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27.02.2017 | Neurologie | Nachrichten

Möglicher Zusammenhang?

Psychisch Kranken droht eher ein Schlaganfall

Autor:
Veronika Schlimpert

Psychisch erkrankte Patienten könnten einem erhöhten Schlaganfallrisiko ausgesetzt sein. Darauf zumindest deuten aktuelle Daten hin, die auf der International Stroke Conference vorgestellt wurden. Über den Mechanismus dahinter lässt sich allerdings nur spekulieren.

Patienten mit Depressionen, Angstzuständen, posttraumatischen Belastungsstörungen oder anderen psychischen Erkrankungen haben womöglich ein erhöhtes Schlaganfallrisiko. Darauf deutet eine retrospektive Analyse einer kalifornischen Datenbank des Healthcare Cost and Utilization Projects mit 52.068 Schlaganfallpatienten hin.

Am höchsten scheint das Risiko demnach innerhalb der ersten 15 Tage zu sein, nachdem ein Patient aufgrund einer psychiatrischen Erkrankung in eine Klinik oder Notaufnahme eingewiesen worden ist: Das Risiko lag dann um das 3,48-Fache höher als in der Zeit davor.

Psychiatrisch bedingte Klinikeinweisung als potenzieller Risikofaktor

Wie der Studienleiter Jonah P. Zuflacht auf der International Stroke Conference berichtete, bleibt das Schlaganfallrisiko für die Betroffenen für mindestens ein Jahr erhöht. Über die Zeit scheine die Gefahr dann zu schwinden, berichtete der am Columbia University College of Physicians and Surgeons tätige Mediziner. Für ihn spricht dieses Ergebnis dafür, dass eine Klinikeinweisung aufgrund einer psychiatrischen Erkrankung ein potenzieller Risikofaktor für einen Schlaganfall darstellen könnte, den man in Zukunft weiter untersuchen müsse.

Insgesamt 3.337 der untersuchten Schlaganfallpatienten litten vor dem Ereignis an einer psychiatrischen Erkrankung, die zu einer Klinik- bzw. Notaufnahme-Einweisung geführt hatte. Jeder dieser Fälle diente als seine eigene Kontrolle (case-crossover-Design), sprich das Schlaganfallrisiko in der Zeit vor der psychiatrisch bedingten Klinikeinweisung wurde mit dem Risiko in der Folgezeit verglichen. Dadurch ließen sich auf das Ergebnis womöglich einflussnehmende Störfaktoren wie das Vorliegen von Komorbiditäten minimieren, so Zuflacht.

Welche Ursache steckt dahinter?

Die Ursache für das erhöhte Schlaganfallrisiko nach einer psychiatrisch bedingten Klinikeinweisung  könnte dem Wissenschaftler zufolge in der Therapietreue der betroffenen Patienten liegen. „Psychisch erkrankte oder gestresste Menschen vergessen eher, ihre Medikamente zu nehmen, die sie womöglich gegen ihr erhöhtes Schlaganfallrisiko bekommen.“ Andere Erklärungen könnten physiologische Mechanismen sein, die durch Stress ausgelöst würden und das Schlaganfallrisiko erhöhen könnten, etwa eine erhöhte Sympathikusaktivität.  

Es könne daher sinnvoll sein, Patienten mit bereits erhöhtem Schlaganfallrisiko, die dann noch an einem psychischen Leiden erkrankten, eine spezielle Behandlung zuteilwerden zu lassen. Noch sei es jedoch zu früh, eine solche Empfehlung auszusprechen, zumal man auch gar nicht wisse, wie eine solche Behandlung aussehen könnte, betonte Zuflacht. 

Literatur