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08.09.2014 | Nachrichten | Onlineartikel

Sekundärprävention

Neue Polypille bessert Compliance bei Infarktpatienten

Autor:
Dr. Ulrike Fortmüller

Können Patienten nach einem Myokardinfarkt mit Hilfe einer neuartigen Kombinationspille, welche die Therapietreue erhöht, künftig noch besser vor einem Zweitinfarkt geschützt werden? Ergebnisse der FOCUS-Studie*, die beim ESC-Kongress in Barcelona vorgestellt wurden, lassen dies hoffen.


Dass gerade ältere und multimorbide Patienten mit einer hohen tägIichen Tablettenlast von Kombinationspräparaten hinsichtlich Compliance profitieren, ist nichts Neues.

Doch nicht alles lässt sich einfach in eine sowohl wirksame als auch verträgliche Pille packen. Erstmals ist es aber nun gelungen, ASS, Simvastatin und Ramipril in einer neuen Polypille zu kombinieren, deren Nutzen in der FOCUS-Studie (FOCUS 1 und FOCUS 2: Fixed dOse Combination drUg for Secondary cardiovascular prevention) untersucht wurde.

Optimierung der Sekundärprävention

Studienleiter Dr. Valentin Fuster, New York, USA, betonte, dass kardiovaskuläre Erkrankungen nach wie vor weltweit die Todesursache Nummer 1 sind und der Rückgang der kardiovaskulären Morbidität in den westlichen Ländern in den letzten 20 Jahren zum großen Teil guten Medikamenten zur Sekundärprophylaxe zu verdanken sei. Mangelnde Therapietreue schmälere jedoch den Erfolg der Sekundärprävention.

Eine geeignete Polypille könnte die Therapie vereinfachen, die Kosteneffektivität erhöhen, die Verschreibungspraxis erleichtern und als kostengünstige Therapie auch in Entwicklungsländern eingesetzt werden, so Fuster.

Die vergleichende Beobachtungsstudie FOCUS 1 untersuchte zunächst an 2118 über 40-jährigen Patienten aus fünf Ländern (Spanien, Italien, Argentinien, Brasilien und Paraguay), die in den letzten zwei Jahren einen Myokardinfarkt erlitten hatten, Sozioökonomie, Komorbiditäten und andere Ursachen, die die Therapietreue beeinflussen können.

Was beeinträchtigt die Therapieadhärenz?

Auf der Basis des Morisky-Green-Adherence-Questionnaire ergab sich eine durchschnittliche Therapieadhärenz von 45,5 Prozent. Faktoren, die eine niedrige Compliance förderten, waren außer einem Alter unter 50 Jahren schlechte soziale Unterstützung im Umfeld, komplizierte Therapieregime, eine tägliche Tablettenlast größer 10, Rauchen, Depressionen (nach PHQ-9-Questinnaire), mangelnder Krankenversicherungsschutz sowie Behandlung durch Niedergelassene oder in privaten Gesundheitszentren (vs. Kardiologen/öffentliche Einrichtungen).

In der prospektiven, randomisierten kontrollierten Studie (FOKUS 2) mit 695 Patienten aus dem Kollektiv von Fokus 1, wurden dann über einen Follow-up-Zeitraum von 9 Monaten zwei Therapieregime zur Sekundärprophylaxe hinsichtlich Therapietreue miteinander verglichen: ASS (10 mg), Simvastatin (40 mg) und Ramipril (2,5 oder 5 oder 10 mg) als CINC-FS (3)-FERRER Polypille, also alle drei Wirkstoffe kombiniert in einer Tablette versus Einzelgabe aller Wirkstoffe in drei verschiedenen Pillen.

Das Monitoring erfolgte indirekt über self-reported adherence (Morisky-Green-Questionnaire) und direkt über den Tablettenverbrauch.

Therapietreue signifikant verbessert

Die Ergebnisse sind vielversprechend. Die indirekte Erfassung über den Fragebogen ergab 68 Prozent Compliance für die Polypille vs. 59 Prozent für die drei Einzelkomponenten (p = 0,049); bei der direkten Tablettenverbrauchsmessung blieben 92 Prozent der Polypille therapietreu vs. 84 Prozent den drei Vergleichstabletten (p = 0,002).

Im Vergleich zur Einzelgabe der Medikamente war die Therapietreue bei der Polypille also signifikant besser. Die Resultate zeigen, dass die Polypille das Potenzial hat, mehr Infarktpatienten vor einem Zweitinfarkt zu schützen. FOCUS 2 wird fortgesetzt und will weitere Parameter untersuchen, wie Blutdruck, Cholesterinwerte, Sicherheit und Kosten.

Nun brauche man eine größere randomisierte Studie, die prüft, ob die bessere Compliance der Studienteilnehmer tatsächlich in eine stärkere Reduktion der Ereignisraten bei Postinfarktpatienten mündet, resümierte Fuster.

Literatur

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