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07.04.2017 | Neurologie | Nachrichten

Bessere körperliche Verfassung

Akuter Schlaganfall: Katheterbasierte Thrombektomie überzeugt auch langfristig

Autor:
Veronika Schlimpert

Die MR CLEAN-Studie brachte den Durchbruch für die katheterbasierte Thrombektomie in der Therapie des akuten ischämischen Schlaganfalls. Nun zeigen Langzeitdaten der Studie, dass die damit behandelten Patienten auch langfristig profitieren.  

Die endovaskuläre Therapie ist mittlerweile Therapiestandard bei Patienten mit akutem ischämischen Schlaganfall und Verschluss einer proximalen Hirnarterie. Eingeleitet hat diesen Wandel die 2014 veröffentliche MR CLEAN-Studie. Denn hier konnte erstmals belegt werden, dass die körperliche Verfassung von Patienten nach einer zusätzlichen mechanischen Thrombektomie nach 90 Tagen deutlich besser ist, als wenn nur eine intravenöse Thrombolyse vorgenommen wird.  

Trend zu geringerer Sterblichkeit nach zwei Jahren

Und dieser Vorteil bleibt den Patienten offensichtlich auch auf lange Sicht erhalten, wie die aktuell publizierten Langzeitdaten der MR CLEAN-Studie belegen. Nach der nun zweijährigen Nachbeobachtungszeit zeigte sich sogar ein Trend zu einer niedrigeren Sterblichkeit bei den endovaskulär behandelten Patienten (26,0 vs. 31,0%), wobei dieser Unterschied nicht signifikant war (adjustierte Hazard Ratio: 0,9). In der Originalauswertung war nach 90 Tagen bzgl. des Sterberisikos noch kein Unterschied zu erkennen.

391 (78,2%) der ursprünglich randomisierten Patienten konnten über zwei Jahre lang nachverfolgt werden. Nach dieser Zeit wiesen die mit der mechanischen Thrombektomie behandelten Patienten immer noch einen nach der modifizierten Rankin-Scale (mRS) signifikant geringeren Grad der Behinderung auf, als jene, die nach dem damals üblichen Standard behandelt wurden, also nur eine Lysetherapie erhielten (Odds Ratio: 1,68). Deutlich mehr der endovaskulär behandelten Patienten konnten ihren Alltag noch selbstständig bewältigen (37,1% vs. 23,9%).

Ergebnisse so gut wie nach 90 Tagen

Der Anteil derjeniger Patienten mit einer guten körperlichen Verfassung sei damit nach zwei Jahren genauso hoch wie nach 90 Tagen (32,6%), berichten die Studienautoren um Lucie van den Berg aus Amsterdam.

Auch wiesen die endovaskulär behandelten Patienten nach dieser Zeit eine höhere Lebensqualität auf, bewertet nach dem European Quality of Life-5-Dimension-Fragebogen (EQ-5D-3L: 0,48 vs. 0,38).

Allerdings weisen die Autoren einschränkend darauf hin, dass die Studie statistisch nicht darauf ausgelegt war, auch nach zwei Jahren einen Vorteil der katheterbasierten Thrombektomie zu belegen. Zur Erinnerung: In MR CLEAN wurden ursprünglich 500 Patienten mit einer proximal verschlossenen Hirnarterie eingeschlossen, die fast alle, wenn indiziert, eine Lyse mit einem rekombinanten Plasminogenaktivator erhielten. Bei der Hälfte wurde innerhalb von sechs Stunden nach Symptombeginn zusätzlich eine mechanische Thrombektomie mit einem Stent-Retriever vorgenommen.

Die Patienten, von denen nach zwei Jahren keine Follow-up-Daten vorlagen, waren nach 90 Tagen in einer schlechteren körperlichen Verfassung und hätten häufiger der Kontrollgruppe angehört, berichten die Autoren. Sprich, das bessere Abschneiden der mechanischen Thrombektomie könnte teilweise durch diese Vorselektion bedingt sein. Allerdings habe eine Sensitivitätsanalyse, in der die fehlenden Daten statistisch mit einberechnet wurden, ein ähnliches Ergebnis geliefert wie die eigentliche Analyse.

Literatur