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07.02.2017 | Neurologie | Nachrichten

Geschlechtsspezifische Unterschiede

Schlaganfall bei Vorhofflimmern – Frauen trifft es härter

Autor:
Veronika Schlimpert

Frauen mit Vorhofflimmern sind häufiger von einem schweren Schlaganfall betroffen als Männer. Das zeigen Daten des österreichischen Stroke-Unit-Registers. Doch warum ist das so?

Das Schlaganfallrisiko scheint für weibliche Vorhofflimmern-Patienten höher zu sein als für Männer, darauf deuten die Ergebnisse früherer Studien hin. Nun zeigt eine Auswertung des österreichischen Stroke-Unit-Registers, dass ein Schlaganfall bei Frauen auch häufiger einen schweren Verlauf nimmt – allerdings nur, wenn der Insult durch Vorhofflimmern bedingt ist.  

Österreichisches Stroke-Unit-Register

Seit 2003 werden in Österreich schlaganfallrelevante Daten in einem überregionalen Register gesammelt. Mittlerweile sind 38 Stroke-Units beteiligt. Von den in dieser Auswertung berücksichtigten 63.563 Schlaganfallpatienten litt knapp ein Drittel (29,8%) an Vorhofflimmern. Generell zeigten Patienten mit Vorhofflimmern-assoziierten Schlaganfällen schwerere Verläufe als Patienten, bei denen eine andere Ursache für die Durchblutungsstörung vorgelegen hatte.

In einer multivariaten Analyse ergab sich ein Zusammenhang zwischen dem Geschlecht und der Schwere des ischämischen Schlaganfalls unabhängig vom Alter der Betroffenen. So kamen schwere Verläufe bei weiblichen Vorhofflimmern-Patienten deutlich häufiger vor als bei männlichen (medianer „National Institutes of Health Stroke Scale“ (NIHSS)-Score von 9 vs. 6, p<0,001).

„Dieser geschlechterspezifische Unterschied war nur bei Patienten mit Vorhofflimmern vorzufinden“, berichten die Studienautoren um Clemens Lang aus Wien. Somit sei das weibliche Geschlecht nicht nur ein Risikofaktor für die Entwicklung eines ischämischen Insults bei Vorhofflimmern, sondern auch für die Schwere des Verlaufs, resümieren die Wissenschaftler.

Mögliche Ursachen

Da eine frühere Analyse des Registers keine geschlechterspezifischen Unterschiede bei der Akutversorgung von Schlaganfallpatienten ergeben hatten, schließen Lang und Kollegen dies als Ursache für ihre Beobachtung eher aus. Eine bei Frauen geringere Verschreibungsrate oraler Antikoagulanzien halten sie als Ursache ebenfalls für unwahrscheinlich, da die absoluten Unterschiede hier eher gering seien.

Eine plausible Erklärung könnte ihrer Ansicht nach in der Anatomie der weiblichen intra- und extrakraniellen Gefäße liegen. Deren Durchmesser seien nämlich deutlich geringer als bei Männern. Damit könnte ein Embolus derselben Größe bei einer Frau zu einem proximaleren Gefäßverschluss führen als bei einem Mann. Dieser Unterschied wiederum könnte die in dem Register gefundene höhere Prävalenz eines Total Anterior Circulation Syndroms (TACI) bei den Frauen erklären. Als TACI wird eine ausgedehnte Durchblutungsstörung im Versorgungsbereich der A. carotis bzw. der A. cerebri media bezeichnet.  

Natürlich könnten auch hormonelle Einflüsse, beispielsweise Hormonschwankungen nach der Menopause, die häufiger schwer verlaufenden Schlaganfälle bei den Frauen erklären. Als Haupttrigger schließen die Studienautoren solche Hormonschwankungen aber aus, da der Zusammenhang zwischen der Schwere des Insults und dem Geschlecht unabhängig vom Alter aufgetreten war.

Als Limitation der Studie wird auf die nicht vollständige Dokumentation potenzieller Störfaktoren hingewiesen. So gibt es u. a. keine Informationen zur zurückliegenden Medikation oder zum Vorliegen von kognitiven Störungen.

Literatur