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01.09.2016 | Neurologie | Nachrichten

Ischämischer Schlaganfall

Sofortige Thrombektomie, oder erst Thrombolyse vorschalten?

Autor:
Dr. Dirk Einecke

Bei einem akuten Schlaganfall scheint die direkte Thrombektomie ebenso gute Ergebnisse zu zeitigen wie eine Thrombektomie im Anschluss an eine intravenöse Thrombolyse.

Patienten mit schwerem Schlaganfall haben ohne Therapie sehr schlechte Karten: Bis zu 50 % sterben, 40 % überleben mit schweren Behinderungen, maximal 10 % der Patienten kommen glimpflich davon.

Mit einer Thrombolyse-Behandlung in einer Stroke Unit steigt der Anteil günstiger Ergebnisse auf 20–30 %, mit einer endovaskulären Thrombektomie jüngeren Studien zufolge sogar auf 45 bis 50 %. Wenn der Katheter-Eingriff in einem Zeitfenster von drei Stunden nach dem Schlaganfall durchgeführt wird, können gar 70 % der Betroffenen ihr Leben weitgehend normal fortsetzen, berichtete Prof. Petr Widimsky von der Karls-Universität in Prag. Aufgrund dieser Ergebnisse wird die mechanische Thrombektomie heute bei Schlaganfällen mit Verschlüssen großer Arterien empfohlen.

Beim ESC 2016 berichtete Widimsky über die Ergebnisse der Pilotstudie PRAGUE-16 mit 106 Patienten, die mit einem moderaten bis schweren Schlaganfall innerhalb von sechs Stunden das Krankenhaus erreichten. Bei den Patienten lag eine Okklusion eines großen Hirngefäßes vor, aber das CT zeigte noch keine große Ischämie-Zone. Untersucht wurde zum einen, ob eine primäre Thrombektomie ebenso effektiv ist wie eine primäre Thrombolyse-Behandlung, an die sich die Thrombektomie anschloss.

Gleiche Ergebnisse

In der ersten Gruppe betrug die mediane Zeit zwischen Schlaganfall und Thrombektomie 147 Minuten, in der zweiten Gruppe 188 Minuten. Dennoch waren die Ergebnisse gleich, 41 % der Patienten erzielten gute funktionelle Ergebnisse, ohne Unterschied zwischen den Gruppen. Die Rate ist etwas geringer als die 48 %, die im Schnitt in den 2015 veröffentlichten randomisierten Studien in spezialisierten neuroradiologischen Abteilungen erreicht wurden.

Ebenso deutet die PRAGUE-16-Studie an, dass die Behandlung auch interdisziplinär in interventionellen kardiologischen Labors durchgeführt werden kann, deren Dichte meist höher ist als diejenige spezialisierter neurologischer Einrichtungen. Allerdings sollten die Ergebnisse noch in größeren Studien überprüft werden.

Literatur

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