Skip to main content
main-content

27.04.2014 | Nachrichten | Onlineartikel

Bessere Ergebnisse

Nach der Reanimation systematisch vorgehen

Autor:
Dr. med. Hubertus von Korn

Eine Wiederbelebung ist oft nur kurzfristig erfolgreich. Über 90 Prozent der Patienten sterben kurz danach. Ein systematischer Behandlungsansatz könnte bessere Ergebnisse bringen.


Empfehlungen zur Therapie reanimierter Patienten fehlen, ein systematisches Behandlungsprotokoll ist bisher nicht etabliert. In unserer Studie haben wir daher einen systematischen Behandlungsansatz überprüft. Dabei erfolgten nach der kardialen Wiederbelebung zunächst eine orientierende echokardiografische Untersuchung des Patienten und die Ableitung eines EGKs (falls nicht schon im Rettungsmittel geschehen). Unabhängig vom Ergebnis des EKGs folgte eine sofortige Herzkatheteruntersuchung mit Koronarangiografie und linksventrikulärer Angiografie (Ablauf wie bei Patienten mit einem akuten STEMI). Falls sich dabei keine Ursache finden ließ, erfolgte eine pulmonale Angiografie.

Bei unauffälligen Befunden wurde eine Computertomografie zur Untersuchung von Kopf und Thorax durchgeführt. Außerdem erfolgte eine systematische Laboranalyse und bei Patienten mit kardiogenem Schock die Anlage einer in-traaortalen Ballonpumpe (IABP) sowie eine Hypothermie. Bei weiterhin ungeklärter Ursache und gutem neurologischem Ausgang wurde ein kardiales MRT durchgeführt.

Der primäre Endpunkt war die Cerebral Performance Category Scale (CPCS).

Schnelle Identifizierung der Ursachen

212 Patienten wurden in die Untersuchung aufgenommen. Das mittlere Alter lag bei 76,7 Jahren, 71,2 Prozent waren Männer und die mittlere linksventrikuläre Auswurffraktion lag bei 42,9 Prozent. Ein effektiver und schneller Workflow war möglich, wobei die mittlere Zeit vom Erstkontakt (telefonische Alarmierung des Notarztes) bis zum Beginn der Herzkatheteruntersuchung bei 76,7 Minuten lag. In 46,7 Prozent der Fälle war primär Kammerflimmern zu erkennen.

Unter Anwendung des systematischen Behandlungsansatzes konnte bei den meisten Patienten eine kardiale Ursache gefunden werden: Eine signifikante KHK ergab sich bei 61,3 Prozent der Patienten, ein akutes Koronarsyndrom bestand bei 47,2 Prozent. Eine Intervention erfolgte bei 47,6 Prozent.

Bei 42,9 Prozent bestand eine Kardiomyopathie, wobei bei 3,3 Prozent eine Taku-Tsubo-Kardiomyopathie zu beobachten war. Bei einigen Patienten waren Mischbilder der o.g. Krankheitsbilder zu erkennen, weshalb Doppelnennungen möglich waren.

Bei einigen Patienten ergab die Untersuchung als Ursache eine massive Lungenembolie (3,8%). Ein Vitium oder ein kongenitaler Defekt waren bei 1,9 Prozent zu erkennen. Seltene Ursachen waren das Long-QT-Syndrom (1,9%) sowie ein Early-repolarization-Syndrom bei 0,9 Prozent der Patienten. Eine Aortendissektion war bei einem Patienten zu erkennen.

Extrakardiale Ursachen waren selten (5,7%). Meist handelte es sich um zerebrale Blutungen oder Thrombosen der A. basilaris. Lediglich bei 4,3 Prozent war keine Ursache zu finden, wobei bei all diesen Patienten ein schweres neurologisches Defizit bestand, insofern wurde hier der diagnostische Prozess nicht komplettiert.

Eine mobile Herz-Lungen-Maschine wurde bei einem Patienten eingesetzt (0,5%), der Patient starb vier Stunden später nach erfolgreicher PCI einer hochgradigen Stenose des linken Hauptstamms. Bei einem Patienten erfolgte eine mechanische Rekanalisation eines großen Thrombus im Stamm der Pulmonalarterie, dieser Patient überlebte ohne neurologische Defizite (0,5%). Während des Krankenhausaufenthalts wurde bei 10,9 Prozent der Patienten ein ICD oder ein permanenter Herzschrittmacher implantiert.

Ein Drittel der Patienten überlebte

Die Überlebensrate lag bei 35,9 Prozent, ein CPCS von 1 oder 2 wurde bei 30,8 Prozent erreicht. Patienten mit laufenden mechanischen Wiederbelebungsmaßnahmen, bei denen unter der Reanimation ein Herzkathetereingriff durchgeführt wurde, hatten eine hundertprozentige Mortalität. Patienten mit primärem Kammerflimmern hatten eine niedrigere Mortalität als Patienten mit anderen Rhythmen (54,6 vs. 72,6%, p<0,01).

Bei Patienten mit einer erfolgreichen PCI zeigte sich eine signifikante Differenz in Bezug auf die Mortalität (65,4 vs. 95,7%; p<0,01). Bei Patienten, bei denen eine IABP angelegt wurde, zeigte sich kein Unterschied in Bezug auf die Mortalität (70,0 vs. 63,6%; p=0,06). Interessanterweise konnte die Hypothermie die Mortalität signifikant senken (52,7 vs. 68,2%, p=0,04), zudem zeigte sich ein Trend zu einem besseren neurologischen Ergebnis (CPCS 1 oder 2 = 28,9% ohne Hypothermie vs. 40% mit Hypothermie; p=0,05).

Systematischer Ansatz lohnt sich

Ein systematisierter diagnostischer und therapeutischer Behandlungsansatz, bei dem die Patienten einer sofortigen Herzkatheteruntersuchung zugeführt werden, ist in adäquater Form durchführbar. Damit lässt sich bei den meisten Patienten sicher und schnell die Ursache identifizieren, die zumeist kardial bedingt ist. In Relation zu historischen Vergleichskollektiven konnten die Mortalität und die neurologischen Ergebnisse deutlich verbessert werden.

Hubertus von Korn präsentierte diese Daten am Samstag, den 26. April 2014, von 10.00 bis 11.30 Uhr im Posterbereich L.

Literatur
Bildnachweise