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18.02.2016 | Nachrichten | Onlineartikel

Intensives Monitoring

Nach Schlaganfall: Auch wer holtert, findet öfter Vorhofflimmern

Autor:
Philipp Grätzel

Wer nach einem Schlaganfall möglichst sicher Vorhofflimmern entdecken will, benutzt ein diagnostisches Implantat. Es geht aber auch anders: Die deutsche FIND-AF-Studie zeigt, dass die Detektionsquote bei sehr intensivem Holter-Monitoring ebenfalls deutlich steigt.

Es gilt mittlerweile als belegt, dass bei Patienten mit einem „kryptogenen“, das heißt mit Standarddiagnostik inklusive 24-Stunden-EKGs nicht eindeutig zuzuordnendem Schlaganfall, häufig ein Vorhofflimmern als mögliche Ursache des Schlaganfalls detektiert werden kann, wenn nur intensiv genug danach gesucht wird.

Die beiden im Jahr 2014 publizierten Studien EMBRACE und CRYSTAL-AF haben dazu kardiale Implantate („Herzmonitor“, „Loop-Recorder“) benutzt. Innerhalb von sechs Monaten ließ sich damit bei 10 bis 20 % der Patienten mit kryptogenem Schlaganfall Vorhofflimmern detektieren, rund fünfmal so viel wie ohne Nutzung des Implantats. Die genaue Quote hängt von der geforderten Mindestlänge der Flimmerepisoden ab.

Es geht auch anders

Nun ist ein Loop-Rekorder zwar nicht groß, aber es handelt sich doch um einen operativen Eingriff. Genaugenommen sind es sogar zwei, weil das Gerät ja auch wieder entfernt werden muss. Geht es auch anders? Die jetzt bei der internationalen Schlaganfallkonferenz in Los Angeles vorgestellte FIND-AF-Studie zeigt, dass auch ein sehr intensives Holter-Monitoring zu Detektionsraten führt, die denen der Implantate ähneln. Dafür muss allerdings schon Aufwand betrieben werden.

In der FIND-AF-Studie, die von Studienleiter Prof. Rolf Wachter, Universitätsmedizin Göttingen, vorgestellt wurde, wurden 398 Patienten mit Schlaganfall unklarer Genese entweder konventionell abgeklärt (inklusive eines 24-Stunden-EKGs bei 75 % der Patienten) oder für jeweils dreimal zehn Tage mit einem Langzeit-EKG ausgestattet, und zwar unmittelbar nach dem Ereignis sowie nach drei und sechs Monaten. Zum Einsatz kam ein CardioMem 3000-Gerät des Herstellers getemed, der aber nicht Studiensponsor war. Die Finanzierung der Studie erfolgte über Fördermittel von Böhringer Ingelheim.

Detektionsrate deutlich erhöht

Das Ergebnis ist relativ deutlich und bewegt sich in der Größenordnung, über die auch in den Implantatstudien berichtet wurde: Innerhalb von sechs Monaten wurden bei 13,5 % der intensiv überwachten Patienten Vorhofflimmerepisoden detektiert, gegenüber 4,5 % in der Kontrollgruppe (p = 0,002). Nach zwölf Monaten hatten 13,5 % der Patienten in der anfangs intensiv überwachten Gruppe, aber nur 6,1 % der Patienten in der Kontrollgruppe ein Vorhofflimmern in der Diagnoseliste. Daraus errechneten die Wissenschaftler um Wachter eine auf ein Jahr standardisierte Number-Needed-to-Screen von 13 für Intensivüberwachung im Vergleich zu Standardvorgehen.

Seltener Rezidivereignisse

Eine signifikante Verringerung von Rezidivereignissen war bei einer Studie dieser Größe und Länge nicht zu erwarten. Zumindest numerisch war der Anteil an Rezidivschlaganfällen in der Interventionsgruppe mit 2,5 % aber geringer als in der Kontrollgruppe, wo die Quote bei 4,5 % lag. Dies ging einher mit einer signifikant höheren Rate an Patienten mit Antikoagulation: 12 Monate nach dem Schlaganfall waren 15,1 % der intensiv überwachten Patienten antikoaguliert, aber nur 6,0 % der konventionell überwachten.

Eine interessante Frage ist, wie viele Patienten es gab, die die intensive Überwachung nicht mitmachten. 17 der 200 Patienten im Interventionsarm zogen ihr Einverständnis zur Studienteilnahme im Laufe der ersten sechs Monate zurück. Im Kontrollarm waren es 12 von 198. 

Literatur

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