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12.01.2018 | Neurologie | Nachrichten

Suche nach Risikofaktoren

Schlaganfallpatienten sind besonders suizidgefährdet

Autor:
Veronika Schlimpert

Nach einem Schlaganfall nehmen sich nicht wenige Betroffene das Leben. Wissenschaftler haben nun untersucht, welche Patienten besonders gefährdet sind.

Ein Schlaganfall verändert das Leben der Betroffenen meist tiefgreifend. Aufgrund körperlicher Beeinträchtigungen ist ein selbstständiges Leben oft nicht mehr möglich, Depressionen, Angstzustände bis hin zu Geldnot und sozialer Isolation können die Folgen sein. Dass sich in einer derartigen Lebenssituation bisweilen Hoffnungslosigkeit breitmacht, ist nicht verwunderlich.

So hat sich bereits in mehreren Studien gezeigt, dass Patienten nach einem Schlaganfall besonders Suizid gefährdet sind. In einer aktuellen Untersuchung aus Taiwan war das Risiko dann mehr als doppelt so hoch als bei Personen ohne eine solche neurologische Erkrankung (adjustierte  Hazard Ratio: 2,2). Tomor Harnord und Kollegen haben die Daten von 713.690 Schlaganfallpatienten ausgewertet und diese mit Daten von 1.426.009 Kontrollpersonen hinsichtlich Alter und Geschlecht gematcht.

Während der 12-jährigen Beobachtungszeit hatte es in der Schlaganfallgruppe deutlich mehr  Suizidversuche gegeben als in der Kontrollgruppe (Inzidenz: 7,02 vs. 2,38 pro 10.000 Personenjahre). Besonders gefährdet waren unter den Schlaganfallpatienten diejenigen, bei denen das Ereignis vor dem 50. Lebensjahr aufgetreten war (HR: 1,35). Ebenso nahmen sich eher ärmere Menschen mit geringem Einkommen das Leben  (< 660 US Dollar), und solche, die in weniger städtischen Gebieten wohnten.  Arbeiter waren mehr gefährdet als Personen, die einer Bürotätigkeit nachgingen.

Nicht überraschend waren auch Komorbiditäten wie Depression, Schizophrenie, Alkoholsucht, Schlaflosigkeit usw. mit einem erhöhten Suizidrisiko assoziiert.

Der häufigste Selbstmordversuch in dieser  taiwanesischen Population war das Herunterspringen von hohen Gebäuden.

Selbstverständlich lassen sich diese Daten nicht 1:1 auf die Situation hierzulande übertragen.

Literatur