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30.08.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

Neuer „High-Speed“ Algorithmus zur Infarktdiagnostik

Autor:
PD Dr. Stefan Perings

Die rasche und vor allem sichere Diagnosestellung eines akuten Myokardinfarktes ist für die Prognose des Patienten von entscheidender Bedeutung. Schon lange bekannt ist, dass jede Verzögerung bei der Wiedereröffnung einer Infarktarterie den weiteren Verlauf erheblich negativ beeinflusst.

Auf der anderen Seite bedingen Patienten mit unklaren thorakalen Beschwerden einen Großteil aller Notaufnahmepatienten und bedeuten somit eine erhebliche Arbeitsbelastung. Bei vielen dieser Patienten liegen nicht-kardiale Ursachen der Beschwerden vor. Dementsprechend ist es sowohl für den Patienten, als auch die Entlastung der Notfallmedizin von entscheidender Bedeutung, eine schnelle und sichere Diagnostik des akuten Myokardinfarktes zu erzielen.

Vor diesem Hintergrund und im Lichte der aktuell auf dem ESC Kongress vorgestellten neuen ESC Leitlinien, hat eine Hamburger Arbeitsgruppe um D. Westermann die Sicherheit und Effektivität eines neuen 1- Stunden Algorithmus unter Einsatz von Hochsensitivem Troponin I untersucht. Das Ziel der Studie war den Einsatz eines hochsensitiven Troponin I zum Ausschluss/Nachweis einer myokardialen Ischämie im 1-Stunden vs 3-Stunden Vergleich zu untersuchen und zudem einen sensitiveren cut-off Wert als die 99 Perzentile zu finden.

Hierfür wurden 1.045 Patienten mit akutem Brustschmerz und dem Verdacht auf einen akuten Myokardinfarkt untersucht. Bei allen Patienten wurde initial bei Aufnahme neben der routinemäßigen klinischen Untersuchung, EKG und Bildgebung, das hoch-sensitive Troponin T und zusätzlich das hochsensitive Troponin I bestimmt. Die Standard Laborkontrolle erfolgte dann bei unauffälligem Ergebnis 3 Stunden nach Aufnahme. Das Troponin I wurde jedoch zusätzlich auch 1 Stunde nach Aufnahme bestimmt.

Die Autoren konnten als optimalen Cut-off für das hs-Troponin I 6 ng/L identifizieren. Mit diesem Cut-off Punkt wurde 1 Stunde nach Aufnahme einen Sensitivität von 99% zum Ausschluss eines NSTEMI erreicht. Die Troponinabnahme nach 3 Stunden brachte keinen wesentlichen Vorteil mehr. Der niedrigere Cut-off Punkt von 6ng/L im Vergleich zu 27ng/L (99 Perzentile) brachte eine diskrete aber signifikante Steigerung der Sensitivität. In dem 6 Monats Follow up konnten die Autoren dementsprechend eine niedrigere Mortalität in der 6ng/L Cut-off Gruppe (3 Tote; 0,79%) als in der 27ng/L Gruppe (12 Tote; 1,73%) nachweisen.

In Summe schlussfolgern die Autoren, dass ein 1-Stunden Algorithmus mittels hochsensitiven Troponin I sicher ist, um einen akuten Myokardinfarkt auszuschließen oder nachzuweisen. 

In unserer Kolumne „Expertenblickpunkt“ hebt ein Experte aus Klinik oder Praxis besondere Inhalte von Kongressen und aus der aktuellen kardiologischen Berichterstattung hervor.
Dr. Stefan Perings, ist geschäftsführender Mitherausgeber von „kardiologie.org". Er arbeitet als niedergelassener Kardiologe und Partner im CardioCentrum Düsseldorf sowie in der Klinik für Kardiologie, Pneumologie und Angiologie des Universitätsklinikums Düsseldorf. Seit 2012 ist er stellvertretender Bundesvorsitzender des Bundesverbandes Niedergelassener Kardiologen (BNK)und Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie.

Literatur
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