Skip to main content
main-content

01.04.2018 | Neurologie | Nachrichten

Patienten mit Vorhofflimmern

Was bringt Antikoagulation nach intrazerebraler Blutung?

Autoren:
Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Prof. Dr. med. Karl Georg Häusler

Wie ist die Prognose intrazerebraler Blutungen unter oraler Antikoagulation? Gibt es Prädiktoren für ein Blutungsrezidiv unter erneuter oraler Antikoagulation? Eine Metaanalyse sucht nach Antworten.

Etwa 10–20 % aller Schlaganfälle werden durch eine intrazerebrale Blutung ausgelöst, von denen wiederum 10–15 % als Komplikation einer oralen Antikoagulation anzusehen sind. Ein schwieriges Problem ist die Frage, ob bei Patienten mit Vorhofflimmern eine orale Antikoagulation nach einer stattgehabten intrazerebralen Blutung wieder verordnet werden kann.

In der Zeitschrift „Annals of Neurology“ wurde jetzt eine Metaanalyse publiziert [1], die anhand von drei multizentrischen Studien [2, 3, 4] den Einfluss einer erneuten Antikoagulation auf die Sterblichkeit, den funktionellen Outcome und die Schlaganfallinzidenz untersucht hat. Verglichen wurden lobäre mit nicht lobären Blutungen.

Das mittlere Alter der 1.012 berücksichtigten Patienten mit bekanntem Vorhofflimmern betrug 73 Jahre. 60 % der Patienten waren männlich und 30 % hatten zuvor bereits einen Schlaganfall erlitten. Eine nicht lobäre Blutung wiesen 633 Patienten auf und 379 Patienten hatten eine lobäre Blutung erlitten. Der mediane Behinderungsgrad auf der modifizierten Rankin-Skala betrug bei Entlassung 4. Eine erneute Antikoagulation erfolgte in den drei zugrunde liegenden Studien bei 15–36 % bzw. 21–46 % der Patienten mit lobärer bzw. nicht lobärer Blutung, Thrombozytenfunktionshemmern erhielten 20–56 %.

Gemäß einer multivariaten Analyse war eine erneute orale Antikoagulation nach einer nicht lobären Blutung mit einer reduzierten Sterblichkeit (Hazard Ratio, HR = 0,25; 95%-Konfidenzintervall, KI: 0,14–0,44; p < 0,0001) und einem besseren funktionellen Outcome (modifizierte Rankin-Skala = 0–3 [5]; HR = 4,22; 95% KI: 2,57–6,94; p < 0,0001) assoziiert. Dies galt auch für eine erneute orale Antikoagulation nach lobärer Blutung mit einer HR von 0,29 (95% KI: 0,17–0,45; p < 0,0001) für die Sterblichkeit bzw. mit einer HR von 4,08 (95% KI: 2,48–6,72; p < 0,0001) für ein besseres funktionelles Outcome. Eine erneute Antikoagulation führte außerdem auch zu einer signifikanten Reduktion erneuter Schlaganfälle.

Fazit

Die Ergebnisse der Analyse dieser drei großen Registerstudien zeigen, dass bei Patienten bei denen nach einer stattgehabten intrazerebralen Blutung eine erneute orale Antikoagulation erfolgt, ein Nutzen bzgl. Sterblichkeit, erneuter Schlaganfälle und des funktionellen Outcomes beobachtet werden kann. Die Ergebnisse sind natürlich stark davon beeinflusst, wie die behandelnden Ärzte ein erhöhtes oder nicht erhöhtes Risiko für eine erneute intrazerebrale Blutung beurteilt und konsekutiv über die erneute orale Antikoagulation entschieden haben. Die nun vorliegende Metaanalyse zeigt zudem keinen Unterschied bzgl. Nutzen und Risiko einer erneuten Antikoagulation bei Patienten mit lobären und nicht lobären Blutungen. Die klinisch relevante Frage welche Vorhofflimmern-Patienten nach einer intrakraniellen Blutung erneut antikoaguliert werden können, lässt sich aber nur mit einer prospektiven randomisierten Studie beantworten.

Literatur