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10.09.2016 | Pädiatrische Kardiologie | Nachrichten

Kinderkardiologie

Spotlights von der AEPC-Jahrestagung 2016

Autor:
Prof. Dr. med. Angelika Lindinger

Bei der europäischen Jahrestagung der Kinderkardiologen (AEPC) in Rom wurden neue Daten zum interventionellen Ductus-Verschluss bei Frühgeborenen und Langzeitergebnisse zum Pulmonalklappenersatz vorgestellt.

Der Verschluss eines persistierenden Ductus arteriosus wird bei sehr kleinen und unreifen Frühgeborenen nach wie vor überwiegend chirurgisch durchgeführt. Nichtsdestoweniger wird zur Schonung der sehr instabilen und häufig multimorbiden Patienten in ausgewählten Fällen dem interventionellen Verschluss der Vorzug gegeben.

Okkluder über die Femoralvene

Auf der AEPC-Jahrestagung 2016 wurde von der Gruppe um Prof. Nazmi Narin, Universität Kayseri, Türkei, über den PDA-Verschluss bei sehr kleinen Frühgeborenen mit einem Körpergewicht unter 1.000 Gramm berichtet. Das kleinste der insgesamt acht Kinder wog nur 750 Gramm. Der PDA-Durchmesser lag zwischen 1,9 und 2,4 mm. Zum Verschluss wurden ADO-II-AS-Systeme verwendet. Um die Femoralarterie zu schonen, wurde die Okkluderimplantation über die Femoralvene vorgenommen. Als einzige Komplikation wurde über eine durch das Device bedingte Stenose der linken Pulmonalarterie in zwei Fällen berichtet, die sich nach sechs Monaten wachstumsbedingt spontan normalisierte.

Die bisher umfangreichsten publizierten Daten zu diesem Thema kamen 2016 aus einem Einzelinstitutionsbericht aus Ohio mit insgesamt 52 Frühgeborenen, deren Körpergewicht zwischen 1,2 und 3,9 kg lag. In 88 Prozent der Fälle konnte der Okkluder erfolgreich implantiert werden. Bei 46 Kindern war der PDA danach komplett verschlossen. In fünf Fällen musste der Okkluder, wegen Kompression der linken Pulmonalarterie bzw. Einengung des Aortenisthmusbereichs, wieder entfernt werden. Als weitere unerwünschte Ereignisse traten Okkluderembolisationen, arterielle Gefäßprobleme und ein transfusionspflichtiger Blutverlust bei insgesamt 33 Prozent der Kinder auf. Es ereigneten sich allerdings keine prozedurbezogenen Todesfälle.

Verbesserte Lungenfunktion

Im postinterventionellen Verlauf konnte ein positiver Einfluss des PDA-Verschlusses auf die Lungenfunktion sowie die Beatmungspflichtigkeit registriert werden.

Mit zunehmender Verbesserung der Verschlusssysteme (schmalere Einführschleusen, flexibleres Material) war es in den letzten Jahren möglich, auch sehr kleine Frühgeborene mit PDA in ausgewählten Fällen interventionell zu behandeln.

Reduktion von Druckgradient und Pulmonalinsuffizienz

In einem weiteren Beitrag von der europäischen Jahrestagung der Kinderkardiologen in Rom berichtete Prof. Marc Gewillig, Leuven, Belgien, über die Langzeitergebnisse des transkutanen Einsatzes der Melody-Klappe in Pulmonalklappenposition. In seiner Institution wurden von 2006 bis 2015 220 Patienten mit 222 Melody-Klappen versorgt. Das Alter der Patienten lag bei 3,9–81 Jahren. Die Nachbeobachtungszeit betrug im Mittel 5,5 Jahre.

Der rechtsventrikuläre Ausflusstrakt war vor der Intervention zumeist operativ mit einem Homograft versorgt worden, seltener mit einer Patchplastik. In fast allen Fällen wurde er deshalb vor der Klappenimplantation mit einem Stent versehen. Mit der Klappenimplantation konnte der Druckgradient von 50 auf 20 mmHg gesenkt und die vorher bestandene Pulmonalinsuffizienz auf einen Insuffizienzgrad von 0 bis 1 reduziert werden.

Die Melody-Klappe wies eine gute Langzeitfunktion auf. Nur drei Patienten benötigten eine zweite Klappe (Stent-in-Stent-Klappe) und bei fünf Patienten war zur Behebung eines hämodynamisch ungünstigen Ergebnisses ein nachfolgender chirurgischer Eingriff erforderlich. Die Stentfrakturrate betrug 17 Prozent.

Gelegentlich bedurfte die Klappe der Nachdilatation mit einem Ballonkatheter. Drei Patienten verstarben im Nachbeobachtungszeitraum; ein Zusammenhang mit der Klappenimplantation bestand jedoch nicht.

Weniger Endokarditiden im Nachbeobachtungszeitraum

Ein nach wie vor ungeklärtes Problem ist das gehäufte Auftreten von Endokarditiden mit einer Rate von 15 Prozent im gesamten Nachbeobachtungszeitraum (das entspricht ca. drei Prozent pro Jahr). Gewillig betonte aber, dass sich die Häufigkeit dieser Komplikation in den letzten Jahren deutlich reduzieren ließ und zuletzt nur noch 0,6 Prozent pro Jahr betrug. Als mögliche Infektionsquellen werden eitrige Hautinfektionen und zahnärztliche Eingriffe vermutet. 

Literatur

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