Online-Artikel 08.10.2015

Noch striktere LDL-Zielwerte bei hohem kardiovaskulärem Risiko?

Zumindest für Patienten mit sehr hohem kardiovaskulärem Risiko werden die LDL-Zielwerte für die lipidsenkende Therapie in den Leitlinien wohl schon bald in einen noch niedrigeren Bereich gesenkt werden. Das erwartet Professor Harald Darius aus Berlin aufgrund von Ergebnissen der IMPROVE-IT-Studie mit Ezetimib.

Derzeit lautet die Empfehlung, bei Hochrisiko-Patienten mit akutem Koronarsyndrom die LDL-Cholesterinwerte auf 70 mg/dl oder niedriger zu senken, erinnerte Darius bei einer Pressekonferenz im Rahmen der Herbsttagung 2015 der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) in Berlin. Dies geschieht in der Regel durch eine Behandlung mit Statinen.

IMPROVE-IT habe nun erstmals den Beweis erbracht, dass auch die LDL-Senkung mit einem Nicht-Statin das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko additiv zu Statinen verringern kann, betonte Darius, Präsident der diesjährigen DGK-Herbsttagung. Er sieht durch die Studie bestätigt, dass die LDL-Reduktion (und nicht irgendwie geartete pleiotrope Statin-Effekte) der entscheidende Faktor für die Prävention kardiovaskulärer Ereignisse ist und der Grundsatz „Even lower is even better“ Gültigkeit besitzt.

Herzinfarkte und Schlaganfälle verhindert

Ezetimib, das die Cholesterinabsorption aus dem Darm hemmt, ist in der Studie bei KHK-Patienten mit hohem Risiko, die bereits ihrer Risikokategorie entsprechende LDL-Zielwert mit einer Statintherapie erreicht hatten, auf Wirksamkeit und Sicherheit geprüft worden. Beteiligt waren mehr als 18.000 Patienten, die kurz zuvor wegen akutem Koronarsyndrom (ACS) in stationärer Behandlung gewesen waren.

Additiv zur Therapie mit Simvastatin wurden mit Ezetimib die LDL-Spiegel im Schnitt auf um rund 16 mg/dl niedrigere Werte gesenkt (53,7 versus 69,7 mg/dl). Dieser Unterschied schlug sich klinisch in einer jeweils signifikanten Reduktion der Herzinfarkt- und Schlaganfallraten nieder. Die kardiovaskuläre Mortalität wurde nicht beeinflusst – was nach Einschätzung von Darius aufgrund der bereits schon niedrigen LDL-Ausgangswerte und der ausgezeichneten Begleittherapie auch nicht zu erwarten war.

Vor allem Diabetiker profitierten von starker LDL-Senkung

Beim ESC-Kongress in London ist jüngst eine Subgruppen-Analyse aus IMPROVE-IT vorgestellt worden, die zeigt, dass die Risikoreduktion durch Ezetimib bei ACS-Patienten mit Diabetes besonders deutlich war. Speziell für diese Risikogruppe sollten daher künftig noch striktere LDL-Zielwerte in Betracht gezogen werden, so Darius.

Die Sorge, das LDL-Cholesterin könnte durch eine intensivere Lipidsenkung auf einen zu niedrigen Wert absinken, plagt Darius nicht. Er verwies darauf, dass in der IMPROVE-IT Studie mehr als 4.000 Patienten dauerhaft niedrige LDL-Werte im Bereich unter 40 mg/dl hatten. Anhaltspunkte dafür, dass so niedriger Werte zu befürchteten Problemen etwa mit dem Gedächtnis oder der Sexualität führen könnten, gab es nicht.

Literatur

Pressekonferenz bei der Herbsttagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) 2015, Berlin, 8.-10. Oktober 2015