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28.04.2014 | Onlineartikel

Linksventrikulärer globaler Funktionsindex

Neuer Marker für die Prognose nach STEMI

Autor:
PD Dr. med. Ingo Eitel

Der linksventrikuläre globale Funktionsindex erlaubt erstmals genauere Aussagen über die Prognose von STEMI-Patienten.

Die Bestimmung der linksventrikulären Ejektionsfraktion (LVEF) als Marker für die Myokardfunktion besitzt eine große klinische und prognostische Relevanz. Ein Problem der Bestimmung der LVEF ist allerdings, dass diese nicht auf die Herzgröße und myokardiale Masse adjustiert ist und somit ein strukturelles Remodelling des Myokards nicht berücksichtigt. Zudem gibt die LVEF als Marker der systolischen linksventrikulären Funktion keine Informationen über die diastolische Herzfunktion.

Der kürzlich eingeführte linksventrikuläre globale Funktionsindex (LVGFI) beinhaltet eine Kombination aus Myokardmasse, Myokardvolumen und Schlagvolumen in einem Parameter und integriert somit alle prognostisch relevanten Dimensionen des LV. Dieser neue globale myokardiale Funktionsmarker konnte in einer großen internationalen Studie mit 5004 gesunden Patienten nach einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 7,2 Jahren hochsignifikant kardiale Ereignisse vorhersagen. Dabei war der LVGFI nicht nur ein unabhängiger Prädiktor der Prognose, sondern hatte auch eine inkrementelle prognostische Aussagekraft zusätzlich zur LVEF.

Studie zur prognostischen Relevanz des LVGFI

Hinsichtlich der prognostischen Relevanz des LVGFI bei Patienten mit akutem ST-Hebungsinfarkt (STEMI) gab es bisher noch keine Daten. Ziel der vorliegenden Studie war daher, die Korrelation des LVGFI mit etablierten Markern des Myokard- und Reperfusionsschadens (LVEF, Infarktgröße, mikrovaskuläre Obstruktion) zu untersuchen und die prognostische Wertigkeit bei akut reperfundierten Patienten mit STEMI zu evaluieren.

In diese multizentrische MRT-Studie wurden 795 STEMI-Patienten mit Symptombeginn vor weniger als zwölf Stunden, die mit einer perkutanen Koronarangioplastie (PTCA) therapiert wurden, aufgenommen. Innerhalb einer Woche nach dem Myokardinfarkt wurde ein kardiales MRT mit einem Infarktstandardprotokoll durchgeführt. Die Bestimmung des LVGFI erfolgte gemäß einer etablierten Formel (siehe Abbildung):

  • LVGFI = (LV-Schlagvolumen/ LV-Globalvolumen) x 100
  • LV-Globalvolumen = (LVEDV + LVESV/2) + LV-Myokardvolumen
  • LV-Myokardvolumen = LV-Masse/spezifische Dichte des Myokards (1,05 g/ml).

Zudem wurden die LVEF, die Infarktgröße, das Ausmaß des geretteten Myokards und die mikrovaskuläre Obstruktion mit Standardmethoden semiquantitativ ausgewertet. Das klinische Follow-up erfolgte nach einem Jahr. Der primäre klinische Endpunkt der Studie war eine Kombination aus Tod, Reinfarkt und Rehospitalisierung aufgrund einer Herzinsuffizienz innerhalb von zwölf Monaten nach dem Myokardinfarkt.

LVGFI korreliert mit dem Ausmaß des Myokardschadens

Der Median der LVGFI betrug 31,2 Prozent (25,7–36,6). Patienten mit einem LVGFI < Median waren signifikant häufiger Männer, hatten signifikant häufiger einen Vorderwandinfarkt, eine längere Ischämiezeit, häufiger Zeichen einer Herzinsuffizienz und einen schlechteren TIMI-Fluss im Infarktgefäß vor der PTCA. Patienten mit einem LVGFI < Median zeigten eine signifikant höhere Infarktgröße, eine größere mikrovaskuläre Obstruktion und ein signifikant reduziertes gerettetes Myokard.

Als unabhängige, signifikante Prädiktoren des LVGFI konnten in einer multivariaten Regressionsanalyse das Geschlecht, die Killip-Klasse bei der Aufnahme, die Ischämiezeit bis zur PTCA, die Infarktgröße und das Vorhandensein eines Vorderwandinfarkts identifiziert werden.

In der Cox-Regression war ein LVGFI < Median ein unabhängiger prognostischer Marker des kombinierten klinischen Endpunkts. In einer c-Statistik zeigte sich hinsichtlich der Mortalität ein inkrementeller prognostischer Wert des LVGFI zusätzlich zur LVEF (Verbesserung der c-Statistik von 0,65 auf 0,73; p=0,05). Hinsichtlich des kombinierten Endpunkts zeigte die LVGFI im Vergleich zur LVEF eine numerisch bessere Vorhersage der Prognose, die jedoch nicht signifikant war (p=0,25).

Brauchbare Vorhersage kardialer Ereignisse

Die Ergebnisse der multizentrischen Studie zeigen erstmals, dass der LVGFI als neuer Marker der globalen Leistungsfähigkeit des Herzens bei STEMI-Patienten mit dem Ausmaß des Myokardschadens gemessen mithilfe der kardialen MRT korreliert. Zudem war der LVGFI ein unabhängiger prognostischer Prädiktor für klinische Ereignisse nach einem STEMI.

Hinsichtlich der Mortalität konnte ein inkrementeller pro-gnostischer Wert zusätzlich zur LVEF detektiert werden. Der LVGFI könnte somit ein neuer wertvoller Endpunkt für klinische Studien und die Prognose sein.

Ingo Eitel präsentierte diese Daten am Donnerstag, den 24. April 2014, von 9.30 bis 11.00 Uhr im Posterbereich C.

Literatur