Onlineartikel 02.09.2015

Neuer Mineralkortikoid-Rezeptor-Antagonist qualifiziert sich für Phase-III-Studien

Mit Finerenone startet ein neuartiger Mineralkortikoid-Rezeptorantagonist ein großes Phase-III-Studienprogramm bei chronischer Herzinsuffizienz und diabetischer Nephropathie. Den Ausschlag dafür gaben u.a. die beim ESC-Kongress 2015 erstmals vorgestellten Ergebnisse der ARTS-HF-Studie.

Bei Finerenone handelt es sich um einen nicht steroidalen Mineralkortikoid-Rezeptor-Antagonisten (MRA), der im Vergleich zu Spironolacton spezifischer an den Rezeptor andockt und im Vergleich zu Eplerenon eine höhere Rezeptoraffinität aufweist. Sowohl Spironolacton als auch Eplerenon reduzieren die Morbidität und die Mortalität bei chronischer Herzinsuffizienz (Studien RALES und EMPHASIS HF). Der Einsatz wird in Leitlinien empfohlen, erfolgt jedoch häufig noch zu zögerlich, weil Ärzte die Nebenwirkung Hyperkaliämie fürchten.

Phase-IIb-Studie mit 1.055 Patienten vergleicht Finerenone und Eplerenon

In der Studie ARTS-HF (Mineralcorticoid Receptor Antagonist Study in Heart Failure) war Finerenone bei 1.055 Risikopatienten mit Diabetes und/oder chronischer Nierenerkrankung, die wegen einer sich verschlechternder Herzschwäche in einer Notambulanz behandelt wurden, mit Eplerenon verglichen worden. Die Behandlung begann innerhalb von sieben Tagen in sechs Gruppen, wobei fünf Finerenone-Dosierungen getestet wurden.

Kein Unterschied beim primären Endpunkt

Finerenone wurde zunächst mit 1× 2,5 mg/d, 5 mg/d, 7,5 mg/d, 10 mg/d oder 15 mg/d dosiert. Nach 30 Tagen wurde die Dosis verdoppelt (Ausnahme: Von 15 mg/d wurde auf 20 mg/d angehoben), sofern der Kaliumwert unter 5 mmol/l lag. Die Eplerenon-Therapie wurde mit 25 mg an jedem zweiten Tag begonnen und bei Normokaliämie nach 30 Tagen sowie nach 60 Tagen in der Dosis verdoppelt.

Primärer Studienendpunkt war der Anteil der Patienten, die nach 90 Tagen einen NT-proBNP-Abfall über 30% zeigten. In dieser Hinsicht zeigten Eplerenon und Finerenone (in den drei höheren Dosierungen) eine gleich gute Wirkung, bei jeweils knapp 40% der Patienten fiel der Biomarker entsprechend ab, berichtete Studienautor Prof. Gerasimos Filippatos vom Universitätskrankenhaus Attikon in Athen.

Vorteile bei klinischen Komplikationen

Als sekundärer Endpunkt war die Kombination aus Tod, Krankenhausaufnahme oder Notfallbehandlung wegen Herzinsuffizienz definiert. Hier sah Finerenone in der Dosis von 10/20 mg/d gut aus, das Komplikationsrisiko lag um 44% signifikant niedriger als unter Eplerenon. Dr. Scott Solomon vom Brigham und Women’s Hospital in Boston und bestellter Diskutant der Studie mahnte jedoch zur Vorsicht: Die Studie sei deutlich zu klein und zu kurz, um Unterschiede bei klinischen Endpunkten aufzuzeigen!

Hyperkaliämien über 5,6 mmol/l wurden bei 4,7% der Patienten unter Eplerenon sowie bei 4,3% der Patienten unter allen Dosierungen von Finerenone gemessen. In den drei Gruppen mit niedriger Dosierung trat die Nebenwirkung seltener auf als unter Eplerenon.

Drei Phase-III-Studie mit knapp 15.000 Patienten

Finerenone-Hersteller Bayer wird das Medikament nun in der Phase-III-Studie FINESSE-HF bei 3.600 Patienten weiter testen.

Bei diabetischer Nephropathie war Finerenone in der Phase-IIb-Studie ARTS-DN bei 823 Patienten zusätzlich zu einem RAS-Hemmer getestet worden und hatte im Verlauf der 90-tägigen Therapie für einen signifikanten Rückgang der Proteinurie im Vergleich zu einer alleinigen RAS-Blocker-Behandlung gesorgt. Mit FIGARO-DKD und FIDELIO-DKD wurden nun zwei große Phase-III-Studien mit zusammen 11.200 Patienten in dieser Indikation aufgelegt, die Wirksamkeit und Sicherheit der neuen Substanz bei nierenkranken Diabetikern mit Mikroalbuminurie bzw. Makroalbuminurie untersuchen werden. 

Literatur

Hotline III, Kongress der European Society of Cardiology, London 29.08.–02.09.2015