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27.05.2015 | Nachrichten

Orale Antikoagulation

NOAC im höheren Alter: Noch Klärungsbedarf

Autor:
Philipp Grätzel

Autoren einer Metaanalyse zu neuen oralen Antikoagulanzien (NOAC) bei Vorhofflimmern bzw. venöser Thromboembolie versuchen sich an einer vergleichenden Abschätzung des Blutungsrisikos im Alter. Sie halten die derzeitige Datenlage für suboptimal.

Die neue, im Fachblatt „ Circulation“ publizierte Analyse stammt von eher in der hausärztlichen Versorgung verorteten Wissenschaftlern um Dr. Manuj Sharma vom Department of Primary Care and Public Health Sciences des King’s College London. Die Metaanalyse konzentrierte sich auf randomisierte Studien zu Dabigatran, Apixaban, Rivaroxaban und Edoxaban, die einen direkten Vergleich mit Vitamin-K-Antagonisten (VKA) erlauben.

Gesucht wurde speziell nach Daten zu Patienten, die 75 Jahre und älter waren. Insgesamt 19 Studien erfüllten die Einschlusskriterien. Von diesen lieferten aber nur elf Studien separate Daten zu älteren Patienten. Hinsichtlich der bei der Analyse nicht im Vordergrund stehenden Effektivität war das Ergebnis eindeutig: Die NOACs waren im Einklang mit dem, was die Einzelstudien erwarten lassen, durchweg entweder genauso effektiv oder effektiver als die Behandlung mit VKA.

Datenlage für Dabigatran relativ am besten

Bei den Blutungen versuchen die Autoren eine substanzspezifische Differenzierung vorzunehmen. Am besten sei die Datenlage dabei für Dabigatran. Hier gab es bei über 75-Jährigen ein erhöhtes, aber nicht statistisch signifikant erhöhtes Risiko für Major-Blutungen bei Einsatz der 150-mg-Dosierung (OR 1,18; 95% CI 0,97–1,44), nicht aber bei Einsatz der 110-mg-Dosierung. Für beide Dosierungen sei das Risiko gastrointestinaler Blutungen bei alten Patienten im Vergleich zu VKA signifikant erhöht (OR 150 mg/110 mg 1,78/1,40). Gleichzeitig sei ebenfalls für beide Dosierungen das Risiko intrakranieller Blutungen signifikant geringer (OR 150 mg/110 mg 0,43/0,36).

Bei Apixaban errechnete sich für ältere Patienten im Vergleich zu VKA im Unterschied zu Dabigatran ein signifikant geringeres Risiko an Major-Blutungen (OR 0,63; 95% CI 0,51–0,77). Gleiches galt für Edoxaban in den beiden Dosierungen 60 mg und 30 mg. Bei Rivaroxaban war das Risiko für Major-Blutungen bei über 75-jährigen Patienten dagegen praktisch genauso hoch wie bei VKA-Therapie.

Weitere Daten erforderlich

Mit Blick auf Apixaban, Edoxaban und Rivaroxaban betonen die Autoren allerdings, dass hier die Datenlage für über 75-jährige Patienten insgesamt deutlich schlechter sei als bei Dabigatran. Damit stellt sich die Frage der Vergleichbarkeit der Ergebnisse und damit letztlich auch die Frage der Aussagekraft dieser Metaanalyse. Entsprechend werden speziell für diese drei NOACs weitere Daten für erforderlich gehalten, bevor allgemeingültigere Aussagen zum Blutungsrisiko bei älteren Patienten möglich sind.

Literatur

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