Skip to main content
main-content

17.11.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

Vorhofseptumdefekt

Nach ASD-Verschluss weniger Migräne mit Clopidogrel

Autor:
Dr. Norbert Smetak

Eine neue Studie stützt die duale Plättchenhemmung mit ASS und Clopidogrel als Option, mit der sich neu aufgetretene Migräne-Attacken nach Verschluss eines Vorhofseptumdefekts reduzieren lassen.

In dieser kanadischen Studie von Forschern um Dr. Josep Rodes-Cabau wurde die Häufigkeit des Neuauftretens von Migräne nach Verschluss eines Vorhofseptumdefekts (ASD, atrial septum defect) unter dualer Plättchenaggregationshemmung mit Clopidogrel plus ASS vs ASS allein untersucht. Hintergrund der Arbeit ist, dass es bei rund 15% der Patienten nach ASD-Verschluss zu einem Auftreten von Migräne kommt und retrospektive Daten auf eine Senkung der Häufigkeit durch die duale Plättchenaggregationshemmung (DAPT) hinweisen.


Eingeschlossen in die Studie wurden Patienten über 18 Jahre, bei denen ein ASD-Verschluss mittels Amplatzer-Device durchgeführt worden war. Die Ausschlusskriterien umfassten u.a. bereits bekannte Migräne, Notwendigkeit zur Antikoagulation sowie anderes Devices.
Die Patienten wurden randomisiert für 3 Monate in die ASS 80 mg plus Placebo oder in die Gruppe mit ASS 80mg plus Clopidogrel 75mg tgl. eingeschlossen. Ermittelt wurden im Studienzeitraum die Häufigkeit, Charakteristik und Schwere von Kopfschmerzen über einen strukturierten Fragebogen und ein Kopfschmerztagebuch. Die Befragung wurde 60 Tage vor und 30 und 90 Tagen nach ASD-Verschluss durch 2 Neurologen durchgeführt. Von insgesamt 220 eingeschlossenen Patienten konnten 84 der Verum- und 87 der Kontrollgruppe zugeordnet werden. Häufigster Drop-out-Grund waren nicht erfolgte Interventionen.
Ergebnis: Signifikant weniger Auftreten von Migräne in der Clopidogrel-Gruppe als in der ASS-Gruppe mit 8 versus 19 Migräne-Attacken, 0,4 versus 1,4 Migränetage pro Monat und in den 3 Monaten insgesamt 1.0 versus 3.8 Migränetage. Die Autoren schlossen daraus, dass die duale Therapie mit Thrombozytenaggregationshemmern aufgrund dieser Studienergebnisse Einzug in die klinische Routine finden sollte.


Interessante Ergänzungen wurden noch durch die Kommentatorin der Studie Dr. J.Dawn Abbott, Brown Medical School, eingebracht. So wies sie auf Mikrothromben, Nickelfreisetzung durch das Device und Änderungen der Hämodynamik durch den Verschluss als mögliche Ursachen der Kopfschmerzen hin. Des Weiteren hinterfragte sie, inwieweit diese Daten auch für andere Devices und auf andere Indikationen für Devices übertragbar sind und bestätigte, dass die Studie die in der Praxis schon häufiger eingesetzte duale Plättchenaggregationshemmung damit wissenschaftlich begründet hat. Insgesamt also eine eindeutige Aussage von Studie und Kommentatorin.


In unserer Kolumne „Expertenblickpunkt“ hebt ein Experte aus Klinik oder Praxis besondere Inhalte von Kongressen und aus der aktuellen kardiologischen Berichterstattung hervor. Dr. Norbert Smetak ist Bundesvorsitzender des Bundesverbandes Niedergelassener Kardiologen (BNK). Er arbeitet als niedergelassener Kardiologe in Kirchheim.

Literatur
Bildnachweise