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27.02.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

Gefährliche Kombination

Nach Herzinfarkt: NSAR erhöhen Blutungs- und Thromboserisiko

Autor:
Veronika Schlimpert

NSAR bergen für Infarktpatienten ein erhöhtes Risiko. Denn in Kombination mit der antithrombotischen Therapie führten sie in einer dänischen Registerstudie vermehrt zu Blutungen und thrombotischen Ereignissen.

Aktuelle Leitlinien raten generell vom Einsatz nicht-steroidaler Entzündungshemmer (NSAR) bei kardialen Patienten ab. Gestützt wird diese Empfehlung durch eine aktuelle Studie aus Dänemark. Denn hier nahmen Blutungskomplikationen und thromboembolische Ereignisse zu, wenn Infarktpatienten neben der antithrombotischen Therapie ein NSAR eingenommen hatten.

Die Wissenschaftler um Dr. Anne-Marie Schjerning Olsen von der Universität in Hellerup (Dänemark) beobachteten 61.971 Patienten, die einen ersten Infarkt überlebt hatten, im Mittel 3,5 Jahre lang ab dem Zeitpunkt 30 Tage nach Klinikentlassung. Danach evaluierten sie die Blutungsraten und die Inzidenz kardiovaskulärer Ereignisse, die bei den Patienten unter den verschiedenen Kombinationen von Antithrombotika und NSAR aufgetreten waren.

Welche Kombinationen sind bedenklich?

Jeder dritte Studienteilnehmer (33,8%) hatte gleichzeitig zur antithrombotischen Therapie ein NSAR verschrieben bekommen. Bei Einnahme dieser Medikamente – egal, ob es sich um einen selektiven oder nicht selektiven COX-2-Hemmer handelte – verdoppelte sich das Blutungsrisiko gegenüber Patienten, die kein zusätzliches NSAR eingenommen hatten (Hazard Ratio, HR: 2,02).

Selbst bei nur kurzer Verwendung traten vermehrt Blutungskomplikationen mit Klinikeinweisung auf, in den ersten drei Tagen war die Blutungsgefahr sogar verdreifacht (HR: 3,37). Als besonders nachteilig kristallisierten sich die Kombinationen von NSAR mit ASS plus Clopidogrel sowie mit oralem Antikoagulans plus Thrombozytenhemmer heraus (HR: 2,4 und 2,66).

Auch im sekundären Endpunkt, bestehend aus kardiovaskulärem Tod, erneutem nicht tödlichem Herzinfarkt, ischämischem Schlaganfall, TIA oder arterieller Embolie, spiegelte sich ein negativer Einfluss der NSAR-Gabe wider. Die Inzidenz dieser thromboembolischen Komplikationen erhöhte sich um 40 % (HR: 1,40).

Blutungsgefahr in den ersten Tagen besonders hoch

Damit sei eine NSAR-Gabe für Herzinfarktpatienten, die antithrombotisch behandelt würden, mit einem erhöhten Risiko für Blutungskomplikationen und thromboembolische Ereignisse assoziiert, schreiben die Studienautoren –und zwar für jegliches antithrombotisches Regime und jegliche NSAR-Wirkstoffklasse und selbst bei nur kurzzeitiger Anwendung.

Nach Ansicht von Schjerning Olsen und Kollegen ist das ein besorgniserregender Befund, da NSAR, etwa Ibuprofen, in vielen Länder rezeptfrei erhältlich sind. Natürlich sei es unrealistisch, dass Ärzte die Verschreibung solcher Schmerzmittel völlig vermeiden könnten, selbst bei Hochrisikopatienten nicht, räumen die Wissenschaftler ein. Auch müssten diese Ergebnisse erst durch weitere Studien bestätigt werden, u. a. der Befund, dass unter den neuen oralen Antikoagulanzien vermehrt gastrointestinale Blutungen beobachtet wurden.

Diese Daten würden allerdings verdeutlichen, wie wichtig es sei, das Gleichgewicht zwischen Nutzen und Risiken einer NSAR-Behandlung im Blick zu behalten, ehe man eine solche einleite, betonen Schjerning Olsen und Kollegen.

Literatur