersatztherapie (NRT) verschrieben, aber randomisierte klinische Studien zur Wirksamkeit fehlen. Zu dem Antidepressivum Bupropion (selektiver Dopamin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer, bzw. Zyban), das auch zur Raucherentwöhnung eingesetzt wird, gibt es zwar Studien, die Wirksamkeit konnte aber nicht gezeigt werden.

Risikogruppe im Visier

Anders bei Vareniclin (selektiver Nikotin-Rezeptor-Agonist, Champix), das bei gesunden Rauchern und Patienten mit KHK wirksam war. Bei ACS-Patienten ist dazu bisher allerdings wenig bekannt. Diese Lücke wollte die EVITA(Evaluation of Varenicline in Smoking Cessation for Patients Post-Acute Coronary Syndrome)-Studie schließen. Prof. Mark Eisenberg aus Montreal hat die Ergebnisse in einer „Late-breaking Clinical Trial“-Sitzung beim AHA-Kongress in Orlando vorgestellt.

An der randomisierten doppelblinden placebokontrollierten Multicenterstudie nahmen 302 Raucher teil, die wegen ACS hospitalisiert wurden, und im vorangegangenen Jahr mindestens 10 Zigaretten täglich geraucht hatten. Die Patienten waren im Durchschnitt 55 Jahre alt, zu zwei Dritteln Männer und hatten im Median 35 Jahre lang täglich etwa 22 Zigaretten geraucht. 56 Prozent hatten einen ST-Hebungsinfarkt, 37,8 Prozent einen Nicht-ST-Hebungsinfarkt und 6,3 Prozent eine instabile Angina pectoris.

Behandlung schon im Krankenhaus initiiert

Verglichen wurde in der EVITA-Studie Vareniclin (1 mg 2× täglich) vs. Placebo über 12 Wochen, gefolgt von weiteren 12 Wochen Follow-up ohne Medikation. Die erste Dosis Vareniclin/Placebo wurde bereits im Krankenhaus, meist an Tag 2 verabreicht. Im Follow-up wurden die Patienten in den Wochen 1, 2 und 8 nach ihrer Entlassung telefonisch betreut und in den Wochen 4, 12 und 24 von einem Arzt untersucht.

Als primärer Endpunkt war Nikotinabstinenz nach 24 Wochen definiert, die nach Auskunft der Studienteilnehmer mindestens in den letzten 7 Tagen bestanden haben musste, sowie ein Wert <10 ppm im Kohlenmonoxid(CO)-Atemtest.

Ein sekundärer Endpunkt war die kontinuierliche Abstinenz mit CO-Werten <10 ppm bei allen Follow-up-Untersuchungen. Der zweite sekundäre Endpunkt war die Reduktion des Zigarettenverbrauchs um mindestens 50 Prozent innerhalb der 24 Wochen Beobachtungszeit.

Nichtraucher-Anteil signifikant erhöht

Der primäre Endpunkt konnte erreicht werden. Zu allen Follow-up-Untersuchungszeitpunkten (Woche 4, 12 und 24) waren in der Vareniclingruppe signifikant mehr Nichtraucher als in der Placebogruppe (60 vs. 37,7, p=0,001; 57,7 vs. 36,4, p=0,001 und 47,3 vs. 33,5, p=0,002) vertreten. Das bedeutet nach 24 Wochen eine Reduktion der Raucherzahl um 14,8 Prozent im Vergleich zu Placebo. Die „number needed to treat“ (NNT) ist 6,8, von 7 ACS-Patienten schaffte es mit Vareniclin also einer, Nichtraucher zu werden.

Ähnlich sah es bei den beiden sekundären Endpunkten aus: Für eine über 50-prozentige Reduktion des täglichen Zigarettenkonsums lag die NNT nach 24 Wochen bei 8,5 und für die komplette Abstinenz betrug die NNT 10.

Bei den Sicherheitsaspekten gab es hinsichtlich schwerer unerwünschter Nebenwirkungen im Vergleich zu Placebo keine signifikanten Unterschiede (4 vs. 4,6 Prozent).

EVITA zeigt die Wirksamkeit einer noch vor der Entlassung initiierten Raucherentwöhnung bei ACS-Patienten, von denen mit Vareniclin im Vergleich zu Placebo signifikant mehr nikotinabstinent wurden. Weitere Untersuchungen sind aber erforderlich, auch um Sicherheitsaspekte zu klären, für die die Studie nicht gepowert war, so Eisenberg. 

Literatur

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