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01.06.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

Expertenblickpunkt Heart Failure 2015

Ein neues Verfahren zur Transkatheter-Therapie bei Mitralinsuffizienz

Autor:
Dr. Henner Jost Wirtz

Prof. Karl-Heinz Kuck berichtete beim Kongress „Heart Failure 2015“ in Sevilla über Ergebnisse der „First in man“ Studie an sechs Studienzentren zur perkutanen Transkatheter-Anuloplastie bei Mitralinsuffizienz.

Patienten, die an einer fortgeschrittenen Mitralinsuffizienz leiden, haben eine besonders schlechte Prognose. 20 % versterben im ersten Jahr, 50 % innerhalb von 5 Jahren, so Prof. Kuck bei der Darstellung der Therapieoptionen. Dennoch erhalten nur weniger als 20% der Patienten eine chirurgische Behandlung, wobei Therapiestandard die Mitralklappenrekonstruktion zusammen mit der Implantation eines Mitralringes ist. In den Leitlinien findet sich dies zusammen mit einer Bypassindikation als Klasse 1a Indikation. Das Cardioband-Anuloplastiesystem ermöglicht die Ringimplantation durch interventionelle Technik über die Leistenvene.

Bei allen 40 Patienten, (30 Männer, 10 Frauen, Alter im Schnitt 72 Jahre., 93% NYHA III-IV, LVEDD m 60.4 mm, EF m 33.3%) mit dem Haupteinschlusskriterium symptomatische Mitralinsuffizienz >Grad II war die Prozedur erfolgreich. Gleichzeitig musste eine optimierte Herzinsuffizienz-Therapie einschließlich CRT vorliegen. Ausschlusskriterien waren verkalkter Mitralanulus u/o Klappenanteile, Indikation zu Bypassoperation , LV Dimensionen >70 mm, ein kardiovaskuläres Ereignis oder TIA innerhalb der letzten 6 Monate, PAH > 70 mmHg und Dialyse.


Primäre Endpunkte waren 1. Die Kombination aus Tod, Herzinfarkt, Tamponade, Not-OP und Schlaganfall, sowie 2. SAE in der Vorbereitungsphase und bis zu 30 Tagen nach dem Eingriff. Besonders wurde die Reduktion der Regurgitation unmittelbar nach der Prozedur, nach 30 Tagen und einem Jahr mittels Ultraschall dokumentiert.


93% der Patienten hatten noch nach einem Jahr ein Interventionsergebnis mit Regurgitation kleiner Grad II. Die LV-Dimensionen wurden im Mittel um 20% reduziert (p< 0.01). Klinisch ergab sich eine signifikante Verbesserung des 6 –Minuten-Gehtests nach sechs Monaten einhergehend mit einer Verbesserung der NYHA Klassifikation und einer Verbesserung der Selbstbewertung anhand des Minnesota Living with Heart Failure Fragebogens. Ein Patient verstarb an einem hämorrhagischen Insult, ein weiterer im Rahmen einer während des Follow-up notwendig gewordenen Mitralklappenoperation.


Prof. Kuck bewertet das Sicherheitsprofil der interventionellen Transkatheter-Anuloplastie als vergleichbar mit anderen, ähnlich aufwändigen katheterbasierten Prozeduren. Für die Wirksamkeit spricht besonders auch der Rückgang der linksventrikulären Dimensionen nach erfolgreicher Reduktion der Mitralinsuffizienz.


In unserer Kolumne „Expertenblickpunkt“ hebt ein Experte aus Klinik oder Praxis besondere Inhalte von Kongressen und aus der aktuellen kardiologischen Berichterstattung hervor. Dr. Henner Jost Wirtz arbeitet als niedergelassener Kardiologe in der Kardiologischen Gemeinschaftspraxis Dinslaken.

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