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22.01.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

Langzeit-Registerdaten

Nach Herzinfarkt: Ein Jahr stabil? Trotzdem gefährdet.

Autor:
Peter Overbeck

Das erste Jahr nach einem Myokardinfarkt gilt als das gefährlichste. Zu Recht? Landesweite schwedische Registerdaten zeigen, dass auch danach das Infarktrisiko beachtlich ist. 

Studien zum akuten Myokardinfarkt liefern meist Daten über die ersten zwölf Monate nach dem Ereignis. Entsprechend gut ist bekannt, was in dieser Zeit mit Herzinfarktpatienten passiert. Jenseits dieses Zeitfensters ist die Datenlage dagegen dünner.

Eine schwedische, retrospektive Kohortenstudie liefert jetzt recht präzise Daten über einen Zeitraum von bis zu 5,5 Jahren nach dem Myokardinfarkt. Der mittlere Follow-up-Zeitraum betrug 2,5 Jahre. Die Studie bedient sich mehrerer flächendeckender Register, darunter eines für Entlassungsdiagnosen von Krankenhäusern, ein nationales Arzneimittelregister und das schwedische Sterberegister.

Eingeschlossen in die Auswertung wurden alle 97.254 schwedischen Patienten mit Myokardinfarkt zwischen Juli 2006 und Juni 2011, die eine Woche nach dem Ereignis noch am Leben waren. 18,3% dieser Patienten erlitten innerhalb eines Jahres einen erneuten Herzinfarkt oder Schlaganfall oder starben an einem kardiovaskulären Ereignis (primärer kombinierter Endpunkt). Mehr als die Hälfte der Ereignisse waren Rezidivinfarkte.

Risiko auch auf längere Sicht überraschend hoch

Überrascht zeigen sich die Autoren um Tomas Jernberg von der Karolinska Universität in Stockholm von der Ereignisrate bei jenen Patienten, die nach dem Infarkt ein Jahr lang stabil waren. Deren Gefährdung war nämlich immer noch erheblich: Wer ein Jahr nach dem Infarkt stabil war, dessen Risiko für erneute Infarkte, Schlaganfälle oder Todesereignisse betrug im „Jahr 2“ nach Infarkt 9% und bis zum Ende von „Jahr 4“ nach Infarkt immerhin 20,0%, davon 40,8% Rezidivinfarkte.

Erwartungsgemäß waren die Ereignisraten abhängig vom kardiovaskulären Risiko, auch wenn über einige wesentliche Risikofaktoren, darunter Rauchstatus und Blutdruck, keine auswertbaren Daten vorlagen. Die Analyse zeigt aber zumindest, dass die Ereignisrate signifikant mit dem Alter korreliert und eine als Hochrisikokollektiv definierte Gruppe von Patienten mit Diabetes, PAVK, chronischer Niereninsuffizienz oder vorausgegangenem Infarkt bzw. Schlaganfall erheblich gefährdeter ist.

Was sind die Konsequenzen?

Zu den möglichen Konsequenzen ihrer Daten äußern sich die schwedischen Wissenschaftler nur knapp. Sie weisen darauf hin, dass langfristige Betreuungsprogramme für Infarktpatienten hilfreich sein könnten, um Risikofaktoren dauerhaft optimal zu kontrollieren.

Allerdings waren die Patienten der Studie im Langzeitverlauf nicht schlecht behandelt. Vier von fünf nahmen über das erste Postinfarktjahr hinaus Betablocker ein, zwei von dreien ACE-Hemmer oder AT-1-Antagonisten und über 80% ASS. Dazu kamen 25%, die dauerhaft Clopidogrel einnahmen. Damit hatte ein (kleiner) Anteil der Patienten sogar eine duale Plättchenhemmung in der Dauertherapie. 

Literatur