Online-Artikel 26.11.2015

Thrombusaspiration: Auch auf längere Sicht ohne Nutzen

Nicht völlig überraschend: Die Thrombusaspiration beim Nicht-ST-Hebungs-Infarkt (NSTEMI) hat nicht nur keinen Effekt auf die mikrovaskuläre Obstruktion. Sie bringt auch im klinischen Langzeitverlauf keinen Benefit.

Die deutsche TATORT-NSTEMI-Studie ist die erste große randomisierte Studie zur Thrombusaspiration beim NSTEMI. Bei 440 Patienten mit NSTEMI und relevantem Thrombus wurde untersucht, ob eine Thrombusaspiration die mittels kardialer MRT quantifizierte mikrovaskuläre Obstruktion verringert. Das war nicht der Fall. Die Ergebnisse zu diesem primären Studienendpunkt waren vor zwei Jahren beim Kongress TCT 2013 in San Franzisco erstmals vorgestellt und vor einem Jahr im Journal of the American College of Cardiology publiziert worden.

Jetzt berichtet das Studienteam um Professor Holger Thiele von der Universität Leipzig gewissermaßen abschließend noch über die klinischen Langzeitergebnisse, genauer über die Rate schwerer kardiovaskulärer Ereignisse (MACE) nach 12 Monaten. MACE waren definiert als Komposit aus Gesamtmortalität, Myokardinfarkt, neuer Herzinsuffizienz und erneuter Revaskularisation des Zielgefäßes.

Kein Anzeichen für günstige Wirkung

Thiele betont, dass die Studie formal nicht für die Detektion klinischer Unterschiede gepowert war. Sie sei aber groß genug gewesen, um mögliche Trends identifizieren zu können. Die gab es freilich nicht: MACE traten bei 8,7% der Patienten in der Thrombektomie-Gruppe und bei 13,4% der Patienten in der Kontrollgruppe auf. Das war weit von jeder Signifikanz entfernt (p=0,11).

Auch wenn die Endpunktkomponenten einzeln analysiert wurden, gab es keine Unterschiede. Lebensqualität und funktionelle Parameter (NYHA, CCS) unterschieden sich ebensowenig.

Im Einklang mit enttäuschenden Daten bei STEMI

Thiele betont, dass die Ergebnisse voll im Einklang mit den Ergebnissen aus STEMI-Studien wie TASTE und TOTAL stünden, in denen in der Indikation STEMI ebenfalls kein Vorteil gefunden worden war. Auf Basis dieser Studien ist die Thrombektomie sowohl in den europäischen als auch in den amerikanischen Leitlinien mittlerweile heruntergestuft worden.

Der Sprecher der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie, Professor Steen Kristensen von der Aarhus Universität in Dänemark, betont anlässlich der Publikation der neuen Daten, dass die Thrombusaspiration weder beim STEMI noch beim NSTEMI routinemäßig genutzt werden sollte: „Wir sollten zweimal darüber nachdenken, bevor wir eine Thrombusaspiration einsetzen.“ Trotz der Studienergebnisse könne sie aber bei ausgewählten Patienten nach wie vor von Nutzen sein.

Literatur

Meyer-Saraei R et al. Thrombus aspiration in non-ST-elevation myocardial infarction – 12-month clinical outcome of the randomised TATORT-NSTEMI trial. Eur Heart J Acute Cardiovasc Care 2015; 18. November 2015; DOI: 10.1177/2048872615617044

European Society of Cardiology 2015; TATORT-NSTEMI trial shows thrombus aspiration does not improve 12-month outcomes; 19. November 2015

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